Tegernsee: Bauen im Risikogebiet?

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An der Prinzenkapelle am Leeberg ist ein Baugebiet ausgewiesen.

Tegernsee - Die Aussicht ist klasse. Und sie wohnen dort, wo andere ihre Winter- und Sommerfrische verbringen. Dumm nur, dass sich unterm Haus was bewegen könnte – der Boden!

Der Leeberg in der Stadt Tegernsee, wo das Land knapp und teuer ist, wurde als Baugebiet ausgewiesen. Dabei ist seit 2009 bekannt, dass der Berg fürs Bayerische Landesamt für Umwelt als Risikogebiet gilt. Immer wieder kommen hier kleinere Muren herunter. Und es könnte Schlimmeres passieren – eine massive Hangrutschung!

Ferdinand Graf von Spiegel, der frühere Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegern­seer Tal, steht der Baulandausweisung äußerst skeptisch gegenüber und wandte sich mit einer Petition an den Bayerischen Landtag – gegen den Bauwahn mit Verweis auf das Gefahrenpotenzial. „Hier wir nicht nur die Landschaft zerstört. Dort herrscht eine Gefahr, das stehen Menschenleben auf dem Spiel.“ Er wollte nicht nur einen Baustopp erwirken, sondern auch eine Sicherung der bestehenden Häuser. Dabei ist ihm ein Teilerfolg gelungen.

Sein erster Versuch im August 2010 war zunächst abgeschmettert worden. Der Petitionsausschuss reagierte damit auf eine Stellungnahme der Staatsregierung, die den Genehmigungsbehörden fehlerfreies Arbeiten bescheinigte. Doch Graf von Spiegel ging in die zweite Runde: „Das Innenministerium hat den Landtag nicht richtig informiert.“

Am Mittwoch die Wiederauflage. Das Resultat formuliert Florian Streibl, der Vize-Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler und Ausschussberichterstatter: „Wir mussten den Antrag aus verfassungsrechtlichen Gründen abweisen, der Ausschuss hat aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Gemeinde die Bürger auf mögliche Gefahren durch Hangrutschungen hinweisen muss, schließlich geht es hier um Menschenleben.“ Und. „Durch die Klimaveränderung verschärft sich die Bausituation im Alpenland: Wo man früher gefahrlos Häuser bauen konnte, kann heutzutage jederzeit ein Hang abrutschen und diese Häuser regelrecht wegschieben. Die Gemeinde Tegernsee sollte keine Baugebiete in gefährdeten Bereichen ausweisen.“

Für den Ausschuss war zwar nicht ausreichend geklärt, ob tatsächlich eine Gefahr für das Leben der Anwohner am Leeberg besteht. Doch es geht nicht nur um Sicherheitsaspekte. Streibl: „Es geht um den Erhalt unserer bayerischen Heimat. Hätten unsere Vorfahren so rücksichtslos gebaut wie dies heute der Fall ist, könnten wir uns nicht mehr an unserer schönen Landschaft erfreuen. Ich möchte kein verbautes bayerisches Monaco am Tegernsee.“ Von Spiegel sieht in der Stellungnahme „faktisch einen Baustopp. Wer will schon Millionen investieren, wenn Käufer auf einen Risikoabschlag bestehen?“

Tegernsees Bürgermeister Peter Janssen widerspricht dem Vorwurf, die Kommune würde das Risiko verschweigen. „Seit 2009 haben wir bei jedem Projekt das Landrats­amt auf die Risiken hingewiesen.“ Die Stadt würde dies auch Bauwerbern bedeuten, so Janssen gegenüber der Tegernseer Zeitung. Es gibt offenbar bereits eine Auswirkung wegen der Gefahrenzone. Ein Bauvorhaben für vier Wohnhäuser am Leeberg liegt derzeit auf Eis.

MC

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