Trotz 240.000 Euro Schaden

Edelstahl-Diebe: Nur Bewährungsstrafe

Ansbach - Monat für Monat schafften ein Firmenmitarbeiter und ein Schrotthändler Edelstahlplatten beiseite - und kassierten jedes Mal zwischen 20 000 und 40 000 Euro. Jetzt erhielten sie dafür eine Bewährungsstrafe.

Trotz der hohen Schadenssumme von rund 240 000 Euro bleibt zwei Dieben von Edelstahlschrott vorerst das Gefängnis erspart. Nach einem umfassenden Geständnis verurteilte das Landgericht Ansbach am Montag einen ehemaligen AEG-Mitarbeiter und einen früheren Schrotthändler wegen des Diebstahls im Rothenburger AEG-Werk zu Bewährungsstrafen von jeweils zwei Jahren. Der 57-Jährige und sein 20 Jahre älterer Komplize hatten 316 Tonnen Edelstahlplatten beiseitegeschafft. Auf das milde Urteil hatten sich zuvor alle Prozessbeteiligten im Rahmen einer Absprache verständigt.

Der 57 Jahre alte Familienvater muss außerdem 100 000 Euro Wiedergutmachung an den Electrolux-Konzern zahlen, zu dem das Rothenburger AEG-Werk gehört. Dem 77-Jährigen machte das Gericht zur Auflage, die für seine Entlassung aus der U-Haft gezahlte Kaution von 5000 Euro auf ein Electrolux-Konto zu überweisen. Bei der finanziellen Wiedergutmachung berücksichtigte die 1. Strafkammer, dass der frühere Schrotthändler seit Jahren auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen ist.

Der Kammervorsitzende Claus Körner begründete die ungewöhnliche Milde seines Urteils mit den besonderen Umständen des Falls. Beide Angeklagten seien ohne Vorstrafen, hätten ein umfassendes Geständnis abgelegt und seien bereit gewesen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, wenigstens eine Teil des von ihnen verursachten Schadens wieder gut zu machen. Zudem sei nicht davon auszugehen, dass beide noch einmal in ihrem Leben eine Straftat begehen.

Beide hatten zum Auftakt des eintägigen Verfahrens die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in vollem Umfang eingeräumt. „Ja, die Vorwürfe sind absolut korrekt“, sagte der 57-Jährige kleinlaut. Danach haben die beiden zwischen 2006 bis 2008 regelmäßig einen Teil des beim Ausstanzen von Kochmulden entstanden Edelstahlschrotts aus dem Hausgeräte-Werk geschleust. Der heute 57-Jährige hatte dabei für den ungehinderten Abtransport vom Rothenburger Werksgelände gesorgt, der heute 77-Jährige die Edelstahlplatten abgeholt und später verkauft.

Die Diebstähle waren jahrelang unbemerkt geblieben. Erst als Steuerfahnder im Jahr 2010 die Werksleitung auf finanzielle Unregelmäßigkeiten hinwiesen, veranlassten die Manager eine Überprüfung und stießen dabei auf die illegalen Aktionen. Von ihrem Teamleiter trennte sich das Unternehmen per Aufhebungsvertrag, brachte sich damit aber zugleich um Schadenersatzansprüche.

Der frühere AEG-Mitarbeiter erklärte vor Gericht, der Schrotthändler habe ihn zu den Diebstählen gedrängt. „Lange habe ich das abgelehnt. Irgendwann habe ich mich dann auf den Handel eingelassen“, sagte er vor Gericht. Eine Rolle hätten seinerzeit auch finanzielle Probleme in der Familie gespielt. Er habe Schulden gehabt - „und ich wollte meiner Frau das Gefühl geben, dass sie keinen finanziellen Druck hat“, erläuterte er seine Motive. Der frühere Schrotthändler beschränkte sich dagegen weitgehend auf das von seinem Anwalt verlesene Geständnis.

dpa

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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