Gerichtsprozess

Streit zwischen zwei Brüdern - dann zückt einer die Machete

Der Angeklagte Robert K. im Gerichtssaal.
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Der Angeklagte Robert K. im Gerichtssaal.

Ein Streit zwischen zwei Brüdern eskaliert, sie gehen mit Macheten aufeinander los. Einer stirbt. Der Jüngere steht nun vor Gericht – und versucht eine Erklärung zu finden, wie es so weit kommen konnte.

Emmering – Robert K., schneeweißes Hemd, kahlrasiert, gepflegter Bart, erzählt dem Vorsitzenden Richter ausführlich und freundlich von der Hassliebe zu seinem älteren Bruder Karlo. Immer wieder sei der 33-Jährige ausgetickt, habe geschrien, randaliert und mit dem Stock auf Robert eingeschlagen. Dennoch: „Wir waren Brüder. Wir haben gelacht, wir waren füreinander da.“ Deshalb zog Robert K. nach dem Tod des Vaters auch zurück zu Karlo in die elterliche Wohnung. Ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte: Denn vergangenes Jahr im Herbst endete die Hassliebe tödlich.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober metzelte der 30-jährige Supermarkt-Mitarbeiter aus Emmering (Kreis Fürstenfeldbruck) seinen Bruder mit 13 Machetenstichen und –hieben nieder. Seither sitzt er in Untersuchungshaft in Stadelheim. Am Donnerstag begann sein Prozess vor dem Landgericht München II, wo ihn die Staatsanwaltschaft wegen Totschlags angeklagt hat.

Da habe sich beim Bruder „ein Schalter umgelegt“

Es war der 30. Geburtstag des Angeklagten. Gefeiert wurde nicht. Stattdessen arbeiteten die Brüder kroatischer Herkunft bis spät abends im Supermarkt. Dort flossen allerdings viele alkoholische Getränke. Ansonsten sei es „ein ganz normaler Tag wie jeder andere“ gewesen, sagt Robert K. immer wieder.

Erst auf dem Heimweg sei die Stimmung umgeschlagen. Wie schon so oft zuvor, habe sich beim Bruder „ein Schalter umgelegt“. Er sei ausgeflippt, habe sich über alles aufgeregt und rumgeschrien. Zu Hause sei er noch rabiater geworden: „Er hat mir gedroht, dass er mir den Kopf abhackt.“ Daraufhin sei er in sein Zimmer gegangen und habe gedacht: „Scheiße, scheiße, was mach ich jetzt?“ Er entschloss sich, wieder in den Hausgang zu gehen und Karlo zu beruhigen. „Ich ging raus. Da ist mir schon das Ding entgegengeflogen.“ Das „Ding“ war eine schwarze Machete. Karlo K. habe eine zweite, silberne Machete geschwungen. „Er holte aus und ging einen Schritt auf mich zu“, schildert Robert K. „Da habe ich keinen anderen Weg mehr gesehen.“ Der 30-Jährige stach zu. An den weiteren Ablauf der Tat kann er sich angeblich nicht mehr erinnern.

„Ich hätte nach dem ersten Stich aufhören sollen.“

Die Spurensicherung ergab, dass der Angeklagte immer wieder auf den älteren Bruder eingestochen hatte. 13 Stiche zerfetzten Herz und Lunge, der 33-Jährige hatte keine Überlebenschance. Er könne selbst nicht glauben, was passiert ist, sagte K. in der Verhandlung. „Ich hätte nach dem ersten Stich aufhören sollen.“ Auf Nachhaken der Gerichtspsychologin gibt er zu, dass sich schon zuvor eine Menge Wut gegen den Bruder aufgestaut hatte.

Karlo K. sei „sehr schwierig“ gewesen, mehrfach in die Psychiatrie eingewiesen worden. Er habe Alkohol, Marihuana und gelegentlich Kokain konsumiert. „Er hätte ja mal was tun können, statt Drogen zu konsumieren und den ganzen Tag zu schlafen“, sagt sein Bruder. „Sich zum Beispiel um den kranken Vater kümmern oder den Müll in der Wohnung einsammeln.“ Nach dem Tod des Vaters wurde alles noch schlimmer. Robert K. hoffte, seinem Bruder helfen zu können, als er zu ihm zog. Der Prozess wird fortgesetzt.

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