Nur Oberbayern fällt aus der Reihe

Unfallstatistik 2014: So wenige Tote wie nie zuvor

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Tragödie in Eicherloh im Kreis Erding: Bei diesem Unfall sind am 1. September vergangenen Jahres zwei Menschen ums Leben gekommen, darunter ein Kind. Zwei Menschen wurden schwerverletzt.

München - 619 Menschen starben vergangenes Jahr bei Verkehrs-Unfällen – so wenige wie nie zuvor. Innenminister Herrmann ist zufrieden. Sogar auf den gefährlichen Landstraßen tut sich was. Nur Teile Oberbayerns fallen aus der Reihe.

München – Es ist die niedrigste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen 1954. Bei Unfällen auf Bayerns Straßen sind im vergangenen Jahr 619 Menschen ums Leben gekommen. Verglichen mit 2013, damals waren es 680 Tote, ist das ein Rückgang um neun Prozent. Vor allem die Autobahnen seien viel sicherer geworden, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gestern bei der Vorstellung der Unfallstatistik 2014. Hier starben insgesamt 72 Menschen – davon sieben Geisterfahrer – und damit gut 30 Prozent weniger als im Vorjahr.

Erstaunlich: Auch auf Landstraßen gingen die tödlichen Unfälle um 6,4 Prozent zurück. Allerdings ließen dort mit 393 Menschen noch immer zwei Drittel aller Verkehrstoten ihr Leben. Seit Jahren passieren auf Landstraßen die meisten tödlichen Unfälle. Insgesamt gingen die Unfallzahlen im vergangenen Jahr um etwa ein Prozent zurück: Es waren knapp 370 000.

Weniger Unfälle, weniger Tote – das gilt für Teile Oberbayerns allerdings nur eingeschränkt. Das Polizeipräsidium Nord, das für zehn Landkreise von Starnberg bis Neuburg-Schrobenhausen und Ingolstadt zuständig ist, verzeichnete zwar einen leichten Rückgang der Unfallzahlen. Allerdings starben hier 94 Menschen und damit 14 mehr als 2013. Zu den Gründen konnte die Polizei noch nichts sagen. Im Bereich Oberbayern Süd starben wie im Vorjahr 92 Menschen.

Auffällig ist die Zahl der Radfahrer, die im Verkehr ums Leben kamen. Waren es 2013 noch 62, so starben im Folgejahr 76 – allein 47 von ihnen waren Senioren. „Radfahren boomt gerade“, sagte Herrmann. Grundsätzlich begrüße er das. „Wir müssen aber alles tun, dass das nicht zur weiteren Steigerung der Toten und Verletzten führt.“

Auch unter den toten Fußgängern ist die Zahl der Senioren hoch: Knapp die Hälfte der 85 Getöteten waren 65 oder älter. Zudem starben fünf Kinder, während sie zu Fuß unterwegs waren. Insgesamt waren zwölf Kinder unter den Todesopfern, doppelt so viele wie 2013. „Diese Entwicklung bereitet mir Sorgen“, sagte Herrmann.

Hauptursachen für die tödlichen Unfälle waren, wie schon in den vergangenen Jahren, zu hohe Geschwindigkeit und Missachtung der Vorfahrt. Fast jeder zehnte Verkehrstote gehe aufs Konto alkoholisierter Fahrer, sagte Herrmann. Außerdem starben 65 Menschen, weil sie den Sicherheitsgurt nicht oder nicht richtig angelegt hatten. „Etliche Personen könnten noch leben, wenn sie richtig angeschnallt gewesen wären.“

Um die Straßen sicherer zu machen, will der Freistaat häufiger als bisher die Geschwindigkeit kontrollieren, vor allem an besonders unfallträchtigen Stellen. Auch am bundesweiten Blitz-Marathon am 16. und 17. April will sich Bayern wieder beteiligen und sogar eine ganze Woche lang verstärkt das Tempo auf den Straßen kontrollieren. Die Straßen, vor allem über Land, sollen sicherer werden, etwa durch Schutzplanken, Markierungen oder Ampeln, durch Rad- und Gehwege.

Erst vor einigen Wochen hat sich der Deutsche Verkehrsgerichtstag, bei dem Experten über drängende Probleme beraten, zudem für einen neue Regelgeschwindigkeit für Landstraßen ausgesprochen: 80 statt 100 km/h. Im Ministerium sieht man das skeptisch. Über Tempolimits müsse im Einzelfall entschieden werden.

Herrmann war zudem daran gelegen, Berichte über die niedrige Zahl fest installierter Blitzer in Bayern aufzuweichen. Er habe seine Mitarbeiter angewiesen, die mit 85 Anlagen sehr geringe Zahl zu überprüfen (zum Vergleich: Baden-Württemberg hat 1102). Allerdings sei es seit jeher Strategie im Freistaat, eher auf mobile Blitz-Geräte zu setzen.

So fest wie diese Strategie ist auch das Ziel in Sachen Verkehrssicherheit: Bis 2020, sagte Herrmann, soll die Zahl der Verkehrstoten unter 550 im Jahr fallen.

Von Marcus Mäckler

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