Melchior: Jedes Kilo eine Pracht

Dieser Zuchtstier ist 104500 Euro wert

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Melchior mit dem Züchterpaar Georg und Marianne Willibald sowie den Töchtern Kathrin und Marianne (vorne kniend).

Bad Tölz -So viel Geld wurde auf dem Zuchtviehmarkt in Miesbach noch nie für einen Stier bezahlt: Prachtkerl Melchior spielt eben in der absoluten Profiliga!

Vor zweieinhalb Jahren trugen Rinder-züchter weltweit Trauer: Hippo war tot. Hippo, der potente Superbulle, der Poinger Wahnsinnsstier, der auf jedem Kontinent der Erde vertreten ist durch seine unglaublichen 200000 Nachkommen. Doch seit vergangener Woche geht ein neuer, künftiger Alphabulle an den Start, der erst einjährige Melchior aus Arzbach (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Auf dem Zuchtviehmarkt in Miesbach, gleichzeitig die erste Versteigerung in der neuen Oberlandhalle, erzielte der erst 550 Kilo schwere Jungspund einen Preis von sagenhaften 104 500 Euro – somit wurde der Marktrekord von bislang 92 000 Euro glatt pulverisiert.

Noch Stunden nach der Auktion gab die Züchterin Marianne Willibald einen Einblick ins Gefühlsleben ihrer Familie: „Wir alle haben einen kleinen Schock.“ Denn schon bei ausgerufenen 99 000 Euro wäre die Marianne „am liebsten heimgefahren“.

Eine Besamungsstation aus Wasserburg am Inn erhielt den Zuschlag, nach einer wahren Bieterschlacht mit einer anderen Besamungsstation. Die beiden Unternehmen waren von Melchiors Qualitäten, die sich im sogenannten genomischen Zuchtwert ausdrückt, überzeugt. Da geht es etwa um die Euter der Töchter, die Melkbarkeit, die zu erwartende Milchmenge. Der junge Melchior spielt hier überall in der ersten Profiliga mit, ohne es zu wissen. Oder, wie es Hans-Jürgen Seuffer, Chef des Verbands der Bayerichen Milch­erzeuger, ausdrückt: „Die Leistungsdaten dieses Stiers sind hervorragend, er hat Super-Gene.“

Dabei war das Startgebot für Melchior mit 1500 Euro noch bescheiden. Doch dann kam Schwung in die Sache, und der Auktionator kaum noch hinterher. Schließlich fiel der Hammer, Marianne und ihr Ehemann Georg blieb fast das Herz stehen. „Wir haben uns ja nicht eine Sekunde darüber Gedanken gemacht, wie viel wir für den Melchior bekommen“, erzählte Marianne Willibald hernach dem Münchner Merkur.

Melchior stammt auch rein rindisch gesehen aus bester Familie. Vater Manigo hatte sich in den vergangenen Jahren toll entwickelt, seine Werte waren enorm gestiegen. Mutter Inka erwartet in einigen Tagen Zwillinge, und selbst die Großmutter ist wieder trächtig.

Ob nun Melchior wirklich das hält, was seine Werte sagen, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen: Für sechs Wochen steht er auf der Besamungsstation in Quarantäne, dort wird gleichzeitig ermittelt, wie fruchtbar der junge Herr wirklich ist. Sollte er allerdings nicht zur Besamung geeignet sein, geht er auf den Hof der Willibalds zurück.

Trotz der enormen Summe gibt es dort so etwas wie Abschiedsschmerz, seit Melchior nicht mehr da ist. Er sei halt eine Seele von Vieh gewesen, einer, der zur Familie gehörte. Den drei Kindern Marianne, Kathrin und Schorsch liegt er besonders am Herzen.

Es könnte gut sein, dass die Haushaltskasse in drei Wochen weiter aufgestockt wird. Dann gehen die Drillingsbrüder von Melchior – man ahnt es, sie heißen Kaspar und Balthasar – in die Versteigerung. Stellt sich nur noch eine Frage: Haben die Könige aus dem Morgenland das Zeug dazu, an Superbulle Hippo heranzukommen?

Markus Christandl

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