Nachbarschaftsdrama in Rott am Inn

Streit um Lärm - dann stach er (25) zu

Rott am Inn - Ein junger Mann dreht durch und ersticht zwei Senioren. Der Täter wurde schnell gefasst, doch sein Motiv macht fassungslos.

Es war nur noch eine Nacht. Eine letzte Nacht, die Lena B. und Izzet S. in ihrer Wohnung in dem großen Haus der Kreissparkasse am Marktplatz in Rott am Inn (Kreis Rosenheim) verbringen wollten. Der Mietvertrag mit der 20-Jährigen war wohl gekündigt worden. Sie hatte bereits mit ihrem 25-jährigen Freund zum 1. März eine neue Bleibe gefunden. Doch am Morgen nach dieser Nacht waren Elisabeth G. (66) und Helmut H. (73) tot. Erstochen im Streit mit Izzet.

Am Montagabend waren die beiden dabei, die Zimmer zu weißeln. Die meisten Möbel waren bereits ausgeräumt. Dem Vernehmen nach waren Lena und Izzet bei ihren Malerarbeiten aber nicht besonders rücksichtsvoll, denn ein Nachbar machte mit seinem Handy Aufnahmen von den Arbeiten. Offenbar wollte er die Belästigung dokumentieren.

Der Beschuldigte Izzet S.

Wie ein Zeuge aus dem Haus gegenüber der tz berichtet, sei dann Izzet S. mit einem Messer aus der Wohnung in der ersten Etage gekommen und habe den Mann mit dem Handy bedroht. Vermutlich hat der Lärm Elisabeth G. und Helmut H., der kurz zuvor vom Stammtisch im Bräustüberl zurückgekommen war, aufgeschreckt. Sie kamen beide in den Hausflur. Und Izzet S. drehte anscheinend durch. Vielleicht aus Wut darüber, dass sich der Handyfilmer gerade noch rechtzeitig in seiner Wohnung verbarrikadieren konnte.

Elisabeth G. und Helmut H. hatten dagegen keine Chance. Der hochaggressive Izzet S. stach auf die 66-Jährige ein, die zwar noch in ihr Wohnzimmer flüchten konnte, dort aber zusammenbrach und starb. Den 73-jährigen Rentner traf ein Stich ins Herz, er war wohl sofort tot. Die Rettungskräfte, die gegen 22.20 Uhr alarmiert wurden, konnten nichts mehr für die beiden älteren Menschen tun. Der Täter flüchtete.

Die 20-jährige Verkäuferin leistete bei ihrer Festnahme erheblichen Widerstand. Mehrere Polizisten waren notwendig, um sie zu bändigen, mindestens einer der Beamten erlitt Verletzungen.

Mit Hubschrauber und Suchhunden machte sich die Polizei auf die Suche nach dem mutmaßlichen Täter. Gegen 1.30 Uhr konnte Izzet S. am Nordrand der 4000-Einwohner-Gemeinde gefasst werden. Er hatte sich in der neuen Wohnung versteckt und leistete bei seiner Festnahme keinen Widerstand. Die Tatwaffe wurde bislang nicht gefunden.

Geschockt: Bürgermeister Marinus Schaber vor dem Sparkassenhaus

Bürgermeister Marinus Schaber, der direkt neben dem Sparkassenhaus am Marktplatz wohnt, war am Tag nach der Tat erschüttert. Er hat die beiden Opfer und die 20-Jährige gut gekannt. Der 25-Jährige sei dagegen nicht in Rott gemeldet gewesen, habe aber wohl in letzter Zeit dauerhaft bei Lena B. gewohnt.

„Elisabeth G. und Helmut H. waren ruhige Menschen, sehr angenehm“, sagte er zur tz. Auch über Lena B. könne er nichts Negatives sagen. Ein solches Verbrechen sei „einfach nur furchtbar tragisch und sehr schlimm“. Er findet es besonders grausam, dass die Tat ausgerechnet in der letzten Nacht geschah, in der Lena B. noch offizielle Mieterin in dem Haus war. Izzet S. sei nicht dort gemeldet gewesen, er soll in Wasserburg gewohnt haben. Ein unbeschriebenes Blatt ist er nicht: Er wurde schon einmal wegen eines Überfalls auf eine Tankstelle verurteilt.

Rubriklistenbild: © Georg Barth

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