Mehr als 7 Millionen Euro wert

Starnbergerin streitet um teuersten Teppich

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Der teuerste Teppich der Welt.

Augsburg - Der Teppich, der von einem Augsburger Auktionshaus auf gerade einmal 900 Euro taxiert wurde, hatte tatsächlich einen Wert von mehr als sieben Millionen. Der Rechtsstreit um die spektakuläre Fehleinschätzung geht weiter.

Im Streit um den kurzzeitig teuersten Teppich der Welt hat ein Gutachter den unglücklichen Augsburger Auktionator ein Stück weit in Schutz genommen. Der Mann hatte den Wert vor einer Versteigerung im Jahr 2009 auf nur 900 Euro taxiert - wenig später wurde der Perser in London für sieben Millionen Euro verkauft.

Der Rechtsstreit ging am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht in Augsburg in die zweite Runde. In dem Verfahren fordert die frühere Eigentümerin des Perserteppichs, eine ältere Frau aus dem Raum Starnberg, Schadenersatz von dem schwäbischen Versteigerer.

Der Sachverständige wollte sich vor Gericht aber nicht darauf festlegen, ob der Augsburger Auktionator den Wert des Teppichs aus dem 17. Jahrhundert hätte erkennen müssen - und stellte den bezahlten Preis sogar selbst infrage. Denn angeblich soll der Teppich aus dem Besitz einer renommierten französischen Kunstsammlerin stammen. Das aber bezweifelt der Sachverständige: Er habe keinen Hinweis darauf in ihren Sammlungen gefunden, und auch Kollegen seien nicht fündig geworden. Zudem sei der Zustand des Teppichs so gut, dass man auch hätte bezweifeln können, dass er wirklich aus dem 17. Jahrhundert stammt, erklärte der Gutachter. Der Augsburger Auktionator habe den Teppich zwar vage, aber richtig beschrieben. Die Musterung gebe es auch bei anderen, günstigeren Teppichen.

In Augsburg hatte der Teppich im Oktober 2009 zunächst 19 700 Euro gebracht. Vor einer zweiten Versteigerung wenige Monate später in London schätzte das Auktionshaus Christie's den Wert schon auf 350 000 Euro - diese Summe will die ursprüngliche Besitzerin vom Augsburger Auktionator jetzt haben. Versteigert wurde das gute Stück in London aber schließlich für die Rekordsumme von 7,2 Millionen Euro - damit war es damals angeblich der teuerste Teppich der Welt.

Der Gutachter sagte in Augsburg, kurz darauf sei in New York ein ähnlicher Teppich sogar für 33 Millionen Dollar über den Tisch gegangen. Beide seien in einem Fachbuch erwähnt, und nach den in London und New York erzielten Preisen sei er gespannt, ob jetzt bald ein weiteres Exemplar auf den Markt komme.

Ein Urteil in dem Berufungsverfahren will der OLG-Zivilsenat erst zu einem späteren Zeitpunkt verkünden.

dpa

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