Prozess um Witwe des Schönheitschirurgen

Tatjana Gsell strebt in Wiederaufnahmeverfahren Freispruch an

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Tatjana Gsell will eine Verurteilung aufheben lassen.

Fürth - Neue Runde im Fall Gsell: Die Witwe des vor 13 Jahren getöteten Nürnberger Schönheitschirurgen will eine Verurteilung aufheben lassen. Auch die Staatsanwaltschaft strebt einen Freispruch der 44-Jährigen an.

In einem Wiederaufnahmeverfahren strebt die Witwe des Schönheitschirurgen Franz Gsell ihre Rehabilitation an. Die Anwältin von Tatjana Gsell sowie die Staatsanwaltschaft Nürnberg haben vor dem Amtsgericht Fürth beantragt, ein Urteil unter anderem wegen versuchten Versicherungsbetruges gegen die 44-Jährige aufzuheben und sie freizusprechen. Die Anklagebehörde sowie ein Justizsprecher bestätigten am Dienstag Medienberichte. Das Verfahren wird schriftlich geführt, um erneuten Medienrummel zu vermeiden. Eine Entscheidung könnte es in einigen Wochen geben - alle Beteiligten seien bereits gehört worden, sagte der Justizsprecher.

Der Fall Gsell sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Vor 13 Jahren hatten Räuber den 76 Jahre alten Promi-Arzt in seiner Nürnberger Villa so schwer verletzt, dass er später starb. Sein Tod sorgte bundesweit für Aufsehen. Zunächst hieß es, seine fast 45 Jahre jüngere Frau und deren Jugendfreund, ein früherer Staatsanwalt, hätten Gsell Autoschieber auf den Hals gehetzt.

Basierend auf einem falschen Geständnis verurteilte das Amtsgericht Nürnberg Tatjana Gsell im Jahr 2004 wegen versuchten Versicherungsbetrugs und Vortäuschens einer Straftat zu einer Bewährungsstrafe. Gsell hatte damals ausgesagt, sie, ihr Ehemann und ihr Jugendfreund hätten einen Überfall auf ihren Mann inszeniert, um einen geplanten Versicherungsbetrug mit dem Sportwagen des Paars zu vertuschen. Bei der Schlüsselübergabe sei es zu Handgreiflichkeiten zwischen einem der Autoschieber und Franz Gsell gekommen.

Erst 2010 kam Bewegung in den Fall: Zwei neue Verdächtige wurden ermittelt. Ende 2014 verurteilte das Landgericht Nürnberg die beiden Männer wegen schweren Raubes mit Todesfolge. In diesem Prozess widerrief Tatjana Gsell ihr früheres Geständnis. Sie sagte, die Ermittler hätten damals Druck auf sie ausgeübt. Schon damals kündigte ihre Anwältin an, den Fall neu aufrollen lassen zu wollen.

Auch Gsells Jugendfreund, der Ex-Staatsanwalt, strebt ein Wiederaufnahmeverfahren an. Es ist bereits sein zweiter Anlauf. In diesem Fall ist das Landgericht Regensburg zuständig. Auch er war zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden und verlor seinen Beamtenstatus, bestritt aber alle Vorwürfe.

dpa

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