Ein Bier geht um die Welt

Tegernseer: Darum schenkt's auch der Berliner aus

+
Auch in der Ferne genießen die Fans gerne ihr Tegernseer Helles: Dieses Bild ist eines von vielen, das ans Tegernseer Bräustüberl geschickt wurde. Es entstand in Cancun/Mexiko.

Tegernsee - Hamburg, Berlin, München - das Tegernseer Bier ist längst über das Tal hinausgewachsen. Ist das Tegernseer noch Kultgetränk oder schon Bier für die Massen?

Die Kneipe in Berlin Mitte hat den klangvollen Namen „Ick koof mir Dave Lombardo wenn ick reich bin“, der Kneipenwirt Michael Pusch (43) ist bekennender Metal-Fan, und Dave Lombardo ein bekannter Schlagzeuger. Daher der Name. Aber wie kommt das weiß-blaue Emblem fürs Tegernseer Bier an seinem Zapfhahn in die Berliner Kneipe? „Es ist das beste Bier der Welt“, sagt Pusch kurz und knapp.

Schon bevor er seine eigene Kneipe vor acht Jahren aufgemacht hat, war klar: wenn, dann nur mit Tegernseer Bier. Wo er auf den Geschmack gekommen ist, weiß Pusch nicht mehr. „Ich habe früher in Hamburg gelebt, vielleicht dort.“ Jedenfalls war es Liebe auf den ersten Schluck. Dafür nahm er auch einige Umstände in Kauf. Denn regelmäßig an Tegernseer Fassbier zu kommen, ist in Berlin alles andere als einfach.

Tegernseer vom Fass - in Berlin ein Alleinstellungsmerkmal

Getränkelieferanten mit Tegernseer Bier gebe es nicht allzu viele. Die Firma, bei der er das Tegernseer beziehe, sei eine der wenigen, vielleicht die einzige, die das Bier aus dem Fass vertreibt. „Und da gibt es Kontingente, ich hab Glück gehabt.“ Man ist sich einig geworden. Und das Herzogliche Brauhaus Tegernsee hat ihn dann sogar noch unterstützt. „Ich habe einen Mini-Kredit aus Tegernsee bekommen“, erinnert sich Pusch. 600 Euro, um sich eine größere Kühlbox anschaffen zu können, in die das Fass hineinpasst.

Das Tegernseer vom Fass in Berlin, „das ist immer noch ein Alleinstellungsmerkmal in meiner Ecke“. Ein echter Geheimtipp sei das Bier aber längst nicht mehr. „Das bekommen Sie in jedem besser sortierten Berliner Späti“, weiß Pusch. Spätis sind kleine Läden, die in den Großstädten Berlin und Hamburg an fast jeder Straßenecke zu finden sind und rund um die Uhr offen haben. In München gibt es diese Läden nicht, dafür bekommt man das Tegernseer Helle dort in fast jeder Bar, die etwas auf sich hält – meistens nicht mehr in der vom Oberbayern gewohnten 0,5-Liter-Flasche, sondern in der kleinen 0,33-Liter-Flasche. Die hat etwas Exklusives, das gefällt dem Münchner Barbesucher offensichtlich.

Fürs Fassbier mussten die Hamburger in Tegernsee vorsprechen

Auch die Hamburger lieben die kleinen Flaschen. Im Gegensatz zu den Berlinern sind die Nordlichter nämlich Pilstrinker, weiß Barmann Pusch. Daher der Hang zur kleinen Flasche. Vom Fass gibt es das Tegernseer Helle auch in Hamburg, und zwar sehr zentral zwischen Rathaus und Hafen: im Marinehof. Die Gründer und Betreiber Astrid Wettstein (63) und Eckhard Rhode (55) sind beide Liebhaber des süddeutschen Bieres und wollen das auch ihren Gästen nicht vorenthalten. Um das Fassbier zu bekommen, mussten die Hamburger persönlich in Tegernsee vorsprechen. Es hat sich gelohnt, sagt Rhode: „Das Bier wird unglaublich gut von den Gästen angenommen.“ Und man kennt es inzwischen in jedem Winkel.

Eine Entwicklung, die Rhode mit Sorge betrachtet. Kürzlich ist er durch die Schanze gegangen – mit das bekannteste Kneipenviertel der Hansestadt –, und da lagen und standen sie an jeder Ecke: leere Bierflaschen aus Tegernsee, Helles und Spezial. Auch in den Kiosken ist das Bier keine Seltenheit mehr, sondern fast schon eine Selbstverständlichkeit: Astra, Budweiser, Becks – oder doch Tegernseer? „Schade ist das“, sagt Rhode. Denn das Bier habe seine Exklusivität verloren. Die Brauerei müsse aufpassen, „dass der Name keinen Kratzer kriegt“.

auch interessant

Meistgelesen

Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Wetter: Am Montag wird‘s noch kälter
Wetter: Am Montag wird‘s noch kälter
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt

Kommentare