Unglücksdrama bei Biogasanlage

Schock für Volksmusik-Star: Er findet seinen toten Vater

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Vergeblicher Einsatz: Feuerwehrleute mussten aus einem Zufüllschacht der Biogasanlage die beiden leblosen Körper bergen – Paul Hastreiter und sein 29-jähriger Mitarbeiter starben sehr wahrscheinlich an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Kollnburg - Drama für den Volksmusik-Jungstar Andreas Hastreiter. Der 21-Jährige entdeckte auf der Suche nach seinem vermissten Vater zwei leblose Körper - darunter sein Papa.

Es muss ein furchtbarer Anblick gewesen sein. Auf der Suche nach seinem vermissten Vater entdeckte Volksmusik-Talent Andreas Hastreiter (21) am späten Sonntagabend in der Biogasanlage neben dem elterlichen Bauernhof in Kollnburg (Kreis Regen) zwei leblose Körper. Die Männer waren tot – es handelte sich um seinen geliebten Vater Paul (52) und um einen 29-jährigen kroatischen Mitarbeiter.

Als Volksmusiker steht Andreas Hastreiter am Beginn einer vielversprechenden Karriere. Er trat mit seinem Akkordeon unter anderem im Musikantenstadl auf, bei Immer wieder sonntags und der Sommerhitparade. Am Sonntagnachmittag spielte und sang er bei der Weihnachtsfeier im Trapper Inn in Dasing (Kreis Aichach-Friedberg). Entspannt und gemütlich sei es gewesen, so ein Teilnehmer zur tz. An­dreas gab noch Autogramme, verkaufte CDs und fuhr von dort heim nach Kollnburg, wo er mit seinen Eltern, seiner Schwester und dem Großvater auf einem idyllisch gelegenen Bauernhof lebt.

Vater betreibt neben Landwirtschaft auch Biogasanlage

Dort betreibt sein Vater neben der Landwirtschaft auch eine Biogasanlage. Es muss gegen 22 Uhr gewesen sein, als Andreas einen der Nachbarn aufgeregt alarmierte. Sinngemäß sagte der junge Mann: Ich brauche Hilfe! Eine Nachbarin hatte kurz davor ihn und die anderen Angehörigen alarmiert, weil der Traktor schon seit dem Nachmittag an der Biogasanlage stand. Und das die ganze Zeit mit laufendem Motor. Das kam ihr einfach komisch vor.

Kürzlich besuchte er mit seinem Vater Paul die BR-Sendung Blickpunkt Sport (links, mit Moderator Tom Meiler).

Andreas Hastreiter hatte daraufhin nachgeschaut und die Männer entdeckt. Die Toten lagen in einem Zufüllschacht zur Anlage, also dem Schacht, in dem die Biomasse eingefüllt wird. Was den Verunglückten zugestoßen ist, darüber lässt sich bislang nur spekulieren. Es kann sein, dass der eine hineingefallen ist, ihn der andere retten wollte und dann beide nicht mehr ihrem Schicksal entrinnen konnten. In den Biogasanlagen entstehen natürlich auch giftige Dämpfe wie Kohlenmonoxid. Ob dies zu dem Unfall führte, die Männer daran erstickten, muss erst noch zweifelsfrei durch eine Obduktion geklärt werden. Die Polizei geht aber derzeit von einem Unglücksfall aus.

Offenbar war eine Dichtung defekt

Kollnburgs Bürgermeisterin Josefa Schmid (FDP) berichtet von einer starken Geruchsbelästigungin der vergangenen Woche, die offenbar von einer defekten Dichtung in der Anlage ausging. „Das Landratsamt wurde deswegen bereits benachrichtigt.“ Ob der Gestank im Weiler Hilb, in dem der Hof liegt, auch mit dem Unfall in Verbindung gebracht werden kann, dürfte Teil der Ermittlungen werden.

Derweil hat die Familie eine denkbar traurige Pflicht zu erfüllen. Am Montag suchten die Hinterbliebenen nach einem schönen Foto von Vater Paul Hastreiter, für das Sterbebild.

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