Selfie-Jäger in Gefahrenzone

Zweite Katastrophen-Nacht in Bayern: Einsatzleiter schildert dramatische Szenen - „Autos Spielball des Wassers“

Nach heftigem Regen kam es im Kreis Berchtesgadener Land zu Überschwemmungen. Die Nacht auf Montag verlief etwas ruhiger. Die Aufräumarbeiten laufen. Der News-Ticker.

+++ Dieser Ticker ist beendet. Die Fortsetzung finden Sie hier.+++

Update vom 19. Juli, 08.03 Uhr: Im besonders stark von Unwettern getroffenen Berchtesgadener Land konnten die Menschen etwas aufatmen. „Die Nacht verlief ruhig“, hieß es bei der Feuerwehr. Die Helfer seien jetzt mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Anlass zur Hoffnung geben auch die Wetteraussichten. Bis auf einzelne kurze Schauer soll es in den kommenden Tagen trocken bleiben. Unwetter seien derzeit nicht in Sicht, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Anwohner einer wegen erneuter Flutgefahr evakuierten Siedlung konnten inzwischen wieder in ihre Häuser zurückkehren.

Update vom 18. Juli, 22.05 Uhr: Der Landkreis Berchtesgadener Land geht in eine weitere Nacht als Katastrophengebiet. Mittlerweile liegen erste Bilanzen vor: Laut einem Bericht des Portals bgland24.de waren zuletzt 900 Hilfskräfte an den Orten Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im Einsatz - viele seit Samstagabend ohne Pause. Der örtliche Einsatzleiter Anton Brandner schilderte dramatische Szenen: „Fahrzeuge auf den Straßen wurden zum Spielball der Wassermassen.“

Update vom 18. Juli, 20.00 Uhr: Auch abseits des Katastrophengebietes Berchtesgadener Land gibt es in Bayern weiter Hochwasser-Sorgen: So rechnet in Miesbach Kreisbrandrat Anton Riblinger mit einem Höhepunkt des Pegels der Schlierach im Laufe des Sonntagabends*. Meldestufe zwei könne erreicht werden. Auch in Garmisch-Partenkirchen bereitet die Partnach den Einsatzkräften noch Sorgen*. Aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen gab es allerdings auch positive Nachrichten: Die hohen Investitionen in die Hochwasserverbauungen zeigten Wirkung - etwa in Eschenlohe, große Gefahr droht dort nicht.

In Niederbayern stiegen derweil in Passau die Pegelstände von Donau und Inn. Hier wurde mit der höchsten Hochwasserwarnstufe gerechnet. Uferpromenade und Parkplätze wurden überflutet. 

Berchtesgadener Land: Retter enorm gefordert - THW-Fahrzeug verunglückt schwer

Update vom 18. Juli, 18.40 Uhr: Im Einsatz gegen die Auswirkungen der Hochwasserfluten ist im Landkreis Berchtesgadener Land am Sonntagmittag ein Spezialfahrzeug des Technischen Hilfswerks (THW) verunglückt*. Auf der B319 in Berchtesgaden geriet das Vehikel auf die Gegenfahrbahn, stieß mit einem VW Golf zusammen, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Vier Menschen wurden dabei verletzt, zwei von ihnen schwer, wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) Berchtesgadener Land mitteilte. Die Unfallursache ist noch unbekannt. Möglicherweise seien die Bremsen überhitzt.

Den Angaben zufolge war das THW-Fahrzeug mit Sandsäcken beladen. Der 25 Jahre alte Beifahrer erlitt so schwere Verletzungen, dass er mit einem Hubschrauber in ein Salzburger Klinikum geflogen werden musste. Der Fahrer wurde mittelschwer verletzt, das Ehepaar an Bord des VW kam mit leichten Verletzungen davon. Die drei Unfallopfer kamen in umliegende Kliniken.

Bereitschaftsdienste des BRK sind in der Region nach eigenen Angaben schon seit Samstagabend im Dauereinsatz - unter anderem als Verstärkung für reguläre Retter, da Ortsteile über nicht mehr passierbare Straßen nur noch über zum Teil weite Umwege erreichbar sind. Auch die Ehrenamtler der BRK-Wasserwachten seien gefordert. So mussten etwa am Samstagabend auf der B305 Insassen eins von der Königsseer Ache abgetriebenen Autos gerettet werden.

Ein Baumstamm wird bei Unwetter und Hochwasser in Bayern im Berchtesgadener Land aus dem Wasser geholt.

