Asylbewerber ist verschwunden

Amt verschweigt TBC-Erkrankung eines Flüchtlings

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In der Turnhalle des Tegernseer Gymnasiums hat der kranke Flüchtling gelebt, bevor er verschwunden ist.

Tegernsee - Ein Asylbewerber in der Tegernseer Dreifachturnhalle hat Tuberkulose – und ist unbehandelt verschwunden. Öffentlich gemacht hätte das Landratsamt den Fall wohl nie.

Aufmerksame Mitglieder des Helferkreises hatten vor drei Wochen die Chance, von der Ansteckungsgefahr zu erfahren. Und zwar durch einen Zettel, der im Eingangsbereich der Turnhalle an der Wand hing. „Liebe Helfer“, war da zu lesen, „liebe Securitys, liebe Asylbewerber, ein Bewohner der Dreifachturnhalle ist an einer ansteckungsfähigen Lungentuberkulose erkrankt.“ Wer krank war, stand da nicht, auch nicht, wo sich der Betreffende jetzt befindet. 

Letzteres weiß auch die Behörde nicht, wie die Leiterin des Gesundheitsamts, Heike Hergenröder, mitteilt: „Der Mann ist abgängig.“ Dass der Asylbewerber krank ist, hat die Miesbacher Behörde aus München erfahren. In einer Erstaufnahmeeinrichtung wurde er getestet. Als das Ergebnis vorlag und man den Erkrankten näher untersuchen wollte, war er schon nicht mehr auffindbar. Die Helfer per E-Mail informiert hat erst die Stadt Tegernsee. Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) hatte durch Zufall von dem Tuberkulosefall erfahren. Er wunderte sich vor drei Wochen, warum die städtische Turnhalle noch nicht geräumt ist. Wegen des ungeklärten Tuberkulosefalls, bekam er als Antwort. 

Hagn ist sauer: „Ich erwarte für meine Mitarbeiter und unsere Helfer maximalen Schutz und maximale Informationsweitergabe. Das ist offensichtlich nicht der Fall.“ Die Öffentlichkeit zu informieren, hielt das Landratsamt nicht für richtig, obwohl der Aufenthaltsort des Asylbewerbers bis jetzt ungeklärt scheint. Aktuell gab es von Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) dazu keine Stellungnahme. Verantwortlich für die Suche nach dem Vermissten wäre die Regierung von Oberbayern. Doch die konnte unserer Anfrage bisher nicht nachkommen – nach den Ereignissen der vergangenen Tage ist die Behörde überlastet. 

Die Helfer jedenfalls sind verunsichert. Abgesehen von der E-Mail der Stadt und dem Aushang haben sie keine Informationen bekommen. „Wie hoch war die Ansteckungsgefahr?“, fragt ein Tegernseer Helfer, der nicht namentlich genannt werden möchte. „Wie geht es dem Asylbewerber jetzt?“ Erst nachdem er mehrmals nachgehakt hat, habe er den Namen des Betreffenden erfahren. Lange habe das Landratsamt den unter Verschluss gehalten. „Das ist doch unmöglich, auf eine Ansteckungsgefahr hinzuweisen und dann nicht zu verraten, wer erkrankt ist.“ 

Da man den Asylbewerber nie untersuchen konnte, weiß auch das Gesundheitsamt nicht genau, wie groß die Ansteckungsgefahr wirklich ist. Gesundheitsamts-Chefin Hergenröder geht aber von einer niedrigen Ansteckungsgefahr aus, da in der Münchner Probe auch nur eine geringe Anzahl von Bakterien war und die Turnhalle mit ihrer hohen Decke eine Ansteckung über die Atemwege alles andere als begünstige. Sollte sich dennoch jemand angesteckt haben, könne man das frühestens nach zwei Monaten testen, vorher sind die Bakterien nicht nachweisbar. „Und das werden wir dann auch tun.“ Dass eventuell Angesteckte die Krankheit weiter übertragen, sei während dieser acht Wochen nicht zu befürchten.

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