1. tz
  2. Bayern

„Eh schon sch***egal“: Geplanter Container-Terminal der Deutschen Bahn sorgt für Unmut in Regensburg 

Erstellt:

Von: Michael Bothner

Kommentare

Die Regensburger Oberbürgermeisterin diskutiert auf der Schäferwiese mit Kritikern des geplanten Container-Terminals.
Die Regensburger Oberbürgermeisterin diskutierte auf der Schäferwiese mit Kritikern des geplanten Container-Terminals. © Michael Bothner

Im Osten von Regensburg soll ein Container-Terminal der DB entstehen. Dagegen gibt es Widerstand. Bei einer Diskussion wurde es auch laut.

Regensburg – Auf Bierbänken und Gartenstühlen haben sie Platz genommen – die etwa 100 Gegner und Kritiker des geplanten Container-Terminals im Stadtosten von Regensburg. Stadträtin Bernadette Dechant (CSU) hat zur Diskussion ins Königreich Samuelien auf der Schäferwiese geladen.

Streit um Container-Terminal: Verhärtete Fronten statt Dialog

Ein offener Dialog mit der Oberbürgermeisterin und einem Vertreter der Bahn solle es werden, so die Ankündigung der Stadträtin und Sprecherin der Bürgerbewegung Hohes Kreuz. Doch die Stimmung ist von Beginn an gereizt, die Fronten sind klar und sie bleiben bis zum Ende.

Der Bauwagenplatz am sogenannten Gleisdreieck ist nur wenige Gehminuten vom eigentlich Streitgegenstand entfernt. Am Ostbahnhof, südöstlich des Odessa-Rings und gegenüber dem Pürkelgut gelegen, plant die Bahn-Tochter DB-Cargo ein neues Container-Terminal.

Container-Terminal im Stadtosten: Kritiker sprechen von „Märchenstunde“

Pläne dafür gibt es schon länger. 2016 wurde ein erster Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans im Stadtrat gefasst. Es wurden Gutachten zur Machbarkeit und den möglichen Problemen erstellt. Anwohner sammelten Unterschriften gegen das Vorhaben. Sie haben Angst vor dem Zuglärm und den Containertürmen, die in Zukunft in ihrer Nähe stehen sollen.

Am Montagabend gibt es immer wieder Zwischenrufe. Von „falschen“ und „widersprüchlichen Argumenten“ ist die Rede. Von einer „Märchenstunde“, die Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hier abhalte. Dabei sei alles „doch eh schon scheißegal“.

Container-Terminal in Regensburg: Standort ist für Bahn „alternativlos“

Veranstaltungen und Vor-Ort-Termine gab es schon öfter. Immer wieder hat Michael Heinemann, Geschäftsführer der mitverantwortlichen DB Intermodal Services GmbH, dabei betont, wie wichtig das Vorhaben sei. Und der vorgesehene Standort sei – auch nach Überprüfung anderer Flächen – praktisch alternativlos.

Als eines von zehn Logistikzentren, vor allem für die leeren Container des Güterverkehrs im gesamten Bundesgebiet, spielt Regensburg schon seit 1998 eine wichtige Rolle für die Bahn im Raum Ostbayern. Der in den vergangenen Jahren gestiegene Güterverkehr brachte das bisherige Terminal in der Bosch-Straße aber an seine Grenzen, weshalb derzeit drei Standorte im Stadtosten existieren.

(Übrigens: Unser brandneuer Regensburg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Weltkulturerbe-Stadt und der Oberpfalz. Melden Sie sich hier an.)

Neues Container-Terminal - „ein echter Standortvorteil“

Zwischen denen müsse täglich mit LKWs hin und her gefahren werden, erklärt Heinemann am Montag. Das sei aufwendig und der „wahnsinnig viele Pendlerverkehr mit den Containern“ alles andere als klimaschonend. Auf dem Gelände östlich des Odessa-Rings gelegen will das Unternehmen deshalb alle Container künftig an einem Ort zusammenziehen.

Beim Ostbahnhof sei dafür „ein sehr geeignetes Grundstück mit einem bereits existierenden Bahnanschluss und den Möglichkeiten“, so OB Maltz-Schwarzfischer. An kaum einem anderen Standort, ergänzt Heinemann, „können wir so viel über die Schiene abwickeln“. Ein echter Standortvorteil sei das, von dem auch die Unternehmen in der Region profitieren würden.

Neues Container-Terminal: OB spricht von „Mammutthema“

Die heutige Logistik sei ein „Mammutthema“, sekundiert die Oberbürgermeisterin. „Überall soll weniger Verkehr auf den Straßen sein“ und Güter auf die Schienen verlegt werden, sagt sie. Dafür brauche es auch in Regensburg die Infrastruktur. Denn, davon ist die Politikerin überzeugt, es gehe dabei auch um die Sicherung von Arbeitsplätzen und des Standorts Regensburg.

