Sie erhielten zu Unrecht 14.800 Euro

Tommy Haas: Eltern als Hartz-IV-Betrüger verurteilt

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Gern gesehen auf dem roten Teppich: Brigitte und Peter Haas, hier bei einer Film­premiere im August 2013 in München.

München - Die Eltern von Tommy Haas mussten sich vor Gericht verantworten. Um etwa in Florida zu überwintern, erhielten sie zu Unrecht 14.800 Euro.

Jahrzehnte war Peter Haas ein echter Jetsetter. Er konnte sich schrecklich aufregen, wenn etwa sein Ferrari nicht rechtzeitig aus der Werkstatt kam, oder weil er statt 300 nur 280 km/h lief. Von diesem Standard ist er inzwischen Lichtjahre entfernt – Peter und Ehefrau Brigitte mussten sich als Mitglieder der „Bedarfsgemeinschaft Haas“ vor dem Amtsgericht Rosenheim verantworten.

Haas ist seit dem Jahr 2002 nach einem unverschuldeten Motorradunfall in Florida zu 80 Prozent schwerbehindert, seinem Beruf als Tennislehrer kann er nicht mehr nachgehen und damit war auch das Einkommen aus der Tennisacademy dahin. Die Wohnung in Bad Aibling kostete aber. Das Geld zerrann zwischen den Fingern, so kam man im Hause Haas im November 2011 auf die Idee, sich beim Rosenheimer Jobcenter um ALG II, bekannter als Hartz IV, zu bemühen.

Allerdings versäumte es das Ehepaar, im dazugehörigen Fragebogen anzugeben, dass es monatlich von Sohn Tommy mit durchschnittlich 1200 Euro unterstützt wurde. Ebenso wenig wurde angeführt, dass Peter Haas aus seinem Motorradunfall eine Rente von 1765 US-Dollar bezog. Als noch im Dezemer darauf eine Versicherungsprämie von über 9000 Euro anfiel, hielt dies das Ehepaar auch nicht für meldepflichtig. Selbst die inzwischen einsetzende Rentenzahlung für Brigitte Haas wurde dem Job-Center verschwiegen. Bis das Jobcenter die Zahlungen im November 2012 einstellte, hatte das Paar so unrechtmäßig 14 796 Euro erhalten – die Anklage bei dem Prozess am Dienstag lautete deswegen auf Betrug.

Peter Haas schilderte dabei der Amtsrichterin Isabella Hubert, wie schwer es ihm nach dem Unfall fiel, einen vernünftigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Schließlich musste man es ja schaffen, ohne Einkommen drei Wintermonate im Jahr nach Florida zu verreisen. Brigitte Haas: „Wir müssen im Winter in Florida sein. Ich kann die Kälte hier nicht ertragen.“ Inzwischen sind sie von Bad Aibling nach Graz umgezogen, wo sie mietfrei in einer Wohnung leben, die der Mutter von Peter Haas gehört.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zeigte sich in ihrem Schlussvortrag fassungslos: „Diese staatliche Hilfe, ALG II, ist eine Hilfe für Bedürftige! Sie sind das Gegenteil von bedürftig. Sie haben einzig das Problem, ihren früheren Lebensstandard aufzugeben.“ Sie beantragte eine Haftstrafe von elf Monaten, die man zur Bewährung aussetzen könne. Darüber hinaus solle das Ehepaar verpflichtet werden, den Schaden wieder gut zu machen.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Hans-Dieter Gross, gestand zu, dass das Ehepaar hier wohl „geschludert“ habe. Er hielt eine Geldstrafe für ausreichend.

Tommy Haas.

Die Richterin las allerdings den Angeklagten die Leviten: „Hier werden Leute verurteilt, die sich von den Behörden 200 Euro erschwindeln, weil sie nicht wissen, wie sie von 360 Euro monatlich leben sollen. Sie beide beziehen etwa 3000 Euro im Monat und leben noch mietfrei! Mit der Hälfte dieses Einkommens würden sich hier hunderte Arbeitslose im Himmel fühlen. Würde der Staat allen, die so bedürftig sind wie Sie, diese Unterstützung gewähren, so wäre er im Handumdrehen bankrott.“ Sie verurteilte beide zu je neun Monaten Gefängnis. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Aber dazu müssen beide nun gemeinsam 500 Euro monatlich an den Kreis zurückzahlen. Die Richterin: „Das können Sie leisten. Und wenn Sie sich dann etwas mehr einschränken müssen, so ist das nur angemessen.“

Theo Auer

Das Investmentmodell Tommy Haas

Tommy Haas (36) war ein Riesentalent. Vater Peter wollte ihn deswegen als 13-Jährigen nach Florida schicken, ins Camp von Nick Bollettieri, den berühmtesten Tenniscoach seiner Zeit. Finanziert wurde diese Ausbildung von Sponsoren, denen eine Beteiligung von 15 Prozent der späteren Einnahmen zugesichert wurde. 1999 wurden die Zahlungen eingestellt, es ging vor Gericht. In letzter Instanz gab es eine Zahlung von über 500 000 Euro.

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