Er kannte den Steig in- und auswendig

Mittenwalder stürzt am Karwendel in den Tod

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Ort der Tragödie: Nahe der Westlichen Karwendelspitze (rechts) ist der Mittenwalder abgestürzt.

Mittenwald - Schock in Mittenwald: Ein Einheimischer ist am Freitag bei einer Bergtour rund 300 Meter in die Tiefe gestürzt. Für den 70-Jährigen kam jede Hilfe zu spät.

Er kannte den Steig an der Westlichen Karwendelspitze (2385 Meter) in- und auswendig. Unzählige Male hatte er diesen schmalen Weg an der deutsch-österreichischen Grenze mit seinem Freund schon passiert. Am Freitag sollte der Mittenwalder zum letzten Mal dort oben in seinen geliebten Bergen sein. Gegen 10 Uhr stürzte der 70-Jährige rund 300 Meter in die Tiefe. „Er war sicher sofort tot“, meint Thomas Widerin, Alpinpolizist der Dienststelle Seefeld.

Was war genau geschehen? Der Isartaler war mit seinem gleichaltrigen Freund von der Karwendelbahn-Bergstation in Richtung Westliche Karwendelspitze aufgebrochen. Es war neblig und leicht regnerisch und der Steig laut Polizei rutschig. Irgendwie muss der Mittenwalder auf dem Höhenweg parallel zum Tiroler Karwendeltal gestolpert sein. In der Folge stürzte er einen steilen, mit Felsen durchsetzten Grashang hinunter. Erst jetzt bemerkte der vor ihm gehende Freund die Katastrophe. Nach diesem Schock wollte der bergerfahrene Isartaler einen Notruf absetzen. „Doch er hatte keinen Handyempfang“, schildert Widerin die nächsten Minuten dieser Tragödie.

Rettungskräfte: "Schwieriger Einsatz, wir hatten null Sicht"

So verging einige Zeit, bis die Rettungskräfte alarmiert werden konnten. Es rückten die Bergwacht Mittenwald und die Bergrettung Scharnitz an. Die Besatzungen zweier österreichischer Hubschrauber versuchten zudem, sich von oben ein Bild zu machen. „Es war ein schwieriger Einsatz, wir hatten null Sicht“, berichtet Widerin.

Gegen 13 Uhr entdeckte ein Mittenwalder Einsatzteam, das sich an der Absturzstelle abgeseilt hatte, den Leichnam im Bereich „Kircherl“. Gegen 14 Uhr konnte er schließlich per Helikopter geborgen werden. „Wir haben gewartet, bis das Wetter besser war.“

Laut Widerin konnte sein Freund bislang nur „ein paar Angaben“ machen. Er sei aus nachvollziehbarem Grund „in einem Ausnahmezustand“ gewesen. csc

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