"Ärzte haben mein Leben zerstört"

Unterschenkel amputiert: Niederbayer verklagt Klinik

Deggendorf - Den Prozess hat er gewonnen, sein altes Leben wird Dieter Meier aber nicht mehr  zurückbekommen. Vor zehn Jahren wurde dem heute 60-Jährigen der rechte Unterschenkel amputiert.

Das Deggendorfer Landgericht erkannte einen groben Arzt-Fehler. Das Kreiskrankenhaus Zwiesel-Viechtach ging am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht in München in Berufung. Dort wurde das Urteil bestätigt. Es geht um 400 000 Euro Schmerzensgeld.

„Die Leute sagen zu mir, dass man die Prothese nicht sieht. Aber ich spüre sie – jeden Tag“, sagt Meier. Vor zehn Jahren – da war der ehemalige Vertreter für Bodenbeläge gerade einmal 50 Jahre alt – begann sein Martyrium. Mit starken Schmerzen im rechten Bein ging er zum Arzt. In der Radiologie in Deg­gendorf wurden Aufnahmen gemacht und am Ende ein Verschluss unterhalb des Knies in einer Beinarterie festgestellt. Eine Bypass-OP an der betroffenen Stelle brachte keine Besserung. Letzter Ausweg: Amputation!

Sachverständiger erkennt Behandlungsfehler

Der Sachverständige Prof. Dr. Bernd Steckmeier sagte am Donnerstag vor Gericht: „Es liegt ein grober Behandlungsfehler vor.“ Der zuständige Gefäßchi­rurg hätte erkennen müssen, dass der Schmerz unterhalb des Knies nur Auswirkung, aber nicht Ursache war. Eine Arterienverengung im Beckenbereich – also viel weiter oberhalb – hätten die Ärzte erkennen müssen. Die habe die mangelnde Blutversorgung der Beinarterien erst verursacht. Der Eingriff hätte demzufolge an anderer Stelle erfolgen müssen. Steckmeier: „Sogar ein Laie hätte die Engstelle erkannt.“

Ob die Schuld nicht auf die Radiologie zurückfallen könne, wollte die Gegenseite wissen. Dem entgegnete Steckmeier deutlich: „Nein, Gefäßchirurgen müssen sich immer einen Überblick über den Zustand des kompletten Arteriensystems im Körper verschaffen.“

Im November wird über die Höhe des Schmerzensgeldes entschieden

Der Senat unter dem Vorsitz von Richter Thomas Steiner erkannte das Urteil aus Deg­gendorf an. Im November wird über die Höhe des Schmerzensgelds entschieden. Beide Parteien signalisierten Bereitschaft für einen Vergleich.

Dieter Meier wird wohl eine sechsstellige Summe bekommen. Er sagt: „Ich bin froh, dass es ein Ende nimmt. Mein altes Leben wäre mir aber lieber.“

Johannes Heininger

Rubriklistenbild: © Heininger

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