Staatsanwaltschaft hat sich entschieden

Todesschuss von Burghausen: Bekannter Anwalt kämpft für Andrés Mutter

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Der bekannte Anwalt Steffen Ufer.

Burghausen - André B. wurde 2014 von einem Zivilfahnder in den Hinterkopf getroffen. Im Kampf für ihren toten Sohn hat seine Mutter nun den renommierten Münchner Strafverteidiger Steffen Ufer engagiert.

Update vom 15.2., 14 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat das Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem tödlichen Schusswaffengebrauch eines Polizeibeamten am 25. Juli 2014 in Burghausen nach intensiven Ermittlungen mit dem Bayerischen Landeskriminalamt eingestellt.

Vor einem Jahr und 202 Tagen verlor der 33-jährige André B. in der Herderstraße in Burghausen sein Leben. Erschossen von einem Zivilfahnder der Polizei. Der tödliche Schuss traf ihn in den Hinterkopf. Bis heute sind die Geschehnisse für viele Bürger in der Kleinstadt unfassbar. Der Mutter von André B. geht es vor allem um eins: Gerechtigkeit. Im Kampf für ihren toten Sohn hat sie nun einen renommierten Münchner Strafverteidiger engagiert. Steffen Ufer soll helfen, den Fall zu klären.

Rückblick: André B. wurde an jenem Tag mit einem Haftbefehl, ausgestellt im April 2014, von der Polizei gesucht: Er soll wieder angefangen haben, mit Marihuana zu dealen. Am 25. Juli 2014 trafen ihn zwei Zivilfahnder gegen 18 Uhr vor der Wohnung seiner Freundin Karo S. an. Der Deutschrusse versuchte zu fliehen, der Fahnder Michael K. schoss, André B. war sofort tot.

Der renommierte Münchner Strafverteidiger Steffen Ufer vertritt jetzt die Mutter des getöteten André B. Er verteidigte unter anderem bereits den Oetker-Entführer sowie Karl-Heinz Wildmoser senior, den Schönheitschirurgen Professor Werner Mang und Rainer Werner Fassbinder vor Gericht. Im Burghausen-Fall interessiert ihn primär eins: Wann endlich die langersehnte Entscheidung fällt – für oder gegen eine Anklage von Michael K., aus dessen Dienstwaffe der tödliche Schuss auf André B. abgegeben wurde.

Steffen Ufer: Schwere Vorwürfe gegen die Traunsteiner Staatsanwaltschaft

Der Münchner Anwalt hat kein gutes Gefühl: „Aus den jüngsten Kontakten mit der Staatsanwaltschaft wurde deutlich, dass es eher auf eine Einstellung des Verfahrens als auf eine Anklageerhebung hinausläuft.“ Im Interview mit innsal­zach24.de erhebt er deshalb schwere Vorwürfe gegen die Traunsteiner Staatsanwaltschaft.

Er beschreibt die missglückte Polizeiaktion als „aberwitzigen“ Einsatz. Außerdem mahnt er: „Ein Querschläger ist immer zu befürchten – da hätte ein Kind hops gehen können!“

Ufer meint jene Kinder, die den Einsatz am 25. Juli 2014 hautnah miterlebt hatten. Sie spielten auf der angrenzenden Rasenfläche, als Michael K. den tödlichen Schuss auf André B. abgab. „Die Kinder sind traumatisiert“, erklärt Ufer.

Den Anwalt erinnert dieser Einsatz an Vorfälle in Amerika, die durch die Medienwelt gingen: „Wir wollen solche Verhältnisse hier nicht haben.“

Besonders kritisch sieht er auch das Verhalten der Staatsanwaltschaft direkt nach den tödlichen Schüssen von Burghausen: „Der Schütze wurde lediglich als Zeuge vernommen.“ Sein Resümee zu den Ermittlungen, die bereits über eineinhalb Jahre andauern, fällt nüchtern aus: „Dieses Verfahren diente nicht der Aufklärung, sondern lediglich der Rechtfertigung der polizeilichen Aktion!“

Die Entscheidung, ob der Todesschütze Michael K. angeklagt wird oder nicht, scheint bereits gefallen zu sein, wie Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese gegenüber innsalzach24.de mitteilte. Zum Ergebnis der Ermittlungen wollte er sich jedoch noch nicht äußern. Steffen Ufer und der Anwalt des Burghauser Polizisten, An-dreas von Máriássy, würden im Laufe der kommenden Woche Post bekommen.

Sollte sich die Staatsanwaltschaft gegen eine Anklage des Todesschützen Michael K. entschieden haben, will Steffen Ufer alle Register ziehen und ein Klage-Erzwingungsverfahren auf den Weg bringen, bestätigte Ufer gegenüber innsalzach24.de. Dann müsste sich das Oberlandesgericht München mit dem Fall beschäftigen. Die Familie und Freunde von André B. hoffen, dass sie bald mit dem Fall abschließen können – und nur noch um den verstorbenen Sohn und Freund trauern dürfen.

Bettina Pohl

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