Berchtesgaden und Südbayern: Amtliche Unwetter-Warnungen - Selfie-Jäger in Gefahrenzone bereiten Polizei Sorge

Update vom 18. Juli, 18.24 Uhr: Im Hochwassergebiet Berchtesgadener Land bereiten Selfie-Jäger Polizei und Rettungskräften Sorgen - immer wieder begäben sich Schaulustige in Gefahrenbereiche oder nah an die über die Ufer getretenen Gewässer, erklärten das Polizeipräsidium Oberbayern Süd und das Landratsamt Berchtesgadener Land am Sonntag in einem gemeinsamen Statement.

Die Behörden richteten einen dringenden Appell an die Menschen in der Region: „Bleiben Sie dringend von den Ufern der Gewässer fern! Begeben Sie sich nicht in die Gefahrenbereiche und behindern die eingesetzten Rettungskräfte!“

Unterdessen gibt es keine Entwarnung in den Hochwassergebieten: Für einen Streifen entlang des Alpenrandes von Garmisch-Partenkirchen bis ins Berchtesgadener Land hält der Deutsche Wetterdienst weiter eine amtliche Unwetterwarnung aufrecht. Hier wird noch bis Mitternacht „ergiebiger Dauerregen“ erwartet. Niederschlagsmengen von bis zu 45 Liter pro Quadratmeter sind in jeweils den Südhälfte der Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Rosenheim und Traunstein möglich. Im Krisengebiet rund um Berchtesgaden gar bis 70 Liter/Quadratmeter.

In NRW steigt nach der verheerenden Flut-Katastrophe unterdessen die Zahl der Toten, wie wa.de* berichtet.

Berchtesgadener Land: Schulen und Kitas bleiben am Montag geschlossen

Update vom 18. Juli, 17.12 Uhr: In den Hochwassergebieten in Oberbayern bleiben am Montag die Schulen und Kitas geschlossen. Es werde eine Notbetreuung geben, teilte das Landratsamt Berchtesgadener Land am Sonntag mit. Ob die Einrichtungen in den Orten Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg, Ramsau und Schönau am Königssee auch am Dienstag geschlossen bleiben müssten, sei noch nicht absehbar. Dies diene zum einen der Sicherheit der Kinder, hieß es als Begründung. Vor allem sollen aber die passierbaren Straßen freigehalten werden, damit die Einsatzkräfte mit ihren schweren Geräten reibungslos durchkommen könnten. 

Update vom 18. Juli, 15.40 Uhr: Mittlerweile ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Hochwassergebiet im Südosten Bayerns eingetroffen. Er wird von Innenminister Joachim Herrmann und Bundesfinanzminister Olaf Scholz begleitet. Zunächst wurden die Politiker in Berchtesgaden über die Lage informiert. Anschließend wollen sie sich auch in Schönau am Königssee ein Bild machen. Dort steht auch ein Pressetermin an, indem Söder, Herrmann, Scholz und Umweltminister Thorsten Glauber über die folgenden Schritte informieren wollen.

Update vom 18. Juli, 15.01 Uhr: Weiterhin keine Entwarnung im Berchtesgadener Land: Der Deutsche Wetterdienst warnt im gesamten östlichen und zentralen Alpenrand Bayerns bis tief in die Nacht vor „ergiebigem Dauerregen“. Am heftigsten trifft es demnach weiterhin die Berchtesgadener Alpen. Hier seien noch einmal bis zu 70 Liter pro Quadratmeter, in Staulagen sogar bis zu 120 Liter, zu erwarten. Erst im Laufe der Nacht soll der Regen abklingen und die Wetterlage sich dann am Montag beruhigen.

Berchtesgadener Land heftig von Unwettern getroffen - weitere Evakuierungen

Update vom 18. Juli, 14.25 Uhr: Im besonders von den Unwettern getroffenen Berchtesgadener Land müssen weitere Häuser evakuiert werden. Betroffen ist ein Teilbereich an der Königsseer Ache, wie das Landratsamt am Sonntag mitteilte.

Wie viele Menschen betroffen sind oder was in der Region genau drohe - also Hochwasser oder etwa ein Hangabrutsch - teilte die Sprecherin allerdings nicht mit. Die Entscheidung sei erst vor kurzem gefallen. Betroffene Menschen würden direkt kontaktiert.

Video: Hochwasser: Berchtesgadener Ache ist ein reißender Fluss

„Wichtig ist, auf die Anweisungen der Einsatzkräfte zu achten, zügig das betroffene Gebiet zu verlassen und sich zum angeordneten Sammelpunkt zu begeben.“ Es sei immer noch schwer, die Lage insgesamt zu beurteilen. Es regne immer wieder, auch heftiger, sagte die Sprecherin.

