Eltern trauern um ihre Tochter

Unfallopfer Vanessa "hatte alles noch vor sich"

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Mit einem Lächeln ging Vanessa Großmann durchs Leben. Die Familie und Freunde trauern um die 16-Jährige.               

Oberau/Krün – Familie und Freunde trauern um die verunglückte Vanessa Großmann (16), die auf der B2 bei Oberau ums Leben gekommen ist. Ein Holzmarterl an der B2 ist geplant, das erinnert und warnt.

André Großmann hat schon ein paar Sachen für Vanessa zusammengepackt, die Wohnung aufgeräumt. Der 37-Jährige freut sich auf seine Tochter, die vor zwei Jahren aus ihrer Heimat Brandenburg zu ihm nach Oberau gezogen ist. „Sie hatte mir am Samstag eine SMS geschrieben, dass sie uns besuchen und bei uns schlafen will.“ Die Vorfreude ist groß an diesem Montagmorgen. Bis es plötzlich klingelt – und die Polizei vor der Tür steht. Und nichts mehr für die kleine Oberauer Familie ist wie es einmal war.

Vanessa ist tot. Gestorben bei einem tragischen Verkehrsunfall auf der B2 in Höhe des Krüner Ortsteils Barmsee (wir berichteten). Ein Auto erfasste die 16-Jährige, als sie frühmorgens die Straße zur Bushaltestelle überqueren wollte. In der Berufsschule in Garmisch-Partenkirchen kommt die angehende Hotelfachfrau nie an. Sie erliegt noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen.

Nur wenige Stunden später liegen Blumen an der Unglückstelle. Eine Kerze brennt, eine Karte steht daneben. Auch der Vater und seine Lebensgefährtin Katrin Fritsch (36) haben Blumen niedergelegt. Es ist einer ihrer schwerste Wege. Hin zum Unfallort an der B2. „Ich wollte es sehen“, sagt Großmann, der in Oberau eine Fischräucherei betreibt und seine Produkte auf den Wochenmärkten anbietet. „Um zu verstehen und zu begreifen.“ Gelungen ist ihm das noch nicht.

Ebenso wenig wie Andreas Zick. „Fassungslos“ und „erschüttert“ ist der Chef des Alpencaravanparks Tennsee. „Ich bin immer noch am Zweifeln.“ Am Zweifeln, wie das Unglück passieren konnte, das seine Auszubildende mitten aus dem Leben riss. Im August hatte Vanessa Großmann in seinem Betrieb die Lehre begonnen. Sie wohnte in einem Personalzimmer – und fuhr von dort immer montags und dienstags mit dem Bus zur Berufsschule. Auch Zicks zehnjährige Tochter und sein Neffe (10) steigen an der B2 in den Bus. Nur weil ein Schulausflug anstand, fuhren die beiden später los. „Sonst wären sie dabei gewesen.“ Für den Familienvater eine schreckliche Vorstellung.

Und der Grund, warum der Gemeinderat – auf Initiative der Anwohner am Barmsee – im September einen Antrag im Gremium einbrachte, in diesem Bereich eine Temporeduzierung auf 80 km/h an der B2 einzuführen. Nun bekommt dieser Vorschlag eine tragische Brisanz. „Es ist eine Stelle, die viele Leute nutzen“, unterstreicht der Campingplatz-Betreiber. Und eine, an der schon einmal ein Mensch sein Leben ließ. Vor vielen Jahren, an gleicher Stelle, auf der anderen Straßenseite. Vanessas Vater kann nicht verstehen, dass die Geschwindigkeitsdrosselung erst jetzt zum Thema wird. „Die Stelle ist doch schon lange bekannt“, sagt er. „Vielleicht hätten 20 km/h weniger gereicht.“ Und seiner Tochter das Leben gerettet.

Ein Holzkreuz soll nun die Fußgänger und Autofahrer mahnen. Das will Zick in enger Abstimmung mit dem Vater am Unglücksort aufstellen. „Als Erinnerung und Warnung“, sagt der Hotelier. Und als Ort des Gedenkens für die Familie. Der bleibt dem Vater und Vanessas Freunden. Und die Erinnerung an ein „lebensfrohes und unternehmungslustiges Mädchen“, sagt der Vater. Eines, „das alles noch vor sich hatte“.

Janine Tokarski

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