Die Hoffnung stirbt zuletzt

Suche nach Schildkröte "Lotti" geht weiter

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Die Suche nach der Alligator-Schildkröte "Lotti" geht in die nächste Runde.

Irsee - Lange war es still geworden um die Alligator-Schildkröte "Lotti". Doch Bürgermeister Andreas Lieb will nicht aufgeben. Die Suche nach dem bissigen Tier geht nun in die zweite Runde.

Im August herrschte im bayerischen Allgäu Monster-Alarm: In einem Badesee in der Gemeinde Irsee hatte eine Alligator-Schildkröte einen Buben in den Fuß gebissen und dabei seine Achillessehne durchtrennt. Daraufhin wurde der Weiher gesperrt und die Suche nach der bissigen Schildkröte "Lotti" eingeleitet. Feuerwehr und Naturschutzbeauftragte suchten vergeblich nach dem Tier. Der Weiher wurde sogar trockengelgt und Bürgermeister Andreas Lieb setzte einen Finderlohn von 1000 Euro aus, doch ohne Erfolg - "Lotti" bleibt bis heute verschwunden.

Dabei war das Tier zum heimlichen Star des Sommers geworden: Journalisten und Kamerateams aus aller Welt  interessierten sich plötzlich für den Oggenrieder Weiher. „Der absolute Wahnsinn, was bei uns los war - und welche Kreise die Sache gezogen hat“, blickt der Bürgermeister zurück. Sogar bis auf das Titelblatt einer Zeitung in den USA und in die Topnachrichten eines neuseeländischen Senders habe Lotti es geschafft. „Die Monsterschildkröte aus Irsee kam direkt nach dem Giftgasangriff in Syrien.“

Greenpeace-Aktivisten demonstrierten in Schildkröten-Kostümen

Auch reichlich Kurioses erlebte Irsee in den vergangenen Wochen. So gab es am Ufer des Weihers eine Demonstration von Vertretern der Umweltorganisation Greenpeace, die in Schildkrötenkostümen steckten. Für Aufregung sorgte ein 85-Jähriger, der sich mit einer ausgestopften Schnappschildkröte unter dem Arm am See zeigte.

Nach all dem Trubel war es zuletzt still geworden um die berühmte Alligator-Schildkröte, doch Lieb will nicht aufgeben: "Irgendwann wird sie auftauchen", versichert er gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Dafür müsse es aber erst wärmer werden, denn bei den kühlen Temperaturen verkriechen sich die Schildkröten zur Überwinterung in Höhlen oder vergraben sich im Schlamm. Am See wurden Fallen aufgestellt und Helfer kontrollieren den Weiher zweimal täglich. Sollte das alles nichts bringen, soll das Gewässer im November noch einmal abgelassen werden.

Was auf den ersten Blick wie eine für das Sommerloch perfekt inszenierte PR-Aktion für die Gemeinde aussieht, ist für Lieb ein durchaus ernstzunehmendes Thema. „Ich habe Sorgen, dass wir Lotti nicht finden. Wenn hier noch einmal etwas passiert, ist die Hölle los“, sagt der Bürgermeister und blickt auf den 16.000 Quadratmeter großen See. Warnschilder weisen auf die mögliche Gefahr hin: „Vorläufiges Badeverbot! Uferbereich wegen Schnappschildkröte bitte nicht betreten!“ Im nächsten Jahr werden sich hier trotzdem wieder hunderte Badegäste tummeln, sagt Lieb. „Die Sache wird schnell vergessen sein.“ Sicherheitshalber soll bis dahin das Kinderbecken vergittert werden, damit dort keine größeren Tiere hinein schwimmen können.

"Lotti"-Semmeln sind nach wie vor gefragt

Noch haben die Menschen in Irsee Lotti aber nicht ganz aus ihren Köpfen gestrichen. In einer Bäckerei im Ort werden immer noch Lotti-Semmeln angeboten. „Wir backen nicht mehr so viele wie vor ein paar Wochen, aber die Nachfrage ist noch da“, sagt eine Verkäuferin. Die junge Frau aus Irsee ist ebenfalls davon überzeugt, dass es Lotti gegeben hat. Fraglich sei nur, ob die Schildkröte jetzt immer noch im Weiher ist oder inzwischen ein Phantom gejagt wird. Sie wisse daher noch nicht, ob sie nächstes Jahr wieder in dem See baden wird. „Vielleicht mit vielen anderen zusammen. Alleine sicher nicht.“

Feuerwehrkommandant Thomas Reuter, der die Schildkröten-Jagd von Anfang an begleitet hat, fährt täglich zum Oggenrieder Weiher. Er ist dafür zuständig, die Lebendfallen zu kontrollieren. Hin und wieder trifft er noch Auswärtige, die dem „Lotti-See“ einen Besuch abstatten. Reuter glaubt nicht mehr daran, die Schildkröte - falls sie denn überhaupt existiert - vor dem nächsten Frühjahr zu finden. „Es ist ihr jetzt zu kalt, die hat sich schon zum Winterschlaf vergraben.“ Sollte er das nach Expertenschätzung bis zu 20 Kilogramm schwere Reptil eines Tages entdecken, wüsste er genau, was zu tun ist. „Man hat uns gezeigt, wie wir es anfassen müssen.“

Feuerwehr jagt bissige Alligator-Schildkröte

Feuerwehr jagt bissige Alligator-Schildkröte

Dem achtjährigen Bub, dem bei dem Unfall die Achillessehne zweimal durchtrennt wurde, geht es wieder besser. „Nächste Woche ist er seinen Gips los“, sagt der Bürgermeister, der Kontakt zu der Familie hält. Der Unfall am 5. August habe ihm allerdings nicht nur körperlich geschadet. „Er hat Albträume und wacht nachts auf.“ Groll gegen die Schildkröte hege der Bub aber nicht, weiß Lieb: „Er hat mir geschrieben, dass er Lotti nicht böse ist und dass wir sie nicht töten sollen. Er will später einmal Naturforscher werden.“

mm/dpa

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