1. tz
  2. Bayern

24 Millionen Euro Strafe für Bahnbetreiber

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Fahrgäste warten am Bahnsteig auf ihren Zug – doch der kommt zu spät. Wegen Unpünktlichkeit waren heuer 17 Millionen Euro Strafzahlungen fällig © Kruse

München - Die BEG fordert von S-Bahn, DB Regio und weiteren Anbietern insgesamt 24 Millionen Euro Strafgeld. Grund: Zu viele Züge waren zu unpünktlich, der Service auf vielen Strecken war viel zu schlecht. Was sich ändern soll.

Unpünktlich, unfreundlich, verdreckt – oft ist die Bahn ein echtes Ärgernis. Im Jahr 2010 war es so schlimm, dass die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) 24 Millionen Euro Strafzahlungen erhoben hat – so viel wie nie zuvor und mehr als doppelt so viel wie 2009. Allein 17 Millionen Euro waren wegen Unpünktlichkeit fällig. Nur für den Dezember hat die BEG bereits vier Millionen Euro einbehalten.

Die BEG stellt das Schienennetz im Auftrag der bayerischen Staatsregierung den Bahnen zur Verfügung. Dafür nimmt sie Geld ein und kontrolliert, ob die Vertragsbedingungen eingehalten werden. Pünktlichkeit und Kundenservice stehen dabei ganz oben auf der Liste. „Wir haben über 100 Messstellen in Bayern“, erklärt eine Sprecherin der BEG. An diesen werde täglich die Pünktlichkeit gemessen. Außerdem finden regelmäßig angemeldete und vor allem unangemeldete Kontrollen in den Zügen statt. „Wir beauftragen hierfür eine Firma, die Testkunden losschickt“, sagt die Sprecherin. Diese Tester prüften, ob das Zugpersonal freundlich und kompetent ist, ob die Toiletten funktionieren und ob im Störfall schnell und richtig gehandelt werde. In allen diesen Bereichen haben die bayerischen Bahnen 2010 Minuspunkte gesammelt.

Bei der Deutschen Bahn gibt man sich problembewusst. „Wir als DB-Regio mussten heuer viel Geld zahlen“, sagt ein Sprecher. „Nachdem wir Marktführer sind, ist sicherlich ein großer Teil der Summe von uns.“ Tatsächlich liegt der Anteil der DB Regio an den Verkehrsleistungen in Bayern bei 84 Prozent. Ein wesentlicher Posten in den Strafzahlungen ist laut BEG der Ausfall der Neigetechnik in Franken.

Der Bahnsprecher nennt drei Ursachen für die hohen Strafen: „Zunächst ist da die schlechte Leistung, die wir diesen Winter, insbesondere im Dezember 2010, erbracht haben.“ Hier sei man gerade bei der Auswertung der Fehler im Winterchaos. Zudem habe es Schwierigkeiten mit den vielen Gleisbaustellen gegeben und obendrein mit den neuen Zügen. „Die Fahrzeuge bringen nicht das, was wir uns erwartet haben. Hier müssen die Hersteller nachbessern“, sagt der Bahnsprecher über das Problem, das sich schon seit zwei Jahren hinzieht.

V. Fläxl

"Sänk ju weri matsch" - Englischwörterbuch für Bahnmitarbeiter

Strec

Hier ist es am schlimmsten

Die Negativliste der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) führt der Donau-Isar-Express an. Er verkehrt auf der Strecke München -Freising - Landshut - Passau. Genauso schlecht steht die Mainfrankenbahn da, die Würzburg mit Bamberg und Nürnberg verbindet.

Beide Bahnen fahren auf den besonders stark ausgelasteten Hauptstrecken Bayerns und beide haben Probleme mit den Neufahrzeugen. So werden nicht die vertraglich vereinbarten, sondern Ersatzzüge eingesetzt. Diese neuen Personenzüge genügen den Anforderungen der BEG „in Sachen Barrierefreiheit, Fahrgastinformation und Zugang zu Toiletten“ jedoch nicht.

Auch der Fugger-Express, der zwischen München und Donauwörth verkehrt, erfüllt „insbesondere was die Pünktlichkeit und Fahzeugverfügbarkeit anbelangt“ so die BEG die Vorgaben nicht.

Auf allen bayerischen Strecken sorgte das Winterchaos für extreme Verspätungen. Die BEG beklagt hier „gravierenden Probleme“ der Bahnen und mangelhafte Vorbereitung. Weniger häufig – aber dafür ebenfalls über ganz Bayern verteilt – beanstandete die BEG schlechten Service. Und dass nicht genügend Zugbegleiter eingesetzt wurden.

So soll’s besser werden: Neue Signale, Gleise …

„Es ist nicht unser Ziel, Strafgelder zu kassieren“, sagt Fritz Czeschka, ­Geschäftsführer der Bayerische Eisenbahn­gesell­schaft (BEG). Daher investiert die BEG sämtliche Strafen, die sie den Bahnen abverlangt, in die Verbesserung des Zugverkehrs im Freistaat.

Zum Beispiel sind für die S-Bahn in München neue Signale zur schnelleren Abfertigung an ­Hacker- und Donnersberger Brücke geplant. In Pasing sollen zusätzliche Weichen für pünktlicher Züge sorgen. Die S7 soll ebenfalls neue Signaltechnik erhalten sowie Gleisanlagen, die ein schnelleres Fahren in den Kurven erlauben. Außerdem ist eine Informationskampagne ­geplant, die das Ein- und Aussteigen beschleunigen soll; diesem Zweck dient auch eine auffälligere Kennzeichnung der Lichtschrankenbereiche an den Türen. Bessere Kundeninformation im Störfall ist außerdem ein Projekt auf allen bayerischen Strecken, das aus den Strafen finanziert wird Auch die DB-Regio bemüht sich um Verbesserungen. Dazu gehören technische Zugbegleiter, die kleine Probleme wie ­defekte Toiletten oder Türen noch während der Fahrt reparieren können.

Auch interessant

Kommentare