"Politesse macht den besten Umsatz"

Wut auf Stadt! Das steckt hinter dieser kuriosen Anzeige

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Die Anzeige.

Altötting - Eine Geschäftsfrau hat ihrem Ärger mit einer Zeitungsanzeige Luft gemacht. Der Grund ihrer Wut: eine Strafzettelaktion.

Da hat sich jemand seine Wut über die Strafzettel verteilende Parküberwachung was kosten lassen. „Bravo Altötting– den besten Umsatz an einem langen Samstag vor Weihnachten macht in dieser Stadt die Politesse mit Verteilung von Strafzetteln!“ Die Belegschaft von City-Mode hatte eine Anzeige mit diesem Text am Dienstag im Alt-Neuöttinger Anzeiger geschaltet. Eine „ungewöhnliche Aktion“, wie auch ein Polizeisprecher bestätigt. „Ärger mit erwischten Falschparker gehört zur Tagesordnung, aber so eine Reaktion gab es noch nie“, so Verkehrssachbearbeiter Polizeihauptkommissar Konrad Reischer von der Inspektion in Altötting.

Offenbar hat sich bei den Gewerbetreibenden in der oberbayerischen Wallfahrtsstadt einiges angestaut. Denn die Bahnhofstraße, einst Altöttings Einkaufsmeile, ist inzwischen zum Sorgenkind mutiert. Die großen Geschäfte sind längst auf die grüne Wiese vor der Stadt gezogen.

Leerstände und ständige, nicht sehr glückliche Veränderungen bei der Verkehrsführung trugen zusätzlich dazu bei, dass die Zahl der Laufkundschaft längst dramatisch abgenommen hat. „Meistens herrscht hier tote Hose“, schildert City-Mode-Chefin Marlies Engel die Situation im einstigen Zentrum von Altötting. Wenn die Stadt dann mal etwas zu bieten habe, wie derzeit den Christkindlmarkt auf dem Kapellplatz, verärgere man mögliche neue Kunden mit einer unsinnigen Strafzettelaktionen.

City-Mode-Mitarbeiterinnen Erika Gaßner und Karin Herbst (re.) sind verärgert

Das war am Nachmittag vor dem 2. Advent geschehen: Wo an normalen Samstagen schon ab Mittag die Gehsteige hochgeklappt werden, suchten diesmal Christkindlmarkt-Besucher nach Parkplätzen. „Dass hier selbst in den kleinen Nebenstraßen nur eingeschränkt geparkt werden darf, das haben die meisten Besucher nicht mitbekommen“, sagen dazu die City-Mode-Mitarbeiterinnen Erika Gaßner und Karin Herbst übereinstimmend. Und dass eine Politesse die parkenden Fahrzeuge „dann nahezu ausnahmslos plakatiert hat. Die hat an diesem Nachmittag ihr Monatsgehalt hereinverdient“, vermuten die Verkäuferinnen und sehen darin ebenso wie ihre Chefin eine „reine Abzocke“ der Stadt. Niemand habe wild oder verkehrsbehindernd geparkt. Die Leute hätten einfach übersehen, dass sie an den Stellen eine Parkscheibe brauchten.

Den Abzockvorwurf weist Konrad Reischer von der Polizei zurück und nimmt die Mitarbeiterinnen in Schutz: „Unsere Politessen achten nur darauf, dass die Straßenverkehrsordnung eingehalten wird.“ Die Einnahmen gingen zudem nicht an die Stadt, sondern wie alle von der Polizei verhängten Bußgelder an den Freistaat. In einem Punkt sei die Stadt aber schon beteiligt: Wo, wie und wie lange geparkt werden dürfe, das werde von der Stadt festgelegt.

RP

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