Hund schlägt an

Liegt Peggy auf dem vergessenen Friedhof?

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Hinter einem Sichtschutz wird weiter ­gesucht

Lichtenberg - Möglicherweise liegt Peggys Leiche auf einem vergessenen Friedhof. Ein Hund schlug dort an. Das könnte aber auch daran liegen, dass es dort früher Beerdigunge gab.

Seit in der Früh grub sich ein Bagger gegenüber der Lichtenberger Johanneskirche durchs Pflaster und durch Kies, abgeschottet von Polizisten. Auf dem Areal wird ein möglicher Ablageort für eine Leiche vermutet, es könnten die sterblichen Überreste von Peggy sein, die im Mai 2001 auf rätselhafte Weise verschwand. Bis zum Nachmittag gab es nichts Neues obwohl schon nach kurzer Zeit ein Leichenspürhund angeschlagen hatte.

Ein möglicher Grund: ein vergessener Friedhof aus dem Mittelalter. „Der Hof ist ja direkt neben der Kirche, da kann es schon sein, dass früher hier Verstorbene beerdigt wurden“, meinte dazu Polizeisprecher Jürgen Stadter vom Präsidium Oberfranken. Die Ortschronik weiß jedenfalls, „dass mit der Erweiterung der Kirche im Jahr 1580 wohl gleichzeitig der Friedhof, der unmittelbar bei der Kirche lag, verlegt wurde“. Und noch 1936 wurden beim Ausschachten Gebeine von Frauen entdeckt, die sich außerhalb der Kirchenmauern befanden.

Kann es sein, dass deswegen die Hunde nervös wurden? Stadter will dies nicht ausschließen, „vielleicht hat das Tier auch auf andere Reize reagiert“. Auf Fäkalgeruch in der Kanalisation, die an dem Gelände verlaufen soll.

Tonnenweise Aushub wurde vom Kipper bislang weggebracht, eine ältere Mauer soll freigelegt worden sein. Währenddessen befand sich der Mann, der in dem Anwesen seit der Scheidung allein wohnt, weiter freiwillig in Bayreuth bei der Polizei. Hans H. (66, Name geändert) gilt also nicht als festgenommen, doch er wurde erneut befragt. Zudem reisten Beamte nach Halle (Sachsen-Anhalt) und Hirschberg (Thüringen) zu zwei Anlaufstationen des Frührentners. Hirschberg ist nur 15 Kilometer von Lichtenberg entfernt, hier soll er ein Antiquitätenlager haben. Die Polizei sprach lediglich von „zwei Objekten“.

Hier sucht die Polizei nach Peggys Leiche

Hier sucht die Polizei nach Peggys Leiche

Wer ist dieser Mann? Im Jahr 2008 wurde er wegen schweren sexuellen Missbrauchs zweier Mädchen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Aus dem Prozess von damals stammen Einzelheiten, die auch mit Peggy zu tun haben und in der Frankenpost archiviert sind. So soll er unter Tränen gesagt haben, „dass mir der Mord an Peggy in die Schuhe geschoben werden sollte“. Und „dass etliche Bürger mich für den Mörder halten“.

Im Oktober 2007 war das Haus im Zusammenhang mit Peggy durchsucht worden, es müssen also damals Verdachtsmomente gegen den früheren Handwerker existiert haben. Leichenspürhunde schlugen an, man fand unter Schotter ein „Kinderunterhemd“. Ein DNA-Abgleich ergab keinen Bezug zu Peggy, der Frührentner benutzte „das Unterhemd als Putzlumpen“.

M. Christandl

Der Fall – ein Kurzüberblick

Im Mai 2001 verschwindet in Lichtenberg (Kreis Hof) das neun Jahre alte Mädchen Peggy. Alle Suchaktionen bleiben erfolglos. Drei Monate später gerät Ulvi K., ein geistig Behinderter, ins Visier der Ermittler. Im Februar 2003 erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage. Der Prozess vor dem Landgericht Hof beginnt ein halbes Jahr später – doch muss wegen fehlerhafter Besetzung der Strafkammer zunächst abgebrochen werden. Im April 2004 schließlich sieht das Gericht die Schuld Ulvis als erwiesen an: Er habe Peggy ermordet, um einen sexuellen Missbrauch zu verheimlichen. Ein Unterstützerkreis glaubt weiter an Ulvis Unschuld und spricht von Pannen. An Ostern stellte Ulvis Anwalt einen Wiederaufnahmeantrag.

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