Exklusive tz-Serie

Privatermittler erzählt: So lief der Millionen-Trick von Panama

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"Auf den ersten Blick scheint es fast unmöglich, in einer Stadt mit ungefähr 1,5 Millionen Einwohnern einen einzelnen Mann zu finden."

München - Josef Resch stammt vom Tegernsee. Er gilt als erfahrenster Privatermittler Deutschlands. Nun packt er in seinem Buch aus. Teil drei der exklusiven tz-Serie.

Der bayerische Privatermittler Josef Resch (67) ist ­bekannt für seine ­unkonventionellen Methoden. ­Vertrauen aufbauen und Misstrauen säen: Beides gehört zu seinem ­Geschäft. ­Aufgewachsen ist er auf der Schwaigeralm beim Tegernsee – aber im Lauf der Jahrzehnte hat er Kontakte in die ganze Welt aufgebaut. Nach 35 Jahren ­der Verschwiegenheit packt der erfahrenste Privatermittler Deutschlands jetzt in ­seinem Buch ­Gefahr ist mein Beruf aus. Im letzten Teil der exklusiven tz-Serie drucken wir Auszüge von Josef Reschs Panama-Trip. Bei einem Boots-Ausflug will Resch einen Betrüger überreden, acht Millionen Euro zu überweisen.

Privatermittler Josef Resch.

Weil er die Nase gestrichen voll hat von Koksdealern, arbeitet sich Josef Resch in ein neues Geschäftsfeld ein. Er bezeichnet sich als Kapitaldienstleister, was bedeutet, dass er verschwundenes Geld für die Besitzer zurückholt. Meist handelt es sich um Schwarzgeld. Einer seiner ersten Betrüger hat Investoren um mehrere Millionen geprellt. In den USA gibt‘s einen Haftbefehl. Bald kommt heraus, dass sich der Gesuchte in Panama-Stadt zur Ruhe gesetzt hat, verheiratet ist und ein Kind dort adoptiert hat. Im Buchkapitel Neubeginn liest sich das so:

Auf den ersten Blick scheint es fast unmöglich, in einer Stadt mit ungefähr 1,5 Millionen Einwohnern einen einzelnen Mann zu finden. Doch die Millionäre (...) halten sich selten in den schlechten Ecken der Stadt auf. Die Umgebung des Yachthafens war da vielversprechender. Und da es im Februar bei Temperaturen von knapp über 30 Grad so gut wie nie regnete, musste sich auch niemand in geschlossenen Räumen verkriechen.

Wir hatten ein aktuelles Foto, teilten uns auf, besuchten die Restaurants, setzten uns in Straßencafés, beobachteten Passanten und Flaneure, aber ein bisschen Glück gehört immer dazu. Wir hatten den Mann innerhalb von drei Tagen gefunden. Er saß in einem Café direkt am Yachthafen. (...) Als ich im schicksten Urlauber-Outfit am Nebentisch Platz nahm, konnte ich erkennen, dass er eine deutsche Zeitung vor sich liegen hatte. Gab es vorher noch Zweifel an seiner Identität, war ich mir jetzt sicher, den Richtigen an der Angel zu haben. Jetzt musste ich nur noch dafür sorgen, dass sich wie zufällig ein Gespräch ergab. Die anderen behielten uns in sicherer Entfernung im Auge.

So schnappte Resch einen säumigen Schuldner

Ich winkte die Kellnerin zu mir und fragte: „Sie, wo ham’S denn bittschön das Häusl?“ Erwartungsgemäß hatte sie nicht die geringste Chance, zu verstehen, was ich damit meinte. „Häusl“, wiederholte ich übertrieben deutlich mit der Bräsigkeit eines Oberbayern, der wie selbstverständlich davon ausging, dass auch eine panamaische Kellnerin sofort versteht, wo’s bei mir drückte. „Baño“, sagte mein Nachbar. „Es heißt baño.“ Meine Weltfremdheit schien ihn zu amüsieren, was mich wiederum freute, denn wenn er mich für komplett bekloppt hielt, witterte er auch keine Falle. (...) „Sie reisen offenbar nicht oft im Spanisch sprechenden Teil der Welt“, sagte mein neuer Freund mit leicht überheblichem Unterton. „I wo, das erste Mal überhaupt, dass ich aus Deutschland rauskomme. Ich werde schnell nervös, wenn der nächste gute Schweinsbraten mehr als einen Kilometer entfernt ist.“ Dazu gab’s eine Kostprobe meines schenkelklopfenden Lachens.