Während den Ausführungen des Stadtoberhaupts diskutieren einige eifrig mit ihren Nachbarn. Andere wenden sich immer wieder kopfschüttelnd ab. Und auch der Moderator trägt nicht gerade zum erhofften „offenen und ehrlichen Dialog“ bei. Immer wieder unterbricht er die Oberbürgermeisterin, sagt, man könne jetzt nicht zu weit ausholen, man wolle schließlich möglichst viele Bürger zu Wort kommen lassen.

Bund Naturschutz: Container-Terminal zerstört Biotop

Raimund Schoberer vom Bund Naturschutz kritisiert, dass hier wieder einmal ein amtlich kartiertes Biotop preisgegeben. Andere sorgen sich auch, ob auf der dann bebauten Fläche das Wasser bei Starkregen noch vernünftig abfließen kann, oder bald ihre Keller vorlaufen werden.

Die vorgebrachten Sorgen sieht die OB durchaus als berechtigt an. Man werde das für die weiteren Planungen nochmal mitnehmen. Die Stadt könne der Bahn aber nicht ohne weiteres den Bau untersagen. Die Fläche sei nunmal als Industriegebiet ausgewiesen. Und sämtliche Gutachten hätten bisher gezeigt: Das Projekt ist machbar.

Gutachten: Keine Lärmschutzwände für Terminal nötig

Selbst beim immer wieder angemahnten Lärmschutz sieht man bei der Stadt kaum Probleme. Allerdings dürfte die Bahn das Gelände nicht wie einst gedacht im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr betreiben. Zwischen 22 Uhr und 6 Uhr müsste die Arbeit ruhen. Laut Heinemann schade das der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens nur wenig. Für die Anwesenden ist das hingegen kein wirklicher Trost.

Lärmschutzwände, wie von vielen Anwohnern gefordert, werde es allerdings nicht geben, so die OB. Die seien aus bisheriger Begutachtung nicht notwendig. Somit könne die Stadt das auch nicht einfach vorschreiben.

Streit um Container-Terminal: Nur vier oder fünf Züge täglich?

Laut Heinemann gehe es zudem um täglich maximal vier, fünf Züge die in Schrittgeschwindigkeit in das Terminal einfahren würden. „Auf den Tag gerechnet sprechen wir hier von drei, bis vier Stunden Rangierzeit.“ Viel sei das nicht, so die Botschaft. Und alle rund 80.000 Güterwagons, die das Unternehmen in Deutschland im Einsatz hat, seien mittlerweile auf modernere, deutlich leisere Bremssysteme umgerüstet worden. Auch das sorgt für kurzes Gemurmel.

Eine Sache bleibt Montagabend unbeantwortet. Angesichts immer heißerer Temperaturen fürchten viele, von den Containern könnte bald eine zusätzliche Abwärme und damit Aufheizung der Umgebung ausgehen. Inwieweit dieser Umstand im bisherigen Verfahren berücksichtigt wurde, bleibt unklar.

Den Anwesenden ist das Beweis dafür, dass sie einfach nicht wissen können, was da einmal auf sie zukommen wird. Eine Frau schlägt deshalb vor, das Terminal wie beim Chemiekonzern Wacker im oberbayerischen Burghausen doch in einen Wald zu bauen. Möglichst raus aus der Stadt müsse das Projekt, da sind sich die Gegner grundsätzlich einig.

CSU-Stadträtin will notfalls für Lärmschutzwände klagen

Maltz-Schwarzfischer bemüht noch einmal den Standortvorteil. Die Fläche sei alternativlos, andere Flächen überprüft und für nicht geeignet befunden worden. Wirklich zusammen findet man auch an diesem Montag beim Thema Terminal folglich nicht.

Wenngleich für Bernadette Dechant und ihren Bürgerverein nicht mehr so sehr eine komplette Verlegung des Terminals im Fokus steht. „Wenn die Bahn das so dringend braucht und das so elementar ist für die Entwicklung der Stadt, dann sind die vier Millionen (für Schallschutzvorkehrungen; Anm. der Red.) doch Peanuts“, so die CSUlerin im Nachgang. Notfalls gehe man dafür auch vor Gericht.

Gegen 21.40 schlägt die Gastgeberin dann vor, gemeinsam noch auf das betroffene Gelände zu spazieren, dort die „abendliche Atmosphäre“ einzufangen. Damit man wisse, worüber hier eigentlich diskutiert wurde. Ob das die Kehrtwende bringen wird, bleibt fraglich.

Auch interessant

Kommentare