Müll illegal entsorgt

Technosan-Skandal: Chef übernimmt Verantwortung

München - Er war ein Vorzeigeunternehmer mit Vorsitz im Umweltausschuss der Industrie- und Handelskammer. Heute steht der Name des Technosan-Chefs für einen der größten Umweltskandale der letzten Jahre in Bayern.

Denn seine Gesellschaft hat tausende Tonnen giftiges Material illegal entsorgt. Am Mittwoch hat der Hauptgesellschafter und Geschäftsführer des inzwischen liquidierten Umwelttechnik-Unternehmens Technosan vor dem Münchner Landgericht die Verantwortung für die illegale Entsorgung von schadstoffbelastetem Material in enormen Mengen übernommen.

Ihm und drei leitenden Mitarbeitern des Unternehmens mit Sitz in Krailling bei München legt die Staatsanwaltschaft unerlaubten Umgang mit Abfällen in 406 Fällen sowie Betrug mit einem Schaden von knapp 13 Millionen Euro vor.

Krebserregender Bauschutt falsch entsorgt 

Die Angeklagten haben demnach von 2007 bis 2012 Bauschutt und Gleisschotter mit krebserregenden Stoffen in nicht zugelassenen Deponien gelagert. Den Auftraggebern, darunter das Wasserwirtschaftsamt München und die Stadtwerke Augsburg, wurde eine ordnungsgemäße Aufarbeitung vorgespiegelt und berechnet.

"Ich sitze nicht zu Unrecht auf der Anklagebank"

Der 48 Jahre alte Hauptangeklagte hat zum Auftakt der Verhandlung eingeräumt, er habe „viel falsch gemacht“ und sitze „nicht zu Unrecht auf der Anklagebank“. Zwar sei im fraglichen Zeitraum der Betriebsleiter für das operative Geschäft verantwortlich gewesen, und ein Großteil der Manipulationen sei vor ihm verborgen geblieben, sagte der gelernte Industriekaufmann für Energiewirtschaft. Er wolle die Hauptschuld aber nicht auf seine Mitangeklagten abwälzen, bei denen er sich ebenso entschuldige wie bei allen anderen Betroffenen.

Der Firmenchef begann nach seinen Worten seine Unternehmertätigkeit mit viel Idealismus, sah seine Zukunft in einer ordnungsgemäßen Entsorgung von Schadstoffen und tüftelte an Lösungen. Das Ergebnis war die von ihm entwickelte Verwertungsanlage Eco-San. Sie funktionierte laut dem Angeklagten im Probelauf perfekt, im täglichen Betrieb sei es aber immer wieder zu „Auszeiten“ gekommen. Dies und eine finanzielle Schieflage des Unternehmens führten nach Meinung des 48-Jährigen zu den Manipulationen.

"Vor den Trümmern der Existenz"

Er stehe jetzt vor den Trümmern seiner bürgerlichen Existenz, sagte der Vater eines halbwüchsigen Sohnes aus der geschiedenen Ehe mit einer psychisch kranken Frau. „Es werden Forderungen auf mich zukommen, die ich nicht schultern kann.“ Der Kaufmann sitzt als einziger der Angeklagten in Untersuchungshaft. Gegen ihn und die drei anderen ist der Prozess vorläufig auf 26 Tage angesetzt, bis 7. August sind rund 90 Zeugen geladen.

dpa

Rubriklistenbild: © Symbolbild picture alliance/dpa/dpaweb

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