Dramatische Geschichten zweier Passagiere

Verzweifelte Frau erreichte ihn nicht: Er lag 10 Stunden im Koma

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Bernhard G. lag im Koma und überlebte das Zugunglück schwer verletzt

München - Sie hatten Glück im Unglück - und überlebten die Zugkatastrophe von Bad Aibling: Bernhard G. und Jürgen F. Die tz erzählt die dramatischen Geschichten der beiden Insassen, die schwer verletzt in Kliniken liegen.

In unserem Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen nach dem Zugunglück von Bad Aibling auf dem Laufenden.

Wieder und wieder hat Daniela G. auf dem Handy ihres Mannes Bernhard angerufen. Zehn schreckliche Stunden lang hat er nicht abgenommen. „Wir wissen immer, wo der andere ist. Jede Mittagspause hat er mich angerufen und wir haben geredet“, sagt Daniela G. (33). Am Faschingsdienstag hat Bernhard (36) seine Frau am Mittag nicht angerufen. Er lag schwer verletzt im Koma und ahnte nicht, dass seine Daniela vom Schlimmsten ausging.

„Ich bin in den Zug eingestiegen und im Krankenhaus aufgewacht“, sagt Bernhard G. Aufgewacht mit einer großen Wunde am Kopf, einem zertrümmerten Fuß und einem Körper voller Schürfwunden. Am Dienstag war der Lagerist wie jeden Werktag um 6.15 Uhr in Flintsbach am Inn in den Meridian gestiegen – er arbeitet eine Station hinter Bad Aibling in Heufeld. Doch Heufeld wird Bernhard G. an diesem Morgen nicht erreichen. Um 6.48 Uhr krachen zwei Züge in vollem Tempo ineinander. Bernhard G. wird durch den Meridian geschleudert, schon an den Aufprall kann er sich nicht mehr erinnern. Die Kopfverletzung ist so schwer, dass er das Bewusstsein verliert – für endlose zehn Stunden. Der Familienvater kommt mit dem Rettungshubschrauber ins Klinikum Bogenhausen auf die Intensivstation. Die Rettungskräfte können ihn nicht identifizieren.

Um 8.05 Uhr hört Bernhard G.’s Mutter im Radio von dem schweren Zugunglück. Als sie ihren Sohn auf dem Handy nicht erreicht, ruft sie bei seiner Frau und den Kindern an.

„Ich hab’s erst gar nicht verstanden, was sie von mir will. Und ich hab es bis zum Abend auch nicht realisieren können“, sagt Daniela G., die mit den neun und zwölf Jahre alten Töchtern an diesem schrecklichen Faschingsdienstag daheim war. Auch sie erreicht ihren Bernhard nicht und ruft daraufhin bei der Polizei an. Sie will wissen, was mit ihrem Mann passiert ist. Sie wird an die Kripo verwiesen. Die Beamten bitten um Geduld. Sie ruft beim Bürgertelefon an, kontaktiert alle Krankenhäuser: Kufstein, Murnau, Miesbach, Bad Aibling. Sie ruft wieder die Polizei an – und wieder die Kripo. Sie gibt die immergleiche Beschreibung von ihrem Bernhard durch: schwarze Jeans, Turnschuhe, grauer Kapuzenpulli, dunkelbraune Jacke, je einen Ring am rechten und linken Ringfinger, 1,80 Meter groß und Stiftelkopf-Frisur. Doch niemand weiß, wo ihr Bernhard ist und wie es ihm geht.

„Die Schwiegermutter und ich haben nur auf das Klingeln an der Haustür gewartet. Wie im Film: Wenn die Polizei die Todesnachricht überbringt.“ Daniela G. funktioniert nur noch. „Ich hole jetzt die Kinder bei Freunden ab. Auf dem Weg dorthin überlege ich mir eine Geschichte, warum der Papa heute nicht zu Hause ist“, sagt sie der tz um 17.25 Uhr. Um 17.30 Uhr ruft die Polizei bei Daniela G. an: Ihr Mann sei gerade in Bogenhausen aus dem Koma erwacht. Er sei schwer verletzt, aber er habe sich an seinen Namen erinnert. An seinen Namen und den seiner Frau Daniela.

+++ Alle News rund ums Zugunglück finden Sie im Live-Ticker +++

Er erlitt Knochenbrüche

Jürgen F. war schon einmal dem Tod von der Schippe gesprungen. Er arbeitete Jahrzehnte lang als Sanitäter auf der Rettungswache in Sauerlach. „Er hat unzähligen Menschen bei dieser Arbeit geholfen und auch selbst anderen das Leben gerettet“, so ein Freund.

Nach einem Herzinfarkt hängte Jürgen F. den Job an den Nagel und schulte auf Lokführer beim Meridian um. Dennoch betätigte er sich in der Freizeit weiterhin als Sanitäter und ist zuletzt bei der Sauerlacher Feuerwehr gewesen. Jürgen F. erlitt, so berichten Freunde, äußerst schwere Knochenbrüche. Er liege im Rosenheimer Klinikum im künstlichen Koma.

In einer Whatsapp-Gruppe drücken ihm 256 Kollegen und Bekannte die Daumen. „Wir alle haben für ihn gebetet und die Daumen gedrückt. Und wir hoffen weiterhin auf gute Besserung für ihn“, so ein Freund. „Er hat zwei kleine Kinder und ist noch nicht einmal 50 Jahre alt. Und wir hoffen weiterhin auf gute Besserung für ihn. Jürgen F. saß beim Unglück allerdings nicht im Führerstand, sondern fuhr als Fahrgast mit.

Jasmin Menrad

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