Umgestürzte Bäume, überflutete Straßen

„Hundertjährliches Ereignis“: Unwetter trifft Landshut fatal - Feuerwehr rettet Menschen aus Auto

Schwere Unwetter zogen am Dienstag über Bayern. Landshut erwischte es besonders heftig. Bei der Feuerwehr gingen mehr als 600 Notrufe ein.

Update vom 30. Juni, 13.22 Uhr: Wo sonst Touristen das mittelalterliche Landshut bewundern, rauschten schlammige, reißende Wassermassen durch die Straßen. Ein extremes Unwetter hatte die Stadt heimgesucht. Lässt sich die Heftigkeit des Gewitters erklären?

Das schwere Unwetter am Dienstagabend dauerte nur eine halbe Stunde - doch die reichte aus, um weite Teile der mittelalterlich geprägten Stadt zu verwüsten. „Binnen Minuten sind Straßen zu reißenden Bächen geworden“, sagte am Mittwochmorgen Feuerwehrsprecher Dominik Zehatschek. Die Stadt spricht von einem „hundertjährlichen Ereignis“.

Forscher warnen: So schwere Gewitter könnten in Zukunft häufiger werden, vor allem wegen des Klimawandels. Gewitterlagen wie die der vergangenen Tage seien in der Heftigkeit zwar immer noch ein relativ seltenes Ereignis. „Aber auch ich habe den Eindruck, dass sie in dieser Heftigkeit häufiger geworden sind“, sagte der Meteorologe Uwe Schickedanz dem Südkurier. „Sie sind aber noch nicht so häufig, dass wir statistisch sagen könnten, es ist mehr geworden.“ Auch der Physiker Christian Plaß-Dülmer schätzt die Lage ähnlich ein. Weil sich die Erde infolge des Klimawandels erwärme, werde es mehr extreme Wetterlagen geben, erklärte der Leiter des Bergobservatoriums auf dem Hohen Peißenberg am Starnberger See der Süddeutsche Zeitung.

„Hundertjährliches Ereignis“: Unwetter trifft Landshut fatal - Feuerwehr rettet Menschen aus Auto

Update vom 30. Juni, 11.33 Uhr: Das schwere Unwetter in Landshut mit extremem Starkregen hat die Stadt völlig überraschend getroffen. „Binnen Minuten sind Straßen zu reißenden Bächen geworden.“ Das sagte Feuerwehrsprecher Dominik Zehatschek am Mittwochmorgen. Am Vorabend waren heftige Regenfälle über Landshut mit seiner mittelalterlichen Altstadt niedergegangen, Straßen und Häuser standen teilweise bis zu einem Meter unter Wasser. Einige Menschen wurden in ihren Autos von den Wassermassen umflutet (siehe Erstmeldung). Mit Hilfe der Feuerwehr kletterten sie durch die Autofenster ins Freie und wurden in Sicherheit gebracht. Dabei seien einige leicht verletzt worden, sagte Zehatschek.

Die Stadt Landshut spricht von einem „hundertjährlichen Ereignis“. Innerhalb von nur einer halben Stunde seien 57 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. „Wir haben Wildbäche gehabt, wo sonst Straßen sind“, sagte Oberbürgermeister Alexander Putz dem Bayerischen Rundfunk (BR). Unvorstellbare Wassermassen seien die Hänge rings um die Stadt heruntergekommen. Nach Auskunft der Feuerwehr rissen die Fluten Autos mit und spülten große Mengen an Schlamm auf die Straßen und in die Häuser. Viele Menschen waren am Morgen damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen, aus Privathäusern ebenso wie aus Geschäften oder Restaurants. Bei einigen gehe es wohl um die Existenz, vermutete Zehatschek.

Update vom 30. Juni, 8.50 Uhr: Am Morgen nach dem schweren Unwetter haben in Landshut die Aufräumarbeiten begonnen. Viele Straßen waren am Mittwochmorgen verschlammt, die Straßenreinigung musste Dreck entfernen, wie die Polizei mitteilte. Man gehe jedoch davon aus, dass der Großteil der Arbeiten im Laufe des Vormittags abgeschlossen werde. Länger dürfe derweil das Auspumpen zahlreicher Keller dauern, die durch Starkregen und Überschwemmungen vollgelaufen seien.

