Unfall an Bahnübergang

Schranke defekt: BOB rammt Auto

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Hier wäre es beinahe zu einer Katastrophe gekommen.

Gmund - Die Schranken waren offen, das Blinklicht dunkel – und der Zug rauschte heran. Weil der Lokführer blitzschnell reagierte, entging ein Ehepaar aus Ensdorf (Oberpfalz) am Bahnübergang beim Finsterwalder Sportplatz haarscharf einer Katastrophe.

Der Zug schramte lediglich am Heck des Autos vorbei. Verletzt wurde niemand.

Der Bahnübergang nahe der Realschul-Baustelle in Finsterwald ist viel befahren und mit Schranken und Blinklicht gut gesichert. Eigentlich. Warum die Anlage am Freitag gegen 19 Uhr ausfiel, ist noch nicht geklärt. Verlässlicher war das Auge des Lokführers: Als sich der Zug der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) dem Übergang näherte, entdeckte der Mann, dass die Schranken sich nicht geschlossen hatten. „Er hat sehr schnell reagiert und eine Bremsung eingeleitet“, erklärt Heino Seeger, Geschäftsführer der Tegernsee-Bahn. Zum Stehen bringen ließ sich der Zug vor dem Übergang nicht mehr. Aber er war sehr langsam und streifte den Ford des Ehepaars aus Ensdorf nur noch am Heck. Die Fahrerin (61) und ihr Ehemann blieben unverletzt, ebenso die 60 Fahrgäste im Zug. Der Ford hat eine Beule, der Zug eine Schramme. Die Höhe des Sachschaden beläuft sich auf insgesamt 6000 Euro. Neben der Polizei Bad Wiessee eilten der Notfallmanager der Tegernsee-Bahn und die Notfallbereitschaft der BOB zur Unfallstelle. Dort ließ sich klar feststellen: Die Elektronik der Anlage war ausgefallen. Die Ursache ist bisher unbekannt.

„Wir haben schon die Herstellerfirma angeschrieben“, sagt Seeger. Wieder in Gang gesetzt werden konnte die Anlage unmittelbar nach dem Unfall. „Das ist wie bei einem Computer, der abgestürzt ist. Einmal Neustart, und dann geht es wieder“, berichtet Seeger. Tatsächlich komme der Ausfall eine Warnanlage am Bahnübergang gar nicht so selten vor. „Das kann viele Gründe haben.“ Ein Blitzschlag etwa setze die Elektronik nicht selten schachmatt.

Eben darum gelte, was in jeder Fahrschule gelehrt werde: Wo ein Andreaskreuz ist, muss der Autofahrer Obacht geben. Langsam fahren, die Strecke beobachten – auch wenn Schranken installiert sind. Leider fehle vielen Verkehrsteilnehmern der Respekt vor den Schienenfahrzeugen, stellt Seeger fest. „Da schlängeln sich manchmal Autofahrer zwischen geschlossenen Halbschranken durch.“

Gefährliche Situation gibt's oft, meist geht es glimpfllich ab. Aber nicht immer. In den vergangenen Jahren haben im Landkreis etliche Unfälle an Bahnübergangen mit Toten und Schwerverletzten viel Leid verursacht. „Wir müssen uns überlegen, wie man die Gefahr verringern kann“, sagt Seeger. Auf Wunsch des Landkreises arbeitet der frührere BOB-Chef an einem Sicherungskonzept. Dessen Grundprinzip: Wo es mehrere kleine Bahnübergänge gibt, sollten untergeordnete schließen – und andere mit entsprechender Technik sicherer gemacht werden. „Jeder Bahnübergang ist eine Gefahr“, macht Seeger deutlich. Gespräche in dieser Richtung seien allerdings oft nicht einfach. Aber das Ziel lohne.

Es bleibt die Gefahr, dass Warnanlagen ausfallen. Und der Appell Seegers an alle Verkehrsteilnehmer, jeden Übergang als Gefahrenstelle zu begreifen: „In den nächsten Tagen soll es wieder Gewitter geben.“

Christina Jachert-Maier

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