Urteil fällt nächste Woche

Ulvi-Anwalt bezichtigt Peggys Mutter

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„Mama, ich hab’ dich lieb.“ Das war der letzte Satz, den Susanne Knobloch (r.) von ihrer Tochter Peggy hörte.

München/Bayreuth - Der Richter will im Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K. die Beweisaufnahme schließen, als dessen Anwalt plötzlich auf der Vernehmung der Mutter der verschwundenen und vermutlich ermordeten Peggy besteht.

Am 7. Mai 2001 machte sich die kleine Peggy (damals 9) auf den Weg zur Schule. Doch bevor sie ihr Haus am Lichtenberger Marktplatz gegen 7.30 Uhr verließ, kehrte sie nochmal um, umarmte ihre Mutter Susanne Knobloch (41) und sagte: „Mama, ich hab’ dich lieb.“

Es ist das letzte Bild, das die Altenpflegerin von ihrem „Trutscherle“ im Gedächtnis hat. Exakt 13 Jahre später musste sie sich am Mittwoch im Landgericht Bayreuth Verdächtigungen anhören, sie habe ihre eigene Tochter entführt!

Tag 6 im Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K. (36) wegen Mordverdachts an Peggy Knobloch: Richter Michael Eckstein (62) wollte die Beweisaufnahme bereits schließen – weil es „bis zum heutigen Tag keinen einzigen Sachbeweis“ gegen Ulvi K. gebe. Doch dessen Anwalt Michael Euler (35) bestand auf die Vernehmung von Susanne Knobloch: „Für mich gehört sie zu den Tatverdächtigen.“

Grund: Eine SMS ihres früheren Lebensgefährten Erhan Ü. (38) vom 1. Januar 2002. „Überlege es dir gut, solange es geht. Mit 50.000 DM kann man viel machen“, schrieb er. „Man kann die SMS so auslegen, dass hier eine Mittäterschaft besteht und sich gegenseitig unter Druck setzt“, so Euler.

„Nennen wir es Kopfgeld“, konterte Susanne Knobloch, die in den vergangenen Monaten bereits einige Verleumdungen ertragen musste. Sie habe sich nach Peggys Verschwinden von ihm getrennt, das habe er nicht verkraftet. „Er wollte mich aus dem Weg räumen, hatte sich angeblich schon eine Waffe besorgt.“

Ulvi K. wird wohl freigesprochen.

Doch auch Susanne Knoblochs Verhalten am 7. Mai empfand Euler als „merkwürdig“: Sie kam bereits am Morgen mit verheulten Augen zur Arbeit. Von Peggys Verschwinden wusste da noch niemand. Kopfschüttelnd antwortete Susanne Knobloch: „Ich kann nicht auf Arbeit gehen und den Schalter umlegen. Bei uns daheim hat die Luft gebrannt, weil Erhan und ich uns seit Tagen nur gestritten haben.“ Der Grund: Ein Vaterschaftstest hatte Tage zuvor belegt, dass er nicht der Vater von Peggys Schwester war. Nichts Verdächtiges konnte sich auch an einer Reise mit Erhan Ü. ein Jahr nach Peggys Verschwinden in die Türkei finden: „Das war ein kläglicher Versuch zwischen mir und dem Herrn Ü.“

Nach einer halben Stunde hatte Rechtsanwalt Euler sein Pulver verschossen. Das Gericht kündigte daraufhin an, den bis Anfang Juni geplanten Prozess abzukürzen: Bereits kommenden Mittwoch soll das Urteil verkündet werden. Nach dem Gutachten von Prof. Hans-Ludwig Kröber (62), der ein erfundenes Geständnis von Ulvi K. nicht mehr ausschließen konnte, rechnen nun alle mit einem Freispruch.

Richter Eckstein nannte außerdem Auffälligkeiten im von Ulvi K. geschilderten Tatablauf, die bei ihm Zweifel auslösten: „Es mutet eigenartig an, wenn man sich vorstellt, dass Peggy vor ihm geflohen sein soll, aber nicht den Schulranzen wegwarf.“ Zudem hätten Zeugen Peggy lange nach der vermuteten Tatzeit 13.15 Uhr gesehen. Und schließlich: „Aktuell gibt es drei weitere Tatverdächtige!“

Vor diesem Hintergrund wird wohl kein Gericht der Welt Ulvi K. verurteilen können – auch wenn auch er weiterhin zu den Verdächtigen gehört …

tz

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