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Erhalt der Natur vs. Wirtschaftsinteressen

Sudelfeld-Kanonen: Was Gegner und Befürworter sagen

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Kein Winter für Skifahrer am Sudelfeld - Schneekanonen sollen Abhilfe schaffen.

Bayrischzell/Fischbachau – Ein derber Eingriff in die Natur – das ist die eine Seite der Bauarbeiten im Skigebiet Sudelfeld. Aber dann gibt es da noch Gemeinden wie Bayrischzell oder Fischbachau. Sie sind vom Skitourismus abhängig.

Es ist der klassische Interessenskonflikt. Die einen wollen ein Naturparadies in seiner ursprünglichen Form erhalten, die anderen sehen die Lebensgrundlage der Menschen einer ganzen Region in Gefahr. Die Rede ist vom Sudelfeld im Mangfallgebirge. Weil der zurückliegende Winter keiner war, blieben die Skifahrer aus. Und das bekamen die Bergbahnen, die Hotels und Gaststätten zu spüren. Jetzt will man einen großen Speichersee bauen, um damit 250 Schneekanonen und Beschneiungslanzen speisen zu können. Ziel ist es, das Sudelfeld schneesicher halten zu können.

Lesen Sie hier, wie Befürworter und Gegner des Projekts argumentieren.

Das sagen die Gegner: „Mit der Klage retten, was noch zu retten ist“

Vier Bagger gegen ein Naturparadies. Am Sudelfeld (Kreis Miesbach/Kreis Rosenheim) werden zur Zeit große Mengen Erde für einen Speichersee ausgehoben. 230 mal 140 Meter groß, damit genug Wasser für die neuen Schneekanonen hineinpasst. Bis zu 250 könnten künftig dort betrieben werden. Wenn die Bagger fertig sind, werden Wintersport-Fans jubeln – Naturschützer eher nicht. Wenn. Denn der Widerstand gegen den Ausbau des beliebten Skigebiets, das mitten im Landschaftsschutzgebiet „Oberstes Leitzachtal“ liegt, wird immer größer. Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat sich entschlossen, gegen das Großprojekt zu klagen. Es ist das erste Mal in seiner 145-jährigen Geschichte, dass der DAV vor Gericht zieht.

„Die Entscheidung fiel sehr bewusst, nachdem alle anderen Schritte zur Verhinderung dieses sinnlosen Ausbaus wirkungslos geblieben waren“, erklärte DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig nach der Präsidiumssitzung. Details der Klage will der DAV am heutigen Dienstag in München vorstellen.

Klagen will auch der Bund Naturschutz (BN). „Es wird ein Eilverfahren werden“, sagt BN-Regionalreferent Kurt Schmid. Ziel sei ein Baustopp – „um zu retten, was noch zu retten ist“. Die Landtags-Grünen und große Teile der SPD haben die Umweltschützer bei der Klage auf ihrer Seite. Der SPD-Umweltexperte Florian von Brunn sagt, man solle „eine klimaschädliche Sache mit Ablaufdatum nicht unterstützen“.

Damit zielt er auf Studien ab, die besagten, dass Gebiete wie das Sudelfeld durch den Klimawandel kaum noch länger als 25 Jahre zum Skigebiet taugen. Der DAV glaubt sich denn auch im Besitz guter Argumente. Laut Wucherpfennig wurde im Genehmigungsverfahren etwa nicht ausreichend geprüft, ob die Bäche im Sudelfeld-Gebiet genug Wasser führen, um den Speichersee zu befüllen. Es stelle sich außerdem die Frage, ob es statt einer Befreiung vom Bauverbot, die das Landratsamt Miesbach ausgesprochen hatte, nicht eher einer Änderung des Landschaftsschutzgebiets bedurft hätte. Damit hätte der Kreistag entscheiden müssen. Hat er nicht. Ein formaler Fehler? Andere Kritiker wie die Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Stamm argumentieren genauso.

Das Gericht wird entscheiden müssen. Und hier wenigstens sind sich die beiden Seiten einig: möglichst schnell. Bis dahin arbeiten die Bagger weiter am Sudelfeld.

Das sagen die Befürworter: „Alle brauchen die Wintersporttouristen“

Der jüngste Winter war kein Winter für Skifahrer. Und daher auch keiner für die Gemeinden am Sudelfeld (Kreis Miesbach/Kreis Rosenheim). In einer guten Saison mit viel Schnee kommen 250 000 Skifahrer in das Gebiet. Heuer, sagt Egid Stadler, Geschäftsführer der dortigen Lifte, waren es halb so viele. Die Bergbahnen verzeichneten ein Minus von 45, Hotels und Gaststätten von bis zu 30 Prozent. „Das halten wir ein Jahr aus, nicht länger“, so Stadler. Naturschützer bringt das auf die Palme, was wiederum die Gemeinden am Sudelfeld wurmt. Für sie ist Tourismus alles. „Mit Schneekanonen hätten wir das locker umschifft.“

Das Ziel: Künftig sollen 71 der 240 Hektar Skifläche künstlich beschneit werden. Dazu baut eine GmbH, an der zu einem Drittel die Gemeinde Bayrischzell beteiligt ist, gerade einen riesigen Speicherteich, aus dem sich rund 250 Schneekanonen und Beschneiungslanzen speisen sollen. „Wir sind zu 90 Prozent davon abhängig“, sagt Harald Gmeiner, Tourismus-Manager der 1500-Einwohner-Gemeinde Bayrischzell (Kreis Miesbach). Der Wintertourismus spielt durch seine hohe Wertschöpfung (160 Euro pro Tag und Gast) eine besondere Rolle. Für Liftbetreiber, Hote­liers und Gastronomen. Für Handwerker, die die Hotels instand halten. Für Landwirte, die im Winter an den Liften arbeiten. Alle brauchen die Wintersport-Touristen. Georg Kittenrainer (CSU), Bürgermeister von Bayrischzell, sagt: „Wenn nicht investiert wird, ist das Skigebiet Sudelfeld bald Geschichte.“ Sein Fischbachauer Kollege Josef Lechner (CSU) sagt: „Wir sprechen über die Lebensgrundlage der Bürger. Wenn wir nicht investieren, bricht der Wintertourismus ein.“

Beide sind Kämpfer für die Modernisierung des Sudelfelds, die, wie sie betonen, nicht nur Schneekanonen, sondern auch neue Sessellifte und Gondelbahnen bringt. Außerdem gebe es weitere Argumente. Der hohe Energieverbrauch der Beschneiung? Nichts gegen die Ökobilanz, die entstünde, wenn die Skifahrer künftig alle nach Österreich führen. Zu viel Verkehr? Nicht, wenn in ein paar Jahren die Gondelbahn von Bayrischzell bis zum Sudelfeld steht. Lechner: „Wir hätten damit alle Autos weg.“

Und der Speichersee, der 1,5 Hektar Land verschlingt? Tourismus-Manager Gmeiner verweist auf die Ausgleichsmaßnahmen: Im Tal würden zehn bis 20 Hektar Land rekultiviert, als Lebensraum für Tiere.

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