Millionenprojekt in Niederbayern soll im Mai eröffnet werden

Nach zehn Jahren: Umstrittenes Trachten-Kulturzentrum fertig

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Eine Frau arbeitet im Museum im Trachtenkulturzentrum in Holzhausen nahe dem niederbayerischen Geisenhausen an einer Tracht. Nach zehnjähriger Bauphase soll am 2. Mai das Trachtenkulturzentrum eröffnet werden.

Geisenhausen - Zwietracht hatten die Pläne zum Trachten-Kulturzentrum unter den Trachtlern gesät. Zu ehrgeizig und teuer meinten die Kritiker, genau richtig befanden die Befürworter. Nach zehn Jahren Bauzeit ist das Sechs-Millionen-Euro-Projekt fertig.

Idyllisch plätschert das Wasser im Innenhof in den Brunnentrog aus Granitstein. Arbeiter legen letzte Hand an den Wänden und Böden der zahlreichen Gebäude auf dem ehemaligen Pfarrhof im niederbayerischen Geisenhausen Holzhausen an. Am ersten Maiwochenende soll hier nach zehn Jahren Bauzeit die Zentrale des bayerischen Trachtenwesens eröffnet werden. „Dieser Ort ist wie ein Knotenpunkt, der uns Trachtler aus Bayern, Deutschland, Österreich und Nordamerika zusammenhält“, sagt am Mittwoch der Vorsitzende des bayerischen Trachtenverbandes, Max Bertl, bei einem Rundgang im neuen Trachtenkulturzentrum.

Vor allem der Jugend sollen Tracht, Brauchtum, Musik, Traditionen und Freundschaft vermittelt werden. In Bayern sind 165 000 Trachtler organisiert sowie mehr als 100 000 Jugendliche.

Die Umgestaltung des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes im Ortsteil Holzhausen war jahrelang umstritten bei den Trachtlern. Drei Gauverbände aus dem Allgäu, Garmisch und Mittelfranken waren sogar im Streit um den Umfang des Zentrums aus dem Trachtenverband ausgetreten. Die Kritiker hatte die Kosten als unzumutbar bezeichnet. „Es ist halt schwierig, die Land- und Gebirgsbevölkerung zusammenzubringen“, sagt der langjährige Vorsitzende des bayerischen Trachtenverbandes, Otto Dufter, am Mittwoch.

Sechs Millionen Euro hat der Umbau zum Trachtenkulturzentrum gekostet. Hauptsächlich aus Fördermitteln der Staatsregierung, der Bezirke Oberbayern und Niederbayern sowie einigen Stiftungen. Das Gelände haben die Trachtler vom Erzbistum München-Freising auf Erbpachtbasis erhalten. Nicht zu vergessen sind aber auch die Eigenleistungen der Trachtler.

Neben einer Umlage von fünf Euro hatten die 165 000 Mitglieder des Trachtenverbandes ein erhebliches Eigenkapital zusammengebracht. Zudem hatten sie in mehr als 30 000 Arbeitsstunden Dachstühle errichtet, Dächer eingedeckt, Mauern hochgezogen, Putz- und Malerarbeiten erledigt. „Dann sind sogar in diesem Januar noch 70 Männer und Frauen zur Endreinigung gekommen“, sagt Bayerns oberster Trachtler Bertl voller Stolz.

Neben der Geschäftsstelle des Verbandes und dem „Augustiner-Stadl“ mit 200 Sitzplätzen hat die Trachtenjugend Bayerns hier ein neues Zuhause gefunden. Sie betreiben in Eigenregie einen Zeltplatz mit Versorgungshaus. Zudem bietet das Jugendbildungshaus 51 Übernachtungsplätze und mehrere Seminarräume. „Die Seminare laufen gut an und wir hoffen, dass die Jugend ihren Bereich bereits in ein bis zwei Jahren kostendeckend betreiben kann“, erläutert Bertl.

Prunkstück ist aber das Museum mit eigenem Depot, in dem rund 70 000 Exponate in klimatisierten Räumen und säurefreien Kartons aufbewahrt werden. „Das älteste Objekt ist eine Fahne des Gauverbandes Nordamerika aus dem Jahr 1875. Damals gab es noch nicht einmal den Trachtenverband Bayern“, sagt Museumsleiter und Archivar Wolfgang Gensberger.

Er plant bereits eine Ausstellung zur Entwicklung der Tracht vom frühen 18. Jahrhundert bis heute. Da werden auch aktuelle Plastikdirndl vom Münchner Oktoberfest zu sehen sein. „Wir sollten moderne Einflüsse nicht scheuen. Die Tracht lebt und verändert sich. Modeerscheinungen gehören auch dazu. Wenn man nicht mit der Zeit geht, wird man rückläufig“, erklärt Gensberger.

Bodenständigkeit, Tradition und Verbundenheit mit der bayerischen Sprache stehen aber trotz allem an ersten Stelle im Trachtenkulturzentrum. Dies wird vor allem der nichtbayerische Besucher etwa beim Gang auf die Toilette spüren. Auf den Hinweisschildern steht „Buam“ und „Deandl“, statt Männer und Frauen.

dpa

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