Spätestens jetzt hatte ich ihn von meiner Beschränktheit überzeugt. „Und dann gleich Panama? Hätten Sie nicht erst mal klein anfangen können? Mallorca zum Beispiel? Da bekommen Sie zur Not sogar einen Schweinebraten.“ „Der war jetzt aber richtig gut“, lachte ich laut auf. „Nein, ein Freund hat mich eingeladen. Und Sie?“, fragte ich. „Auch Urlaub?“ „Nein, eher geschäftlich. Bankgeschäfte. Sie verstehen?“ (...) Ich sagte dann: „Aber jetzt müssen sie mich entschuldigen. Baño ruft.“

Mossi und die beiden Jungs verfolgten ihn in sicherer Entfernung, als er sich bei mir verabschiedet und auf den Weg gemacht hatte. Unser Mann schien sich in Sicherheit zu wähnen, jedenfalls drehte er sich nicht um und schlug auch keine Haken. Am Abend wussten wir, wo er wohnte. Am dritten Abend war uns klar, dass er offenbar ein Mann mit geregeltem Tagesablauf war. Das Café am Yachthafen besuchte er täglich fast zur gleichen Zeit. Auch beim Restaurant schien er wenig Abwechslung zu brauchen. (...) In der Zwischenzeit hatten Mossi und unser Kapitän eine hochseetaugliche Yacht gechartert. Unsere Falle. „Die Steaks sind wirklich absolute Spitzenklasse“, sagte ich am Abend, nachdem wir uns wie zufällig in seinem Stammrestaurant getroffen hatten und er mich spontan an seinen Tisch gebeten hatte. (...) Ein paar Gläser Wein später erzählte ich ihm von der Yacht, die mein Freund für den übernächsten Tag gechartert hatte, dass wir damit raus auf den Pazifik wollten zum Angeln und ob er nicht Lust habe mitzukommen. Er war total begeistert und sagte sofort zu.

Showdown auf hoher See

An Bord, außerhalb des Hoheitsgebiets von Panama, war dann Schluss mit Schweinebraten und Baño. Der Kapitän stoppte die Maschine. „Der Fisch zappelt im Netz“, sagte ich ihm freundlich lächelnd, als wir gemütlich bei einem Drink auf dem Oberdeck saßen. Sein überraschter Blick signalisierte mir, dass er dachte: „Wovon redest du?“ Ich hatte den Eindruck, mein veränderter Tonfall machte ihn ein bisschen nervös. Mossi setzte sich zu uns und stellte das große Satelliten-Telefon auf den Tisch. (...) Nach längerem Schweigen unsererseits sagte der Mann schließlich: „Was soll das jetzt?“ Er war jetzt sichtlich nervös.

Resch droht dem Betrüger, mit ihm nach Kalifornien zu fahren, wo ein Haftbefehl gegen ihn vorliegt.

„Soll das hier eine Entführung werden? Wollt ihr Geld? (...) Wie viel wollt ihr? 10.000?“ Aus unserem Schweigen muss er geschlossen haben, dass wir noch verhältnismäßig weit auseinanderlagen. „50.000?“ Ich zog die linke Braue hoch. Es war an der Zeit, die Sache aufzuklären: „Die gute Nachricht ist, dass wir keine kriminellen Kidnapper sind. (...) Die schlechte Nachricht ist, dass wir sehr gut über deine Vermögensverhältnisse informiert sind und dieser Ausflug dich exakt acht Millionen Euro kosten wird.“ (...) „Hört mal, Jungs. Wer auch immer euch gesteckt hat, dass ich so gestopft bin, hat einen Knall.“
Nachdem ich ihm den Namen unseres Auftraggebers genannt hatte, wurde er blass und sagte mit schweißnasser Stirn: „Das Schwein!“ „Genau so hat er dich auch genannt: ›Das Schwein hat mich um acht Millionen Euro betrogen. Deswegen hat er mich und meine Freunde gebeten, das Geld für ihn zurückzuholen.“ Mossi schob ihm das Satellitentelefon rüber.

„Wie gesagt, wir sind keine bösen Buben. Du musst keine Angst um dein Leben haben, aber wenn du weiter deine Nachmittage im Yachthafen genießen willst, nimmst du jetzt dieses Telefon und sorgst dafür, dass die acht Millionen auf das Konto ihres rechtmäßigen Besitzers transferiert werden.“ „Ich denke gar nicht dran“, blaffte er mich an. (...)

Ich bat den Kapitän zu uns an den Tisch. „Sag mal, reicht der Sprit eigentlich für einen Abstecher nach Kalifornien?“ (...) Jetzt hatte auch unser Gast begriffen, woher der Wind wehte. Ihm blieb nichts anderes übrig, als zum Telefon zu greifen und sich so dem Zugriff der US-Behörden zu entziehen. Zwei Tage mussten wir auf See bleiben, dann kam die Bestätigung meines Auftraggebers, dass das Geld angekommen sei.

Wir schipperten zurück und entließen unseren Gast mit den besten Wünschen für die Zukunft.

Jasmin Menrad

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