Überlebens-Drama in Haiti: Aiblinger bangt vier Tage um seine Frau

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Nadine Riedl aus Bad Aibling ist aus den Trümmern befreit worden

Port-au-Prince - Reinhard Riedl aus Bad Aibling im Kreis Rosenheim spricht von kleinem Wunder: Seine Frau Nadine (62) ist nahezu unverletzt nach über hundert Stunden aus den Trümmern gerettet worden.

Draußen, vor dem zerstörten Hotel Montana in Port-au-Prince, sitzt ein Mann auf einem Gartenstuhl, der merkwürdig unbeschädigt aussieht zwischen all den Trümmern. Der Mann stammt aus Bad Aibling (Kreis Rosenheim), heißt Reinhard Riedl und war früher in seiner Heimatstadt Zahnarzt, wie schon sein inzwischen verstorbener Vater Stefan.

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Die letzten Jahre aber arbeitete Reinhard Riedl zusammen mit seiner Ehefrau Nadine (62) als Mitbesitzer des Hotels Montana, das beim Erdbeben vor einer Woche nahezu in sich zusammengefallen ist, in dessen Schutt noch hunderte Opfer vermutet werden. Er selbst hatte Glück, doch Nadine war verschollen – über hundert Stunden lang. Am Samstag wurde sie lebend aus dem Hotel geborgen – „es ist ein kleines Wunder“, denkt Reinhard, doch den Umständen geschuldet ist es eher ein großes … Zunächst das Beben, diese apokalyptische Gewalt. Reinhard Riedl befand sich – während sich die Erde verschob – nicht in der Nähe des Hotels. Er hörte aber, dass das Montana in sich zusammenbrach – und befürchtete das Schlimmste: dass seine Nadine, mit der er laut Internetportal rosenheim24.de vor fünf Jahren nach Haiti ausgereist war, eingeschlossen sein könnte.

Ihm blieb tagelang nichts anderes übrig, als vor den Trümmern zu warten. Als er mitbekam, wie ein unter den Betonteilen eingeklemmter Mann davon sprach. dass Nadine am Leben war, bekam Riedls Hoffnung Nahrung. Doch er wurde bitter enttäuscht – der Mann, der später gerettet werden konnte, hatte von jemandem anderen gesprochen.

„Ich habe Nadine ein zweites mal verloren“, erzählte er einem Reporter der Nachrichtenagentur AP. Nicht wissend, dass sich auch für ihn und seine Ehefrau – Mutter von zwei Kindern – noch eine glückliche Fügung ergeben sollte: Am Samstagnachmittag Ortszeit gruben sich Mitarbeiter des ecuadorianischen Roten Kreuzes durch den Schutt, sie befreiten drei Eingeschlossene.

Erdbeben in Haiti: Tausende Tote befürchtet

Das Beben hat großes Leid über Haiti gebracht © ap
Unter den Trümmern werden immer noch zahlreiche Verletzte und Opfer geborgen. © dpa
Ein Erdbebenopfer schreit vor Schmerzen. Der Mann soll von einem Truck in ein Flugzeug verlegt werden, um in ein Krankenhaus ausgeflogen zu werden. © ap
Der Tag nach dem Beben: Ein verletztes Mädchen liegt in Decken gehüllt auf der Straße. © ap
Ein Vater umklammert nach dem Erdbeben seinen Sohn. © ap
Ein schweres Erdbeben der Stärke 7,0 hat den Karibikstaat Haiti erschüttert. © ap
Zwei Kinder sitzen auf einem Bordstein. Staub und Schmutz kleben an ihrer Haut. © ap
Junge Frauen weinen, als ein kleines Mädchen aus den Trümmern gezogen wird. © ap
Ein Kind sitzt nackt auf der Straße. Die Passanten gehen vorbei. © ap
Ein junger Überlebender des Erdbebens erhält Erste Hilfe vom Roten Kreuz. © dpa
Ein verletztes Kind sitzt am Straßenrand in Port-au-Prince. © ap
Der siebenjährige Karim sitzt verletzt auf dem Schoß seiner Tante. Er wartet auf medizinische Behandlung. © ap
Weltweit beten Menschen für die Opfer des Erdbebens in Haiti. © ap
Etliche Häuser sind zerstört. Vor den Ruinen suchen Haitianer in den Trümmern nach ihren Angehörigen. © dpa
Es werden hunderte Todesopfer befürchtet. © ap
Bei dem schweren Beben wurden zahlreiche Häuser zerstört. © ap
Selbst das Krankenhaus in Haiti ist zerstört. © dpa
Das Erdbeben trifft besonders die Armen. © dpa
Der Karibik-Staat gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. © dpa
Das schwere Erdbeben der Stärke 7,0 hat den Karibikstaat schwer erschüttert. © dpa
Das Beben dauerte länger als eine Minute. Was blieb, war menschliches Elend. © dpa

Dabei glaubte Reinhards Sohn, auch die Stimme seiner Mutter zu hören. Auch die Rot-Kreuzler hörten etwas. Sie gruben weiter und stießen auf Nadine. „Vive, vive“, schrien sie auf Spanisch. „Sie lebt, sie lebt!“ Nadine Cardoso-Riedl war tatsächlich nahezu unverletzt. Ihr Ehemann hatte es irgendwie geahnt, dass dieses Drama im Chaos von Haiti gut ausgehen könnte: „Sie ist einfach zäh, sie ist unzerstörbar.“

tz

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