Sylvenstein-Stausee: Wo ist das Wasser hin?

Erklärten, warum der Sylvenstein-Stausee derzeit sehr viel Ufer und vergleichsweise wenig Wasser hat: Dr. Tobias Lang (li.) und Christoph Bauer vom Weilheimer Wasserwirtschaftsamt. Foto: va

Lenggries - Es muss einfach sein - auch wenn es nicht schön aussieht. Dr. Tobias Lang und Christoph Bauer vom Wasserwirtschaftsamt erklären, warum so wenig Wasser im Sylvensteinsee ist.

744,20 Meter: Auf dieser Höhe befindet sich momentan der Seepegel. Das sind sechs Meter weniger als normalerweise im Mai. Steile Kiesufer sind rundherum sichtbar. Richtung Dürrach- und Isarzulauf ähnelt das Ganze einer Schlammwüste. „So wird es heuer wohl das komplette Jahr ausschauen“, sagt Dr. Tobias Lang, am Wasserwirtschaftsamt zuständig für den Sylvensteinspeicher. Dass man den See so weit absenken müsse, habe sich erst gezeigt, als der Auftrag für die Dammerneuerung an die Firma Bauer aus Schrobenhausen vergeben war. Zusammen mit Statikexperten hätten erst dann die genauen Rahmenbedingungen festgelegt werden können, sagt Lang.

Wie berichtet, wird auf dem Damm eine neue Dichtwand eingezogen. Dazu gräbt eine Maschine vertikale Schlitze in den Damm, die sofort nach dem Öffnen mit einem Stützmaterial stabilisiert und dann mit Tonbeton gefüllt werden. „Wären wir bei der normalen Stauhöhe geblieben, hätten wir bei steigendem Pegel die Arbeiten sehr schnell einstellen müssen, weil die Druckverhältnisse im Schlitz nicht mehr gestimmt hätten“, so Lang. Durch die Absenkung „haben wir uns mehr Spielraum geschaffen“, fügt Sylvenstein-Betriebsleiter Christoph Bauer hinzu.

Dabei geht es auch um den Hochwasserschutz der Unterlieger. „Wir sind jetzt in der Lage, ein Hochwasser in der Größenordnung von Fronleichnam 2010 zu bewirtschaften“, sagt Lang - und zwar ohne dass auf der Baustelle die Arbeit eingestellt werden muss. Eine oder mehrere Unterbrechungen könnten teure Folgen haben. Die Dichtwand muss vor der Frostperiode fertig werden, da sich die Materialien bei Minusgraden nicht verarbeiten lassen. Gelingt das nicht, „müssten wir das nächstes Jahr fortsetzen“. Das bedeutet mehr Ausgaben und erneute Verkehrsbehinderungen.

Mit Landratsamt, Naturschutz und Fischern sei die Absenkung abgesprochen, sagt Lang. Sicher seien die Fischer nicht begeistert, „aber ich denke, wir haben uns auf etwas Vernünftiges geeinigt“, sagt Lang. So bemühte sich das Wasserwirtschaftsamt, die Pegelsenkung möglichst schnell umzusetzen, „damit die Fische nicht in den oberen Uferregionen, die jetzt trocken sind, ablaichen“.

Schwimmen könnte wegen der steilen Ufer übrigens ein wenig beschwerlich werden. Für ein Badeverbot, das zwischenzeitlich im Raum stand, gebe es aber keinen Grund. Das könnte man nur verhängen, wenn das Wasser dreckig sei oder sich gefährliche Strömungen ergeben hätten. Beides sei nicht der Fall. Im Jahrhundertsommer 2003 sei der Pegel noch niedriger gewesen. Lang: „Und da gab es auch kein Badeverbot.“

(va)

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