Todesdrama nach Wildunfall

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Der Toyota, der den Fußgänger erfasste: Die Wucht des Aufpralls hat den Frontbereich demoliert.

Wasserburg - Es war noch dunkel, draußen nieselte es. Auf der vielbefahrenen und zu Stoßzeiten an Überlastung leidenden Bundesstraße 304 setzte um kurz vor 7 Uhr morgens der Berufsverkehr ein.

Einer der Pendler in Richtung München ist der Familienvater Franz W. (43), IT-Berater und Systemfachmann aus der Altstadt von Wasserburg am Inn (Kreis Rosenheim). Keine zehn Minuten davor hat er sein Zuhause verlassen, war in seinen Saab gestiegen und losgefahren. Der 43-Jährige sollte nie wieder heimkehren in den Kreis seiner Lieben …

Bei der Ortschaft Edling, kurz nach einer Tempo-80-Zone, kommt der Wasserburger in einen Wildwechsel: Der Saab erfasst dabei einen Rehbock, das Tier wird nach links weggeschleudert. Franz W. stellt zunächst sein Auto rechts ab, es hat nur einen Blechschaden. Der Mann überquert die Straße, um nach dem Rehbock zu schauen, der gegenüber in einer Wiese liegt. Doch auf den wenigen Metern wird der Familienvater von einem anderen Auto frontal erfasst. Der herbeigerufen Notarzt kann Franz W, nicht mehr helfen, der IT-Spezialist ist tot.Es kann nur gemutmaßt werden, weshalb er den Toyota, der aus Richtung München kam, übersehen hatte. Dunkelheit und Regen spielten dabei sicher eine Rolle. Und natürlich die Aufregung, in einen Unfall verwickelt zu sein. Was genau passierte, muss aber nun ein Gutachter klären.

Das Opfer hinterlässt Frau und Kind. Franz W., ein ruhiger, zurückhaltender Mensch, hatte erst ein altes Haus in der Altstadt in mühevoller Arbeit renoviert und so für seine Angehörigen ein schönes Heim geschaffen. Wenn es seine Zeit erlaubte, spielte er mit seinem Kind gegenüber im Park, wo er auch gerne seinen Cappuccino trank.

Der 28-jährige Toyotafahrer aus Steinhöring (Kreis Ebersberg) wurde bei dem Unfall leicht verletzt. Die B 304 wurde für fast zwei Stunden gesperrt.

Marienhof-Star Julia: Sie starb bei der Igel-Rettung

Der tragische Tod des Wasserburgers Franz W. erinnert an das traurige Schicksal der Schauspielerin Julia Palmer-Stoll. die am 9. Juni 2005 verunglückte: Die Marienhof-Darstellerin war ebenfalls auf einer Landstraße (in Dachau) überfahren worden – weil sie einem Igel das Leben retten wollte.

Die 21-jährige Schauspielerin aus der ARD-Vorabendserie war am Abend unterwegs nach München, als sie den Igel auf der Straße sitzen sah. Sie stellte das Auto ab, um das Tier von der Fahrbahn zu tragen. Dabei wurde sie von einem Auto erfasst und rund 30 Meter weit mitgeschleift. Ein Hubschrauber brachte die Schwerstverletzte noch in die Murnauer Unfallklinik. Dort starb sie.

Der Fahrer des Unfallwagen (41) hatte damals einen schweren Schock erlitten. Julias Rolle in Marienhof als Krankenschwester Simone wurde nicht neu besetzt.

Wildunfälle: Zurzeit ist Gefahr groß

Achtung, Autofahrer: Das Risiko von Wildunfällen ist zurzeit dramatisch hoch! Etwa jeder zweite Wildunfall ereigne sich im Herbst – pro Jahr würden in Deutschland rund 220 000 Rehe überfahren, was etwa 20 Tieren pro Stunde entspreche, sagt ADAC-Experte Thomas Hessling. Doch wie verhält man sich, wenn es doch zum Wildunfall kommt – und man sich nicht – wie im tragischen Fall des Wasserburgers – selbst gefährden will?

Auf jeden Fall müsse die Unfallstelle mit Warnblinker und -dreieck abgesichert werden, betont der Experte, selbstverständlich mit allergrößter Vorsicht auf der Straße!

Wichtig sei es, die Polizei zu informieren, die dem zuständigen Jagdrevierinhaber Bescheid gibt und eine Unfallbescheinigung für die Versicherung ausstellt. Das angefahrene Tier solle man auf keinen Fall berühren: Es könnte auskeilen. Das tote Tier nie mitnehmen: Wilderei!

Zig Rehe wandern derzeit von den abgeerntenen Feldern zurück in die Wälder oder werden von Früchten der Alleebäume angelockt. Verlassen Sie sich deshalb nicht nur auf Wildwechsel-Schilder: Die Standorte vieler Schilder sind veraltet.

Quelle: tz

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