Per Heli nach Krün

tz-Reporter schwebt in höheren G7-Gipfelsphären

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tz-Politikchef Klaus Rimpel wurde per Heli nach Krün eingeflogen.

München - Die Welt schaut wegen des G7-Gipfels auf Garmisch und Schloss Elmau - und der tz-Reporter ist mittendrin. Er berichtet von "Raumschiffen" und einem spannenden Shuttle-Flug im Helikopter.

Draußen Demonstrationen, aber auch das weitgehend normal verlaufende Leben der Garmischer. Drinnen: eine Parallelwelt mit 3000 Journalisten und rund 5000 „Sherpas“, also Experten, die den „Großen Sieben“ zuarbeiten. Es ist, als seien zwei Raumschiffe vor dem Wettersteingebirge gelandet, die nichts mit der realen Welt drumherum zu tun haben.

Das „Mutterschiff“ ist Schloss Elmau, wo weit entrückt von den Bürgern, die sie gewählt haben, die sieben Staats- und Regierungschefs der mächtigsten Industriestaaten der Welt tagen. Und in Raumschiff zwei, dem Internationalen Pressezentrum im Eisstadion von Garmisch-Partenkirchen, bin ich mit meinen Journalisten-Kollegen aus Japan, den USA oder Frankreich stationiert. Ab und zu dürfen wir in einem Shuttle-Bus einen Abstecher ins zentrale Raumschiff machen, wo wir aus gebührender Entfernung beobachten dürfen, wie Angela Merkel Japans Premier Shinzo Abe die Hand schüttelt. „Bildtechnischer Hinweis: Abstand von Presseposition 35 bis fünf Meter“, heißt es dazu in Gipfeldeutsch im Presseprogramm.

Einmal wird der Shuttle-Bus sogar kurzfristig mit einem Shuttle-Hubschrauber ausgetauscht! Weil ein paar Demonstranten die B2 zwischen Garmisch und Elmau blockiert haben, werden wir, rund 25 deutsche Journalisten, schnell mal die rund zehn Kilometer nach Krün geflogen! Ohrstöpsel rein – und schon öffnet sich der Schlund des Transporthubschraubers. Wir starten auf der Wiese des Garmischer Schwimmbads – und bei offener Klappe bietet sich uns ein atemberaubender Blick auf Zugspitze und Wetterstein. Gelandet wird auf dem Krüner Sportplatz – und so spannend das alles ist, ein wenig übertrieben kommt es einem schon vor, schließlich geht es nur darum, in Krün Barack Obama und Kanzlerin Merkel beim Weißbiertrinken zuzuschauen (natürlich alkoholfrei).

Wirklich nah kommt man den Mächtigen nicht einmal beim klassischen „Bad in der Menge“-Termin. Die Informationen über das, was hinter den Schloss-Türen gesprochen wird, sind oberflächlich.

Aber das ist es ja, was Merkel, Obama und Co. hier suchen: Abgeschiedenheit, die Möglichkeit zum Gespräch jenseits der permanenten öffentlichen Kontrolle. Dass die Kanzlerin, die Präsidenten und die Premiers der Industriestaaten dies auch ohne die Touristik-Kulisse haben könnten, dass dies auch ohne das beispiellose Polizeiaufgebot von rund 20.000 Polizisten hätte stattfinden können, etwa im Berliner Kanzleramt – das ist ein Thema, das viele Garmischer umtreibt, aber auch die Kollegen. Besprochen werden soll ja hier – zumindest laut dem, was uns die Sherpas zutragen – eigentlich alles von Antibiotika-Resistenzen bis hin zur Vermüllung der Meere. Damit wir Journalisten aber nicht zu viel nachdenken, werden wir verwöhnt: Am Gipfel-Vorabend gab es gebratenen Ochsen und Freibier, dazu spielte Django 3000 – und aufs Champions-League-Finale konnten wir uns mit Kickern einstimmen. Aber auch der satte Bauch fragt sich: Braucht’s das alles?

G7-Gipfel 2015: News-Ticker und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Blog zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

KR

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