Verweifelte Postings bei Facebook

Die Tragödien hinter dem Absturz

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Die Spurensicherung am Unfallort

Coburg - Als die ersten Meldungen über den Flugzeugabsturz von Coburg im Radio liefen, sorgten sich Freunde verzweifelt bei Facebook. Inzwischen ist das ganze Ausmaß der Tragödie bekannt.

Der Rundflug übers Coburger Umland sollte eine Geburtstagsüberraschung für ihren neuen Freund werden: Um 6.14 Uhr schrieb Patrizia T. (31) am vergangenen Sonntag „Ab in die Lüfte“ auf ihre Facebook-Seite. Um 6.20 Uhr waren sie und Freund Christian Koch (28) tot. Zusammen mit Pilotin Madeleine F. (31) und Passagier Dr. Jens E. (44) starben sie beim Absturz der Piper.

Als die ersten Meldungen von einen Absturz am Flugplatz Steinrücken bei Coburg im Radio liefen, baten die Freunde im Minutentakt um ein Lebenszeichen: „Pat, bitte schick einen Post, dass es dir gut geht!!!!!“, schrieb Wolfgang um 9.37 Uhr. „Bin schon ganz aufgewühlt“, schrieb Anja um 10.56 Uhr. Doch von Patrizia kam keine Antwort.

Erst zwei Tage nach dem Absturz wird das ganze Ausmaß der Tragödie bekannt: Patrizia hinterlässt zwei Kinder, Franziska (3) und Louis (5). Sie werden von den Großeltern betreut. „Die finanzielle Situation ist derzeit ungewiss“, schreibt der Chef des Coburger Lokalsenders iTV, Uwe Meyer, auf einer eingerichteten Spenden-Homepage. Er selbst gab 1050 Euro – Honorar für die Absturz-Bilder.

Coburg: Bilder vom Flugzeugabsturz-Ort

Coburg: Bilder vom Flugzeugabsturz-Ort

Warum die Maschine abstürzte, ist immer noch unklar. Die Ermittlungen der Polizei laufen, die Leichen wurden obduziert.

Unfassbar tragisch sind auch die Umstände, unter denen die Eltern von Christian Koch vom Tod ihres Sohnes erfuhren. „Wir haben Sonntagmorgen vergeblich auf der Taufe unserer Enkelin auf ihn gewartet“, sagt Vater Hartmut Koch, Inhaber der ältesten Flaggenfabrik Europas, Fahnen-Koch. „Als wir nach Hause kamen, wartete schon die Polizei.“ Via Facebook lädt die Familie nun zu Christians Beerdigung ein.

Für den 28-Jährigen war es der erste Flug gewesen. Für Pilotin Madeleine F. dagegen war es eine Gelegenheit, Flugpraxis zu sammeln. Erst im vergangenen Jahr hatte sie den Motorflugschein gemacht. Die Halb-Tunesierin hatte in München Zahnmedizin studiert und arbeitete in einer Coburger Zahnarztpraxis als Assistentin. Der ebenfalls verstorbene Zahnarzt Dr. Jens E. war ihr früherer Chef.

Die furchtbaren Bilder von der Unglücksstelle werden auch die Rettungskräfte noch lange Zeit begleiten. Gemeinsam mit den Notfallseelsorgern verharrten sie am Sonntag für einen stillen Moment am Unfallort. Eine Nachbesprechung folgte.

Am Flugplatz Steinrücken geht das Leben indes weiter. Am Dienstag schlug ein Fliegercamp aus München dort seine Zelte auf. Die Maschinen mussten direkt über die Absturzstelle fliegen. Dort hat Madeleines Freund Philip einen letzten Gruß hinterlassen: „So schön zuzusehn. Nie wird dein Strahlen vergehn. Ich liebe dich.“

tz

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