1. tz
  2. Bayern

Studie zeigt: Wildtiere ignorieren blaue Reflektoren

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marion Neumann

Kommentare

null
Unbeeindruckt vom Wildwarnsystem? Die Wirkung der blauen Reflektoren an den Leitpfosten ist umstritten. © dpa

Blaue Reflektoren hindern Wildtiere nicht daran, auf die Straße zu laufen: Das ist das Ergebnis einer Studie, bei der 150 Strecken untersucht wurden.

München – Warum die Reflektoren dennoch nicht ganz wirkungslos sind, erklären der ADAC und der Bayerische Jagdverband.

Die meisten Autofahrer kennen das blaue Leuchten: An vielen Straßen in Bayern, an denen mit erhöhtem Wildwechsel zu rechnen ist, sind an den Leitpfosten Reflektoren angebracht. Trifft das Scheinwerferlicht darauf, leuchten sie auf – und sollen Reh, Hirsch und Wildschwein vom Überqueren der Fahrbahn abhalten. So zumindest in der Theorie.

Denn dass sich die Tiere vom blauen Licht nur wenig beeindrucken lassen, ergab nun eine Studie der Unfallforschung der Versicherer. Bei einer Untersuchung auf 150 Teststrecken in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen hätten sich die Reflektoren als wirkungslos erwiesen. „Für das Verhalten der Tiere spielte es keine Rolle, ob sich an den Strecken blaue Wildreflektoren befanden oder nicht“, so der Göttinger Waldökologe Christian Ammer.

Bezahlen muss für die Reflektoren meist der zuständige Jäger

Ganz so drastisch will es Ramona Pohl vom Bayerischen Jagdverband nicht formulieren. Immer wieder wird die Försterin von Revierpächtern um ihre Meinung gebeten: Schützen die Reflektoren denn nun vor Wildunfällen – oder nicht? Denn die Präventionsmaßnahme ist in den meisten Fällen „komplett aus der Tasche des zuständigen Jägers zu bezahlen“, so Pohl.

Ihrer Ansicht nach seien die Reflektoren, die auch im Freistaat verbreitet sind, nicht komplett nutzlos. „An einigen Stellen funktionieren sie besser, an anderen schlechter“, sagt sie. Ein großes Problem sei allerdings der „Gewöhnungseffekt“: Wildtiere würden mit der Zeit erkennen, dass von dem blauen Licht keine Gefahr ausgehe. Für sinnvoll hält die Försterin die Reflektoren dennoch – aus einem anderen Grund. „Wo Reflektoren sind, bremsen Autofahrer ab. Es lassen sich also schon Unfälle verhindern – wenn auch nicht so wie eigentlich gedacht“, sagt sie.

ADAC-Sprecher sieht positive Wirkung auf Autofahrer

Auch Alexander Kreipl, Verkehrspolitischer Sprecher des ADAC Südbayern, spricht den Wildwarnreflektoren trotz der Studie nicht ihre Wirkung ab. Auch er bestätigt, dass sie die Autofahrer aufmerksamer werden lassen. „Wenn es statt weiß auf einmal blau leuchtet, weiß der Fahrer: Jetzt ist etwas anders, ich muss aufpassen.“

Lesen Sie auch: Wildunfall: Wie verhalte ich mich, wenn ich ein Reh anfahre?

Neben den Reflektoren gibt es noch andere Präventionsmaßnahmen, die das Wild von der Straße fernhalten sollen. Während sogenannte Duftzäune auch in Bayern schon länger im Einsatz sind, läuft in Sachsen-Anhalt beispielsweise ein Pilotprojekt mit akustischen Signalen an. Auch der Einbau von Infrarot-Sensoren in Fahrzeugen könnte in Zukunft vor Wildwechsel warnen.

Bis es tatsächlich einmal so weit ist, dass die Technik vor Tieren warnt, die auf die Fahrbahn laufen, hilft nur eins: Langsam fahren, vor allem in der herbstlichen Dämmerung. Lässt sich ein Zusammenstoß nicht mehr verhindern, heißt es bei großen Tieren wie Reh, Hirsch und Wildschwein: Lenkrad gerade halten, nicht verreißen und voll bremsen. Bei Hasen, Eichhörnchen oder Igeln ist weder Ausweichen noch eine Vollbremsung eine gute Idee. Kommt es dadurch zu einem Auffahrunfall, haftet der Vordermann mit.

Lesen Sie auch:

Unbekannte sägen totem Hirsch Kopf ab - Polizei sucht Zeugen

Auch interessant

Kommentare