Boutique-Besitzerin getötet

Tegernsee-Mord: Ursula D. schildert Tat vor Gericht

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Der Tatort und das Fahndungsfoto der Polizei.

Rottach-Egern - Ein Jahr nach dem Raubmord an einer vermögenden Boutique-Besitzerin aus Rottach-Egern steht die frühere Mitarbeiterin Ursula D. vor Gericht. Sie hat den brutalen Überfall zugegeben.

Sie sollte aufhören zu zappeln!“ So eiskalt schildert Ursula D. (49) den Raubmord an der Boutique-Besitzerin Ursula M. (65) aus Rottach-Egern. Die Angeklagte gibt zu, dass sie dem Opfer den Riemen ihrer Tragetasche mit brutaler Gewalt um den Hals schlang: „Dann war sie ruhig, sie lag ganz still da …“

Veronica Ferres kam mit Perücke als Zuschauerin zum Prozess.

Wie kann ein Mensch für ein paar Euro ein derart furchtbares Verbrechen begehen? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit Donnerstag das Schwurgericht München II. Der Prozess sorgt für großes Aufsehen – selbst TV-Liebling Veronica Ferres (48) sitzt im Zuschauerraum. Sie hört wie alle anderen, wie die Angeklagte ruhig, aber mit weinerlichem Unterton schildert, wie ihre Ehe 2009 in die Brüche ging, weil sie in Bad Wiessee einen Liebhaber kennengelernt hatte. Ursula D. zog zu ihm an den Tegernsee. Traurig sagt sie: „Der Kontakt zu meinen Söhnen ist abgebrochen.“ Sie sind 21 und 23 Jahre alt. Ein paar Tage arbeitete Ursula D. in der Boutique von Ursula M. Die beiden Ursulas verstanden sich nicht. Einen Job in einem Drogeriemarkt verlor Ursula D. im März 2012. Finanziell ging es bergab. Am 5. November 2012 verwirklichte die 49-Jährige eine teuflische Idee: Sie wusste, dass Ursula M. jeden Abend mit ihren Tageseinnahmen den Laden verließ und mit dem Geld nach Hause ging. Ursula D.: „Ich wollte ihre Geldtasche haben.“

Getarnt mit einer Kapuze und bewaffnet mit einem Messer folgte die Täterin dem Opfer zur Wohnungstür. „Ich habe das Messer rausgezogen“, so die Angeklagte. Die 65-Jährige wehrte sich verzweifelt gegen die Räuberin. „Sie war überraschend kräftig“, sagt die Angeklagte. Sie setzte sich auf ihr Opfer und schlang ihm den Trageriemen ihrer Tasche um den Hals. „Ich wollte nicht, dass sie erstickt“, sagt die Täterin. „Ich wollte nur, dass wieder Ruhe reinkommt.“

Nach dem Tod des Opfers durchsuchte sie die Wohnung nach Geld, fand aber nur etwa 250 Euro in der Geldbörse der Toten. Mit der Kreditkarte von Ursula M. kaufte die Täterin danach wie wild ein: eine Herrenjacke, teure Parfums, Duftkerzen.

Doch weshalb verfolgte Veronica Ferres den Prozess? Laut eines Begleiters sei sie in der Verhandlung gewesen, um sich auf eine Rolle vorzubereiten. Als sie die Täterin heimlich fotografierte, erregte sie den Unmut des Richters, der mit Hilfe eines Polizisten die Löschung des Bildes durchsetzte. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Eberhard Unfried

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