Urkundenschlamassel: Wie alt ist Eichenhausen?

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Die "Egininhusa"-Schenkungsurkunde Heinrichs II. an das Bistum Bamberg im Staatsarchiv Bamberg. Die für den 13. Juni dieses Jahres angesetzte 1000-Jahr-Feier des Dorfes Eichenhausen in der Rhön ist mittlerweile abgesagt. Grund: Historiker sind sich nicht einig, wie alt der 350-Seelen-Ort ist.

Eichenhausen - Die Musikkapellen waren schon bestellt, Zelte gemietet, Ehrengäste eingeladen: Doch die 1000-Jahr-Feier des Dorfes Eichenhausen nahe der Rhön ist mittlerweile abgesagt.

Grund: Historiker sind sich nicht einig, wie alt der 350-Seelen-Ort ist. Die einen sprechen von 1000 Jahren, andere hingegen von 666. Bürgermeister Peter Schön (CSU) zog schließlich die Notbremse und sagte die Feierlichkeiten ab.

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Ersterwähnungen von Orten gelten bei Historikern generell als heikel. “Es kommt immer wieder vor, dass neue Belege gefunden werden oder dass eine Ersterwähnung falsch zugeordnet wird“, sagt Ingrid Heeg-Engelhart, Archivoberrätin im Staatsarchiv Würzburg. Auch der im Landkreis Rhön-Grabfeld zuständige Kreisheimatpfleger Reinhold Albert berichtet: “Rund ein Drittel aller Jubiläen sind falsch datiert.“ Im Fall Eichenhausen schien zunächst jedoch alles eindeutig.

“Ich habe Nachforschungen angestellt und mehrere Belege für das 1000-jährige Bestehen Eichenhausens gefunden“, erzählt der Kreisheimatpfleger. Um dem wahren Alter auf die Spur zu kommen, wälzte er im Auftrag der Gemeinde Wülfershausen, zu der das Dorf gehört, dicke Geschichtsbücher. Dabei stieß Albert gleich mehrere Male auf das Jahr 1010 als Ersterwähnung. Eine Nachfrage beim Staatsarchiv in Würzburg bestätigte diese Erkenntnis. Also wurde das Jubiläum fortan tatkräftig geplant, bis plötzlich mitten in den Vorbereitungen ein ansässiger Historiker Zweifel anmeldete.

Bei “Egininhusa“, so der Geschichtsexperte Heinrich Wagner aus Mellrichstadt, handele es sich nicht um Eichenhausen, sondern um Einhausen in der Nähe von Meiningen. Das liegt etwa 30 Kilometer entfernt in Thüringen. Die Untersuchung einer weiteren Urkunde hatte den Heimatforscher Wagner zu dieser Neubewertung bewegt. Nach Ansicht des Historikers kann darin ein ähnlich klingendes Dorf eindeutig dem heutigen Thüringen zugeordnet werden. Eichenhausen fehlen nach seiner Meinung nun mit einem Schlag 334 Jahre zum 1000-jährigen Bestehen. Der Bürgermeister sagte daraufhin die Festlichkeiten ab: “Natürlich ist es schade.“ Immerhin seien aber keine Kosten entstanden.

In der Zwischenzeit ist unter Experten ein Streit entbrannt. “Es gibt durchaus Historiker, die von 1000 Jahre Eichenhausen ausgehen“, berichtet Würzburgs Archivoberrätin Heeg-Engelhart. Auch Geschichtsforscher Wagner hatte noch im Jahr 1982 die Sachlage völlig anders gesehen. Damals schrieb er im “Historischen Atlas von Bayern“: Mit dem im Jahr 1010 von Heinrich II. an das Bistum Bamberg geschenkte “Egininhusa“ sei Eichenhausen im Gau Grabfeld gemeint.

Im Staatsarchiv Bamberg, wo die Urkunde im Original aufbewahrt wird, plädieren die Experten für 1000 Jahre Eichenhausen. “Man kann es letztendlich nicht klären, welcher Ort mit “Egininhusa“ gemeint ist“, sagt Archivdirektor Stefan Nöth. Lediglich die Ortsnamen, die gemeinsam mit “Egininhusa“ in der Urkunde genannt werden, könnten Aufschluss geben. Denn werden weitere Dörfer in der Urkunde dem Landkreis Rhön-Grabfeld zugeordnet, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass “Egininhusa“ das unterfränkische Eichenhausen ist. Aber genau in diesem Punkt gehen die Meinungen auseinander.

Trotz Uneinigkeit der Forscher bleibt es bei der Entscheidung: “Wir werden weder 1000 Jahre Eichenhausen noch 666 Jahre feiern“, erklärt Bürgermeister Schön. Zwar kann sich der Amtsträger durchaus vorstellen, dass das Dorf 1000 Jahre alt ist. Trotzdem zu feiern, wie der Bamberger Archivdirektor Nöth dem Bürgermeister rät, kommt für Schön aber nicht infrage: “So lange die Experten sich streiten, werden wir nicht feiern.“ Allerdings ist es unrealistisch, dass der Fall irgendwann geklärt wird. Hundertprozentige Gewissheit wird es nach Ansicht des Bamberger Archivdirektors niemals geben.

dpa

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