Am Dienstagabend seien kurz vor Anpfiff des EM-Fußballspiels Deutschland gegen England Starkregen, Blitz und Donner über der Stadt aufgezogen (siehe Erstmeldung). Es gab Sturzbäche, verschlammte Straßen, weggeschwemmte Autos, ausgespülte Gullydeckel, umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, beschädigte Stromkästen und Öltanks, wie der Lagedienst der integrierten Leitstelle Landshut, Mirko Olzem, die Situation beschrieb.

Unwetter in Landshut: Live-Bericht von vor Ort

Unwetter trifft Landshut - Von Wassermassen eingeschlossen: Feuerwehr rettet Menschen aus Auto

Erstmeldung vom 30. Juni, 6.15 Uhr: Landshut - Seit Dienstagnachmittag rollten Unwetter über ganz Bayern. Grund war Tief* Xero. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte teils vor schwerem Gewitter mit Orkanböen, teils extremem Starkregen und Hagel. Landshut wurde am Abend besonders heftig getroffen. In Teilen der Stadt stand das Wasser in den Straßen, Sturzbäche gingen nieder. Zahlreiche Bäume stürzten um, Keller liefen voll. Bei der Landshuter Feuerwehr gingen mehr als 600 Notrufe ein, wie ein Sprecher der Integrierten Leitstelle am Dienstagabend erklärte. Im Kampf gegen die Fluten halfen auch Kräfte aus dem Raum Freising, wo es ebenfalls viele Einsätze gab.*

Unwetter trifft Landshut: Starkregen, Blitz und Donner zum Anpfiff des Deutschland-Spiels

Zum Anpfiff des EM-Fußballspiels Deutschland gegen England waren dichte Wolken mit Starkregen, Blitz und Donner über die Stadt gezogen, sagte ein Polizeisprecher. Sturzbäche bildeten sich auf den Straßen, Autos wurden weggeschwemmt, aus den Gullydeckeln sprudelte das Wasser, das die Kanalisation nicht mehr aufnehmen konnte. Bäume stürzten um, Keller liefen voll, das Wasser beschädigte Stromkästen und Öltanks, wie Mirko Olzem von der Integrierten Leitstelle sagte. „Das war ein Unwetter*, wie es nur alle fünf bis zehn Jahre vorkommt“, ergänzte er.

Schweres Unwetter trifft Landshut: Überflutete Straßen und umgestürzte Bäume

Die Landshuter Feuerwehr berichtete noch am Dienstag auf Facebook von dem Unwetter-Abend. Hauptschwerpunkte seien dieses Mal der Innenstadtbereich sowie der Landshuter Süden - beginnend in Achdorf, über Hofberg, Moniberg, Haggrainertal, den Bereich Schönbrunn/Wildbachstraße bis hinüber nach Frauenberg gewesen, heißt es.

Das Unwetter sorgte in Landshut für umgestürzte Bäume.

Unwetter trifft Landshut: Feuerwehr schildert dramatischen Einsatz

„Besonders dramatisch war die Lage im Bereich der Wildbachstraße, wo Personen aus von den Wassermassen eingeschlossenen PKWs befreit werden mussten. Dabei wurde mindestens eine Person verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert, mehrere Personen erlitten einen Schock“, wie die Feuerwehr weiter berichtet.

Die Schäden werden die Einsatzkräfte auch am Mittwochmorgen noch auf Trab halten, deshalb hat die Feuerwehr einige Hinweise.

  • Bitte halten sie sich unbedingt an die aufgestellten Absperrungen
  • Viele Straßen sind massiv beschädigt und unpassierbar
  • Riskieren Sie keine Fahrten in verschlammte Bereiche bzw. in ausgespülten bzw. unterspülten Straßen.
  • Vermeiden Sie grundsätzlich nicht notwendige Fahrten im Stadtgebiet
  • Wägen Sie beim Notruf ab, ob es sich wirklich um einen Einsatz für die Feuerwehren handelt.

Auch Oberbürgermeister Alexander Putz und der zweite Bürgermeister Thomas Haslinger machten sich am späten Abend noch ein Bild der Lage und besichtigten einige Einsatzstellen. Eine abschließende Bilanz dürfte frühestens im Laufe des Mittwochvormittags möglich sein. (kam mit dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © Carmen Merckenschlager/dpa

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