Zuvor wurden 135 Menschen in Sicherheit gebracht. Denn in Schönau am Königssee droht ein Hangabrutsch, ein Geologe sei vor Ort, um die Lage zu bewerten, so das Landratsamt. Nach Informationen von bgland24.de musste hier ein ausgebuchtes Hotel evakuiert werden. Demnach wurden zwischen 135 und 150 Personen in ein naheliegendes Hotel und ein Gasthaus gebracht.

Hochwasser in Berchtesgaden: Landrat richtet Warnung an Ausflügler

Update vom 18. Juli, 13.44 Uhr: Wegen der Hochwasserlage im Berchtesgadener Land sollen Ausflügler die Region im Südosten Bayerns meiden. Dazu hat Landrat Bernhard Kern am Sonntagvormittag bei einer Pressekonferenz in Bad Reichenhall vor allem Tagestouristen aufgerufen. Die Einsatzkräfte hätten alle Hände voll zu tun. Der Bahnverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden sei eingestellt, sagte Kern. Auch Straßen seien „extremst in Mitleidenschaft gezogen“ worden.

Die Lage im Landkreis Berchtesgadener Land bleibt derweil weiter angespannt. Wie Focus Online berichtet, müssen weitere Straßen evakuiert werden. Konkret betroffen ist demnach Schönau am Königssee. Bewohner der Königsseer Ache zwischen Königssee und Kreiverkehr Berchtesgaden sind wegen der Überflutungsgefahr der Ache dringend dazu angehalten, ihre Häuser zu verlassen. Die Weisung betrifft aktuell 135 Menschen.

Land unter in Berchtesgaden: Hochwasser trifft Region schwer - und die Lage bleibt angespannt

Erstmeldung vom 18. Juli, 11.00 Uhr: Berchtesgaden - Unwetter* und Starkregen* trafen am Samstag Südostbayern. Besonders der Kreis Berchtesgadener Land wurde schwer getroffen. Die Bilanz: Zwei Tote, vom Einsturz bedrohte Häuser und Evakuierungen. Rund 890 Hilfskräfte sind derzeit vor Ort. Auch Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann wollen sich im Hochwassergebiet selbst ein Bild der Lage machen - Zeit und Ort für den Besuch standen zunächst noch nicht fest.

Hochwasser in Berchtesgaden - „Fahrzeuge auf den Straßen wurden zum Spielball der Wassermassen“

Der örtliche Einsatzleiter Anton Brandner sprach von dramatischen Szenen im Kreis Berchtesgadener Land: „Fahrzeuge auf den Straßen wurden zum Spielball der Wassermassen.“ Sintflutartige Regenfälle hatten am Samstagabend dafür gesorgt, dass der Fluss Ache über die Ufer trat, der Katastrophenfall wurde ausgerufen. Zwei Menschen kamen ums Leben. Ein Opfer sei an einer natürlichen Ursache verstorben, sagte Landrat Bernhard Kern (CSU) auf einer Pressekonferenz in Bad Reichenhall am Sonntagmorgen. Aber auch das könne mit dem Unwetter zusammenhängen.

Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns. Feuerwehr und andere Hilfskräften mussten zu bis zu 500 Einsätzen ausrücken - auch um Menschenleben zu retten. Demnach mussten Häuser geräumt werden, weil sie einsturzbedroht waren. 130 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, darunter 80 aus einer Siedlung in Schönau am Königssee, sagte Kern. Unklar sei, ob die Siedlung länger gesperrt werden müsse. Auch der Bahnverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden ist eingestellt, Straßen sind zum Teil gesperrt.

Übrschwemmungen im Berchtesgadener Land: Lage bleibt weiter angespannt

Und die Lage bleibt weiter angespannt, denn die nächste Regenfront ist bereits angekündigt. Der starke Regen in den vergangenen Tagen hatte die Pegelstände der Ache am Samstagabend sprunghaft steigen lassen. Es sei selbst für die Kräfte vor Ort unvorstellbar gewesen, welche Probleme die Niederschläge verursachten, sagte Kern. „Wir schauen auf die Pfalz, wir schauen auf NRW“, sagte er. Nach der Betroffenheit wegen der Opfer dort sei man nun selbst betroffen.

Übrigens: Die wichtigsten Geschichten aus dem Freistaat gibt‘s jetzt auch in unserem brandneuen, regelmäßigen Bayern-Newsletter.

Hochwasser-Bilanz in Berchtesgaden: „Gestern ist es glimpflich verlaufen“

In den meisten Fällen konnte das Schlimmste verhindert werden. „Gestern ist es glimpflich verlaufen“, sagte Brandner. Nun blicken die Menschen mit Sorge auf die Wetterprognosen. Die Aufräumarbeiten werden sie auf jeden Fall noch lange beschäftigen. (kam/dpa) *Merkur.de/bayern und wa.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Kilian Pfeiffer/dpa

Auch interessant

Kommentare