Familienausflug endet in Tragödie

12-Jährige stirbt an ihrem Geburtstag auf B17

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Die Unfallstelle.

Schongau - Bei einem schweren Unfall sind am Samstag auf der B 17 zwischen Schongau und Altenstadt eine Mutter (48) und ihre zwölfjährige Tochter ums Leben gekommen. Tragisch: Es passierte auf der Heimfahrt vom Geburtstagsausflug.

Ganz langsam geriet der Wagen auf die Gegenfahrbahn, immer ein Stückchen mehr. So haben es Zeugen nach dem Unfall geschildert. „Es kann sein, dass der Vater eingeschlafen ist. Aber das ist natürlich nur eine Vermutung“, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Schongau. War der Fahrer vielleicht zu erschöpft nach dem erlebnisreichen Tag? Die Familie aus dem Landkreis Augsburg hatte zum 12. Geburtstag der Tochter einen Kletterausflug gemacht und war auf dem Heimweg, als auf der B 17 zwischen der Anschlussstelle Schongau-West und Altenstadt plötzlich das Unglück hereinbrach.

Kurz nach 17 Uhr passierte der Unfall, bei bestem Wetter und gerader Strecke. Der 50-Jährige geriet mit seinem Wagen so weit auf die linke Fahrbahn, dass er mit der rechten Fahrzeugseite frontal in einen entgegenkommenden Milchlaster prallte. „Der hatte keine Chance zum Ausweichen“, so der Polizeisprecher. Obwohl die Familie einen stabilen Volvo fuhr, bohrte sich der mit 9000 Litern beladene Milch-Lkw in die Beifahrerseite hinein.

Als die Meldung „Pkw unter Lkw, mehrere Personen eingeklemmt“ bei der Schongauer Feuerwehr einging, ahnte Kommandant Werner Berchtold Schlimmes. „Das passt nicht zusammen, das geht meistens schlimm aus.“ Als auf der Anfahrt auch noch die Mitteilung kam, dass das Auto brennt, wurde umgehend noch die Peitinger Wehr als Verstärkung alarmiert. Vor Ort konnte der entstehende Brand schnell gelöscht werden, sagte Berchtold – wobei unklar war, was sich in dem völlig zerstörten Blechhaufen entzündet hatte. Ersthelfer hatten zuvor sogar versucht, den entstehenden Brand mit einem gefundenen Kübel und Milch zu löschen – die floss unablässig aus, nachdem durch die Wucht des Aufpralls zahlreiche Leitungen im Lkw geborsten waren und sich die Tanks verschoben hatten.

Der kurz zuvor eingetroffene Notarzt hatte den Feuerwehrlern schnell signalisiert, dass es für die 48-Jährige auf dem Beifahrersitz und ihre Tochter dahinter keine Chance mehr gab – beide waren offenbar sofort tot, obwohl alle Insassen angeschnallt waren. Den neunjährigen Buben auf der anderen Seite des Rücksitzes hatten Ersthelfer bereits aus dem Wrack geholt, er wurde unter anderem mit einem Milz-Riss und einem Schlüsselbeinbruch in ein Münchner Krankenhaus geflogen. Beim Vater dagegen zählte jede Sekunde: „Er war kompliziert eingeklemmt, aber wir haben gute Leute, die das hinbekommen haben“, sagte Berchtold. Mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma und einer Leber-Ruptur wurde der 50-Jährige in die Unfallklinik Murnau geflogen. Laut Informationen der Polizei soll er mittlerweile außer Lebensgefahr sein.

Danach stand die mental schwerste Aufgabe für die Feuerwehrler an: die Bergung der beiden Toten. Weil der Unfallgutachter normalerweise erst alles untersuchen will, dürfen die Feuerwehrler oft erst nach Stunden tätig werden, was sehr belastend ist. „Aber nach Absprache hatten wir die Erlaubnis zur Bergung, wenn wir das Auto nicht verrücken müssen“, sagte Berchtold. Es gelang – und danach versammelte der Feuerwehrkommandant seine Kollegen zu einem Gebet auf der B 17 mit Notfallseelsorger Dirk Wollenweber. „Selbst erfahrene Feuerwehrler waren mitgenommen, und wir hatten auch einige junge Leute dabei“, so Berchtold. Auch die vielen Ersthelfer wurden von der Psychosozialen Notfallversorgung betreut. „Denn diese Bilder gehen einem nicht einfach aus dem Kopf.“

Der 28-jährige Fahrer des Milch-Lkw aus dem Landkreis Landsberg und sein 14-jähriger Beifahrer blieben unverletzt, der Gesamtschaden beträgt 50 000 Euro. Beide Fahrzeuge wurden sichergestellt, beim 50-jährigen Fahrer wurde zudem noch eine Blutentnahme angeordnet. Die Feuerwehr Schongau war mit 45 Einsatzkräften vor Ort, die Peitinger mit 25. Während der fast achtstündigen Sperrung der B 17 wurde der Verkehr umgeleitet.

von Boris Forstner

Bilder: Horror-Unfall bei Altenstadt

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