Unglück in Wildsteig

Pfui Deifi! Hier fließen Tausende Liter Gülle

Wildsteig - Auf mysteriöse Art ist aus einer Güllegrube nahe Wildsteig Odel ausgelaufen. Tausende Liter flossen über einen Hang und die Staatsstraße in die Illach. Der Feuerwehreinsatz war aufwendig, der Bauer kann sich das Unglück zunächst nicht erklären.

Nach der langen Winterpause war der Güllebehälter von Georg Bertl voll. „Aber noch nicht übervoll“, betont der Landwirt aus dem Wildsteiger Ortsteil Unterbauern, im Westen der Gemeinde. Außerdem sei noch eine weitere leere Grube vorhanden. Er hat nach eigenen Angaben einen Güllebehälter, der bombensicher arbeitet: „Die Gülle wird über ein Rohr erst nach oben abgepumpt, ehe es im Güllefass landet.“ Selbst wenn der Behälter voll sei, „kann dort nichts herauskommen, sondern höchstens nur aus den Umrührlöchern an der Betondecke“. Das hat Bertl zumindest bis Montag gedacht. Bis ein Autofahrer nachmittags gegen 15 Uhr hektisch auf seinen Hof fuhr und berichtete, dass sich Odel über den Hang zur nahen Staatsstraße ergießt und in die Illach auf der anderen Straßenseite fließt.

Dämme um die Gülle zu stoppen

Diese Nachricht kam so auch bei der Integrierten Leitstelle an, die sofort Alarm schlug und neben Polizei und Wasserschutzbehörden vor allem die Feuerwehr informierten. Als einer der ersten war Wildsteigs Feuerwehrvorstand Florian Filser vor Ort. „Ich bin privat angerufen worden und mit meinem eigenen Auto rausgefahren.“ Als er die sich anbahnende Katastrophe sah, reagierte er sofort: Filser, der selber in einem Baggerbetrieb arbeitet, organisierte ein Gefährt und schüttete Dämme auf, um die Gülle zu stoppen. „Das war wichtiger. Mit dem, was schon in den Bach geflossen war, konnten wir sowieso nichts machen“, sagt er.

Genau richtig reagiert, lobte auch Kreisbrandmeister Manfred Baum. So eine massiv übergelaufene Güllegrube habe er auch noch nicht gesehen. Und die Verhälnisse waren kompliziert: Hanglage, da suchte sich der Odel seinen Weg, dazu Tauwetter. Andererseits sei der Schnee hilfreich gewesen, „der hat schon viel gebunden“. Zudem führte die Illach viel Wasser, dort wurde die Gülle gut verdünnt.

Hauptsache weg vom Bach 

Die per Damm und kleiner Mulde aufgefangene Gülle wurde mit einem Vakuumfass abgesaugt und wieder in die Grube gepumpt. Der verunreinigte Schnee wurde auch gestern noch abgebaggert und auf ebener Fläche ausgebracht. „Hauptsache weg vom Bach“, sagte Baum. „Das Wasserwirtschaftsamt hat da klare Anweisungen gegeben.“

Neben dem Wasserwirtschaftsamt war auch Martin Mühlegger von der Abteilung Wasserschutz am Landratsamt schnell vor Ort. „Wir sind vom Katastrophenschutz informiert worden und gleich ins Auto gesprungen. Schließlich ist die Illach ein hochwertiges Gewässer.“ Dank des Schnees und des vielen Wassers im Bach halten sich die Folgen in Grenzen. „Es gab Schäden bei Kleinstlebewesen am Gewässergrund, aber tote Fische wurden nicht entdeckt“, sagt Roland Kriegsch, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weilheim. Folgen für den Lech, in den die Illach nach 15 Kilometern fließt, könnten nahezu ausgeschlossen werden. Wie viel von den ausgelaufenen 8000 Litern Gülle überhaupt im Bach gelandet sind, ist unklar. „Aber alle Beteiligten, auch der Landwirt, haben richtig reagiert“, sagt Mühlegger.

Ursache des Unglücks unklar

Das kann Georg Bertl trotzdem nur wenig trösten. Über das Wie kann er immer noch nur rätseln. „Offenbar ist irgendwie Unterdruck entstanden und hat die Gülle durch das Rohr nach oben gezogen“ - wie ein Schlauch im Autotank, an dem man einmal kräftig Luft holt, und dann strömt der Sprit. „Aber das kann eigentlich nicht passieren“, sagt Bertl immer wieder. Ebenso, warum der Schieber am Abzapfschlauch des Güllebehälters nicht geschlossen war. Der hätte das Unglück noch verhindern können. „Vor drei Monaten, als ich das letzte Mal Gülle ausgefahren habe, war er noch geschlossen“, sagt Bertl.

Was jetzt an Strafe auf ihn zukommt, weiß er noch nicht. Vorsatz sei ja nicht dabei gewesen. Und er ist sehr froh, dass das Unglück nicht in der Nacht passiert ist. Dann wäre es vermutlich nicht so glimpflich ausgegangen.

Bilder: Tausende Liter Gülle fließen in die Illach

Boris Forstner

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