Der wilde Kampf um Wasserburg

tz-Reporter berichtet live vom Dreißigjährigen Krieg

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Unser tz-Redakteur Markus Christandl (49) als brandschatzender und richtig böser Schwede

Wasserburg - Seit Freitag stellen rund 200 Teilnehmer des Wallenstein-Festivals den großen Wintermarsch des Dreißigjährigen Kriegs nach. Und mittendrin ist unser tz-Redakteur Markus Christandl!

Erst wurde die Kanone von 100 Männern in Position gezogen, dann übernahm ein Pferdegespann die Arbeit

Es ist Freitagmorgen, kurz nach sechs Uhr: Mit leisen Ächzen und Stöhnen zieht ein riesiger Menschentross von Albaching Richtung Wasserburg. Es sind Soldaten mit ihren Frauen und Kindern. Vorneweg rollt die riesigste Kanone (5,5 Tonnen!) Bayerns, gezogen von kräftigen Pferden. Die Soldaten haben nur ein Ziel: Zu kämpfen, um endlich die Schweden zu vertreiben, endlich diesen jahrzehntelangen Krieg zu beenden …

Ja, genau so muss es ausgesehen haben, als vor 400 Jahren Truppen durch Bayern zogen, um im Dreißigjährigen Krieg ihr Heimatland zu verteidigen. Seit Freitag stellen rund 200 Teilnehmer des Wallenstein-Festivals den großen Wintermarsch nach: Ohne moderne Hilfsmittel, in der Kleidung der damaligen Zeit müssen sie gut 26 Kilometer zurücklegen. Drei Tage wird die beschwerliche Reise dauern. Und mittendrin ist unser tz-Redakteur Markus Christandl!

„Ich bin bei dem Schauspiel einer der Bösen“, sagt der Wasserburger schmunzelnd. „Ein Schwede! Wir werden den Zug der Katholiken immer wieder angreifen.“ Zweimal hatten sie dies am Vormittag schon probiert, waren aber immer wieder von den Gegnern mit ihren Piken in die Flucht geschlagen worden. Alles wird so authentisch wie nur möglich dargestellt. Sogar die Musketen sind mit Schwarzpulver gefüllt.

Übernachtet wird in Heustadeln und Zelten. „Und natürlich sind Dinge wie Handys, Brillen oder auch Anoraks streng verboten“, erklärt unser tz-Soldat, dessen Bruder Sepp das große Schauspiel mitorganisiert hat. Gekocht wird natürlich am Lagerfeuer. Was gibt’s zu essen? „Gulasch und Brot.“

Übrigens: Wer sich nicht an die Verbotsregeln hält, bekommt einen Schnitzer in sein Kerbholz. Die schlimmste Strafe (ab zehn Kerben) ist gar ein Ausschluss vom Zug. „Wer acht Kerben hat, wird nur gefoltert“, erklärt Markus Christandl augenzwinkernd. Gnadenlos wie die Schweden eben. Zur Erinnerung: Die verwüsteten damals ganze Landstriche in Bayern, zogen mordend und brandschatzend durch Städte und Dörfer. Wer ihnen vor die Klinge kam, wurde meist sofort getötet.

Nur Oberbefehlshaber Albrecht Wallenstein und seine kaiserlichen Truppen (teils stammten seine Soldaten auch aus Bayern) stellten sich den Wilden aus dem hohen Norden tapfer in den Weg.

„Dieser historische Zug ist auf jeden Fall ein dreitägiges Abenteuer der ganz besonderen Art“, sagt Spielleiter Christian Huber. Die Ankunft in Wasserburg soll am Sonntag sein – dann wird die „dicke Berta“ (so heißt die Monsterkanone nämlich) auf der Innleiten stehen. Sie soll dann Symbol sein – für das historische Spektakel mit „Teufel, Tod und Wallenstein“.

tz-Stichwort Dreißigjähriger Krieg

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um die politische Vorherrschaft in Deutschland und Europa und zugleich ein Religionskrieg. In ihm entluden sich unter anderem die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga (mit den kaiserlichen Truppen) und der Protestantischen Union innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Als Auslöser des Krieges gilt der Aufstand der böhmischen Stände und der Zweite Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618. Insgesamt folgten in den 30 Jahren vier Konflikte aufeinander, die von der Geschichtswissenschaft nach den jeweiligen Gegnern des Kaisers und der Habsburger Mächte als Böhmisch-Pfälzischer, Dänisch-Niedersächsischer, Schwedischer und Schwedisch-Französischer Krieg bezeichnet wurden.

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