Trampelpfad mit Ekel-Faktor

Anwohnerin muss ständig nackte Hintern sehen

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Darum geht’s: Der Weg durch das Waldstück zwischen Steinsäge und B 472 wird oft als Toilette missbraucht. Anwohnerin Christine Feichtinger stinkt’s.

Wackersberg – Wenn Christine Feichtinger in ihrem Garten sitzt, kann es durchaus vorkommen, dass sie auf einen blanken Hintern blickt. Denn das kleine Waldstück an der B 472  wird von Reisenden oft und gerne als Toilette genutzt.

Das stinkt im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel: Viele Reisende nutzen das kleine Waldstück zwischen der Bus-Haltestelle „Ruh am Bach“ und der Steinsäge in Wackersberg für ihre Notdurft. „Einmal habe ich gerade meinen Garten gegossen, als eine ganze Reisegesellschaft aus einem Bus ausgestiegen ist und sich im Gebüsch verteilt hat“, erzählt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Wenn mein Schlauch länger gewesen wäre, hätte ich sie gerne angespritzt, damit sie sich woanders erleichtern.“

Das wäre ganz im Sinne von Christine Feichtinger, die mit ihrer elfjährigen Tochter ebenfalls unterhalb der besagten Stelle wohnt – direkt gegenüber des Trampelpfads, den vor allem die Schulkinder nutzen, um von der Steinsäge zur Bus-Haltestelle an der B 472 zu kommen. Und dieser Weg wiederum führt durch das kleine Waldstück, das viele Reisende als Toilette missbrauchen. „Ich will meine Tochter dort gar nicht mehr durchschicken, weil es so stinkt“, sagt Feichtinger. Vom Ekel-Faktor ganz zu schweigen: Zwischen den Bäumen und Sträuchern liegen immer wieder benutzte Papiertaschentücher oder sogar Toilettenpapier. Und natürlich Müll wie Kaffeebecher oder Verpackungsmaterialien, zumal es an der Bushaltestelle und dem Parkplatz keinen Mülleimer gibt.

Das ist vom Weilheimer Straßenbauamt auch ganz bewusst so gewollt. Bereits vor zwei Jahrzehnten habe man damit begonnen, Abfallbehälter an Parkplätzen entlang von Bundesstraßen abzuschaffen, erklärt Sachbearbeiterin Christine Volkmer, die für den Landkreis zuständig ist. „Wie die Erfahrung zeigt, hat sich das sehr positiv auf das Müllproblem ausgewirkt.“ Denn Abfalleimer seien schnell voll, was zur Folge habe, dass die Autofahrer ihren Müll einfach daneben stellen würden. „Die Hemmschwelle ist viel größer, Müll einfach in der Landschaft zu entsorgen“, so zumindest die Hoffnung der Diplom-Ingenieurin. Meist funktioniere dieses Prinzip aber auch: „Die Mehrheit nimmt ihren Müll mit und entsorgt ihn zuhause, wozu man übrigens auch rechtlich verpflichtet ist, wenn es keinen Abfalleimer gibt.“

Feichtinger hilft das wenig, sie sammelt den Müll inzwischen lieber selbst ein, da sie Angst vor Ratten hat. Dafür zeichnet sich im Bezug auf das „Wildpinkeln“ eine Lösung ab: Die Gemeinde Wackersberg will in den nächsten Wochen auf dem Scheitel des Dammes einen Maschendrahtzaun errichten. „Das Türchen wird zwar offen sein, aber die Hemmschwelle, dort ins Gebüsch zu gehen, steigt hoffentlich“, sagt Bürgermeister Alois Bauer. Außerdem soll der Handlauf abmontiert werden, der viele Reisende regelrecht dazu einlade, ins Gestrüpp zu gehen.

Feichtinger ist mit diesem Ansatz zufrieden: „Ganz verhindern wird es das Problem nicht, aber ich denke, dass das eine gute Lösung ist.“ Auf eine öffentliche Toilette können Gemeinde und Anwohner jedenfalls nicht hoffen: Da so eine WC-Anlage mit hohen Kosten verbunden sei, werde sie nach Auskunft des Straßenbauamts ausschließlich an Straßen mit sehr hoher Frequentierung wie Autobahnen oder autobahnähnlichen Bundesstraßen errichtet.

Vielleicht wäre aber ja ein Schild hilfreich, das darauf hinweist, dass „Wildpinkeln“ in Deutschland kein Kavaliersdelikt ist. „Es handelt sich um eine Straftat, die unter die Kategorie ,Belästigung der Allgemeinheit‘ fällt“, weiß Volkmer vom Straßenbauamt. „Das kann mit Geldstrafen bis zu 5000 Euro bestraft werden.“

Silke Scheder

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