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Markenschuhe mit Sozialgutscheinen?

Facebook-Gerücht um Flüchtlinge: Behördensprecher greift ein

Schongau - Eine Schongauerin schildert auf Facebook eine Szene, wie ein Flüchtling per Sozialgutschein an teure Markenturnschuhe gekommen sein soll. Der Pressesprecher des Landratsamtes ist empört - und kontert sofort.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich der Facebook-Post von Manuela Eder aus Schongau. Sie hatte veröffentlicht, dass ein Asylbewerber in einem örtlichen Sportgeschäft einen Gutschein vom Landratsamt eingelöst hat. Der sei über 100 Euro ausgestellt gewesen. Dem Flüchtling hätten aber Schuhe für 140 Euro besser gefallen. Ein Anruf der Verkäuferin beim Landratsamt habe genügt: Der Dame wurde gesagt, „das geht in Ordnung, er kann die teuren Schuhe nehmen, man stellt einen neuen Schein aus. Ernsthaft???“, schreibt Eder. „Welche alleinerziehende Mama kann ihrem Nachwuchs Markenschuhe in Markenläden kaufen?“, erbost sie sich. Und weiter: „Wenn Recht auch Gerechtigkeit bedeutet, dann fangen hier meine Zweifel an!“

Der Landratsamt-Pressesprecher hat sofort nachgehakt

Als Hans Rehbehn, Pressesprecher vom Landratsamt, von der Sache Wind bekommt, läuten bei ihm die Alarmglocken. „Ich bin selbst auf Facebook aktiv. Und habe von Freunden eine Nachricht mit diesem Post bekommen.“ Rehbehn reagiert sofort. „Ich habe mich kundig gemacht. Und weder im Ausländeramt, Asylwesen oder in der Sozialhilfe noch im Jobcenter werden Gutscheine für Bekleidung und Schuhe ausgestellt.“ Außerdem wüssten beide Schongauer Sportgeschäfte nichts von einem Kunden mit Gutschein. Auch ein Telefonat zwischen Landratsamt und Laden habe nicht stattgefunden. „Keiner konnte mir diese Geschichte bestätigen. Asylbewerber, Sozialhilfeempfänger und Empfänger von Arbeitslosengeld II erhalten in ihrem Regelsatz einen monatlichen Betrag in Höhe von 33,57 Euro für Bekleidung, die bar oder unbar ausgezahlt werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind Mütter mit frischgeborenen Säuglingen, Haftentlassene und bei Wohnungserstbezug, dieser Personenkreis erhält Gutscheine für eine Baby- und Wohnungserstausstattung.“ Das schreibt er in einer Gegendarstellung auf seinem offiziellen Facebook-Profil als Pressesprecher des Landratsamts. „Ich hätte es gerne auf Manuela Eders Seite getan, aber das kann man nur, wenn man befreundet ist“, erklärt er. Derartige Voucher für Asylbewerber würden seit März nicht mehr ausgestellt. Seit es eine Gesetzesänderung gegeben habe, sagt Rehbehn auf Nachfrage der SN.

Auch früher wurden nie neue Wertscheine ausgestellt

Mit dieser Aussage konfrontiert, reagiert Eder auf ihre eigene Art. Die SN sollen bei einem Weilheimer Sportladen anrufen, „wenn Sie am Wahrheitsgehalt erstmal recherchieren möchten, dann fragen Sie doch mal beim Sport Hapfelmeier in Weilheim nach, die bekommen solche Scheine vom Landratsamt, wo Summe x draufsteht, und der Verwendungszweck (Winterschuhe/Winterjacke).“ Im Geschäft reagiert Verkäuferin Renate Pfleger überrascht. Es habe gerade eine Frau angerufen. „Sie hat nicht sehr kompetent gewirkt und uns mitgeteilt, dass wir der Zeitung nicht zuviel sagen dürfen.“ Auch habe die Anruferin aggressiv gewirkt.

Fakt ist jedoch, dass das Sportgeschäft bis zum Februar deratige Wertscheine angenommen hat. „Da sind auch mal Fehler passiert und es wurden teurere Schuhe ausgegeben. Der Laden hat den Restbetrag dann nie erhalten, da das Landratsamt nie einfach einen neuen Wertschein mit neuem Betrag ausgeteilt hat“, hat Hans Rehbehn bei der Geschäftsleitung herausgefunden.

Facebookerin kennt die geschilderte Situation nur vom Hörensagen

Um einen aktuellen Fall handelt es sich hier also nicht. Doch woher hat Manuela Eder dann die Geschichte, wenn sie sie selbst gar nicht erlebt haben kann? Auf ihrem Profil kommentiert sie ihren Beitrag schließlich so: „Ich werd’ heut Nachmittag der Sache nochmal nachgehen. Und wenn ich Lügen aufgesessen bin, ärgert’s mich am meisten!!“ Im Gespräch mit den SN äußert sich Eder folgendermaßen: „Ich habe den aktuellen Fall so nicht erlebt, mit wurde das erzählt. Jedoch habe ich selbst schon mitbekommen, dass Flüchtlinge auf diese Weise einkaufen.“ Auch habe es sich nicht um ein Schongauer Geschäft gehandelt. Die Schongauerin merkt jedoch an, dass es durchaus sein könnte, dass den Geschäften „ein Maulkorb“ verhängt worden sei. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es solche Wertmarken gibt.“ In eine Schublade stecken lassen möchte sich Eder, die selbst Verkäuferin ist, nicht. „Ich bin weder pro noch contra Asylbewerber. Diese Welle auf Facebook hat mich überrollt.“

Post wurde gelöscht

Den Post auf ihrer Seite hat sie gelöscht. Auch Rehbehn hat seine Gegendarstellung entfernt. „Darauf sind Anschuldigungen verfasst worden, die extrem ins Persönliche gehen. Das möchte ich nicht verantworten.“

Meinen Beitrag Gegendarstellung zu Gutscheinen habe ich gerade vom Netz genommen, da die Kommentare in eine Richtung laufen, die ich so auf meiner Seite nicht vertreten kann.

Posted by Hans Rehbehn Pressesprecher Landkreis Weilheim-Schongau on Freitag, 6. November 2015

Einen solchen Fall der Verleumdung habe er in seiner Zeit am Landratsamt noch nicht erlebt. „Das ist das erste Mal und ich hoffe, es bleibt dabei.“ Auch für den Schongauer Polizeichef Herbert Kieweg so etwas neu. Zumindest in Richtung Polizei habe es  bislang keine üble Nachrede aus der Bevölkerung gegeben. „Natürlich werden immer wieder Gerüchte verbreitet. Doch es ist meist nichts dahinter.“ Die Beamten hätten weder mehr Einsätze wegen der Flüchtlinge, noch vertusche die Polizei bestimmte Straftaten. „Da gibt es auch nichts, was verschleiert werden müsste. Es ist alles unproblematisch.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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