Ergreifende Todesanzeige für Franzi (12)

So sieht die kranke Welt des Mädchen-Mörders aus

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Stefan B. (26) war schon oft kriminell und stand auch mehrfach wegen Sexualdelikten vor Gericht.

München - Er hat ein kleines unschuldiges Mädchen verfolgt, entführt, missbraucht und anschließend erwürgt und erschlagen. Wie wurde aus dem Kleinkriminellen Stefan B. der grausame Mädchenmörder vom Ratheiweiher?

Kinderpornografie, rechtes Gedankengut und körperliche Gewalt: Der dringend tatverdächtige Stefan B. aus Egweil (Kreis Eichstätt)wurde schon vor dem Mord an der zwölfjährigen Franziska mehrfach straffällig. Zuletzt stand er im Dezember 2013 vor Gericht, weil er mehr als zehn Frauen über ein Internetportal mit obszönen Texten zum Sex aufgefordert und dafür auch Geld geboten hatte. Auch saß er letztes Jahr wegen Gewalt- und Verkehrsdelikten in Haft. „Das war aber nicht das erste Mal“, erinnert sich ein Nachbar. Bereits mit 20 Jahren soll Stefan B. wegen Kinderpornografie verurteilt worden sein. Polizeibeamte entdeckten bei dem damaligen Bäckerlehring Nacktbilder von Mädchen und Buben. Folge: Er verbüßte seine erste Jugendstrafe!

Auch die Facebook-Seite im Internet offenbart die kranke Welt des Mädchenmörders. Stefan B. stellte blutige Bilder mit Messern und anderen Waffen auf seine Seite. Auch kommentierte er in Gruppen mit rechtsradikalen Gedankengut und schrieb Kommentare unter Bilder junger Mädchen. Eine richtige Beziehung scheiterte schon nach wenigen Wochen im Juli 2013. Dennoch hat er aus noch früheren Beziehungen zwei Kinder.

Es scheint, als sei Stefan B. schon immer kriminell gewesen. Erst klaute er Kennzeichen, später Autos. Laut Nachbarn galt er schon in frühen Jugendjahren als „Taugenichts“. Auch der Polizei war er kein Unbekannter. Erst vor zwei Jahren erwischten sie ihn beim Schwarzfahren – Stefan B. hat bis heute keinen Führerschein. Seinen grünen Toyota fuhr er natürlich trotzdem. Wurde er kontrolliert, lieferte er sich schon mal eine wilde Verfolgungsjagd – wie am Sonntag, als sich die Polizei an seine Fersen heftete. Nicht zuletzt deshalb hatte einer der Neuburger Beamten laut Donaukurier sofort an den 26-Jährigen gedacht, als der Hinweis auf das grüne Auto kam. Schließlich war die Polizei häufiger im Haus der Familie B. „Doch seine Familie, vor allem seine Mutter, hat ihn immer gedeckt“, erzählt ein Nachbar in Egweil.

Doch nur bis Sonntag. „Mein Sohn ist für mich nicht mehr vorhanden“, sagte Josefine B., die Mutter des Mädchenmörders Dienstag zur tz. Die schreckliche Tat an der kleinen Franziska ist auch für Stefan B.’s Mutter zu viel.

"In unseren Herzen stirbst du nie..."

Die Angst, das Leid: Niemand mag sich vorstellen, was die kleine Franziska (12) am Samstag ertragen musste. Dienstag gestand der tatverdächtige Stefan B. (26) jedenfalls, die Schülerin verfolgt und dann am Ufer eines Weihers bei Neuburg getötet zu haben. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Mit dieser ergreifenden Anzeige nimmt die Familie Abschied von Franziska.

Auch Dienstag suchten Taucher den Ratheiweiher nochmal genau auf Spuren ab. Dort war die Leiche des Mädchens von Anglern gefunden worden. „Wir wollen kein Detail übersehen“, erklärte ein Mitglied der eigens gegründeten Soko Franziska. Mittlerweile ist auch klar: Stefan B. missbrauchte das Mädchen, bevor er brutal mit einem Holzpfahl immer wieder auf Franziska einschlug. Die schreckliche Tat geschah direkt am Ufer. Zuvor hatte der 26-Jährige die Schülerin und eine Freundin auf ihren Fahrrädern beobachtet. Dann folgte er den Kindern langsam mit seinem Auto. Als Franzi dies auffiel, schickte sie noch eine SMS an Freunde, sprach davon „verfolgt zu werden“. Als sich die Mädchen trennten, muss Stefan B. wenig später Franziska auf einem Feldweg überwältigt und in sein Auto gezogen haben. Dann fuhr er zu dem Weiher. Dass es Franziska traf, war reiner Zufall. Stefan B. kannte das Mädchen nicht...

In Franziskas Heimatort Möckenlohe ist die Trauer um das nette, freundliche Mädchen groß. Am Mittwoch wird ein großer Trauergottesdienst für die Schülerin gefeiert. In einer großen Traueranzeige (siehe Foto) nahmen Eltern, der Bruder sowie Verwandte und Freunde Dienstag schon einmal von ihrem Liebling Abschied – mit den berührenden Worten: „In unserem Herzen stirbst du nie.“

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