Fall Herrmann: Urteil im Indizienprozess

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Werner M. und seine Frau Gabriele F.-M. sind wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge angeklagt.

Augsburg - Ein mit großer Spannung erwartetes Urteil wird wohl am Donnerstag in Augsburg fallen: Mehr als 28 Jahre nach der Entführung der kleinen Ursula Herrmann entscheidet das Gericht über die Zukunft eines angeklagten Ehepaares.

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Vor dem Landgericht Augsburg stehen Werner M. und seine Frau Gabriele F.-M. wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge. Der 59 Jahre alte Angeklagte soll am 15. September 1981 die zehnjährige Ursula bei Utting am Ammersee auf dem Heimweg von einer Sportstunde vom Fahrrad gerissen und in eine im Wald vergrabene Kiste gesperrt haben. Stunden später war das Mädchen erstickt. Erst 19 Tage nach dem Verbrechen war Ursulas Leiche bei einer Suchaktion der Polizei entdeckt worden.

Die Staatsanwaltschaft hat für den Angeklagten lebenslange Haft gefordert, die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Die mitangeklagte Ehefrau des Beschuldigten soll aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der Beihilfe freigesprochen werden. Der Angeklagte war nach Auffassung der Staatsanwaltschaft aus Geldgier mit besonderer “Kaltblütigkeit und Erbarmungslosigkeit“ vorgegangen. Der Entführer hatte eine sargähnliche Kiste gezimmert, diese mit Lebensmitteln, Getränken, einem Transistorradio und Lesematerial ausgestattet und in einem fast 1,70 Meter tiefen Loch in unzugänglichem Dickicht vergraben. Dabei soll ihm ein inzwischen gestorbener Komplize geholfen haben. Das Lüftungssystem der Kiste funktionierte nicht, Ursula erstickte lebendig begraben. Das ergibt sich für die Anklage aus einer Fülle von Indizien.

Der Fall Ursula Herrmann in Bildern

Am 25. März 2010 fällt das Urteil gegen den Entführer von Ursula Herrmann, die am 15. September 1981 bei Utting am Ammersee von ihrem Kinderfahrrad gerissen und in eine im Wald vergrabene, sargähnliche Kiste gesperrt worden. Dort ist Ursula Herrmann qualvoll erstickt. Der Schwurgerichtssaal in Augsburg ist am Tag der Urteilsverkündung voll besetzt. © ebu
Fast 30 Jahre nach der Entführung, wird Werner M. - zwischen seinen Anwälten Wilhelm Seitz (l) und Walter Rubach (2.v.r.), im Hintergrund steht der Anwalt seiner Frau, Florian Engert (r) - zu lebenslanger Haft verurteilt. © dpa
Verteidiger Walter Rubach kündigte Revision an. © ebu
Der Vorsitzende Richter Wolfgang Rothermel verkündete das "lebenslang". Er sei froh, dass er den Prozess hinter sich habe, sagte er danach. © ebu
Statsanwältin Brigitta Baur plädierte auf lebenslange Haft © ebu
Werner M. nach der Urteilsverkündung © AP
Werner M. vor der Urteilsverkündung © AP
Michael Herrmann, Bruder von Ursula Herrmann und Nebenkläger im Prozess, am Tag der Urteilsverkündung neben seiner Anwältin Marion Zech. © dpa
13 Monate hat der Prozess gegen Werner M. ... © AP
und seine Frau Gabriele F.-M. gedauert. Die beiden wurden angeklagt, Ursula Herrmann entführt, missbraucht und getötet haben. © AP
Bis zuletzt haben sie ihre Unschuld beteuert. © AP
Michael Herrmann, der Bruder des Entführungsopfers Ursula Herrmann. Er wurde im Prozess als Zeuge gehört. © AP
kappeln In Kappeln wurde Werner M. geschnappt. Kaum ein Ort in Deutschland ist mit über 920 Kilometern von München weiter entfernt als das 10.000-Seelen-Städtchen
In Kappeln wurde Werner M. geschnappt. Kaum ein Ort in Deutschland ist mit über 920 Kilometern von München weiter entfernt als das 10.000-Seelen-Städtchen © Schneeweiß
Niro Werner heißt der Laden von Werner M. in Kappeln: Vorne ist das Geschäft für Yacht- und Bootszubehör, hinten hat er gewohnt
Niro Werner heißt der Laden von Werner M. in Kappeln: Vorne ist das Geschäft für Yacht- und Bootszubehör, hinten hat er gewohnt © Schneeweiß
Der hintere Teil von Werner M.s Haus: In der kleinen Hütte hat der 58-Jährige bayerische Schmankerl verkauft
Der hintere Teil von Werner M.s Haus: In der kleinen Hütte hat der 58-Jährige bayerische Schmankerl verkauft © Schneeweiß
Abendliche Hafen-Romantik in Kappeln: Der Ort ist die Kulisse für die ZDF-Serie "Der Landarzt"
Abendliche Hafen-Romantik in Kappeln: Der Ort ist die Kulisse für die ZDF-Serie "Der Landarzt" © Schneeweiß
Die Hartnäckigkeit und akribische Kleinarbeit haben sich gelohnt: Nach fast 27 Jahren hat das Team um Josef Geißdörfer (LKA) den Fall Ursula Herrmann gelöst. Alle Akten im Hintergrund drehen sich um diesen Fall
Die Hartnäckigkeit und akribische Kleinarbeit haben sich gelohnt: Nach fast 27 Jahren hat das Team um Josef Geißdörfer (LKA) den Fall Ursula Herrmann gelöst. Alle Akten im Hintergrund drehen sich um diesen Fall © Bodmer
Ein Fotograf filmt bei der Pressekonferenz die Kiste, in der das Mädchen qualvoll ersticken musste, und das Fahrrad, mit dem Ursula Herrmann vom Turnunterricht heimradelte
Ein Fotograf filmt bei der Pressekonferenz die Kiste, in der das Mädchen qualvoll ersticken musste, und das Fahrrad, mit dem Ursula Herrmann vom Turnunterricht heimradelte © dpa
Das Grab von Ursula Herrmann in Eching
Das Grab von Ursula Herrmann in Eching © Kurzendörfer
Ein Herz aus Blumen auf dem Grab von Ursula Herrmann in Eching
Ein Herz aus Blumen auf dem Grab von Ursula Herrmann in Eching © Kurzendörfer
Mit diesem Fahrrad war das Mädchen im Waldstück zwischen Schondorf und Eching unterwegs
Mit diesem Fahrrad war das Mädchen im Waldstück zwischen Schondorf und Eching unterwegs © Kurzendörfer
Peter Burghardt, Sprecher des LKA, zeigt die Kiste, in der Ursula Herrmann so qualvoll im Wald erstickte
Peter Burghardt, Sprecher des LKA, zeigt die Kiste, in der Ursula Herrmann so qualvoll im Wald erstickte © Kurzendörfer
Peter Burghardt, Sprecher des LKA, mit dem Fahrrad des Mädchens und der Kiste, in der sie gefangen gehalten worden ist
Peter Burghardt, Sprecher des LKA, mit dem Fahrrad des Mädchens und der Kiste, in der sie gefangen gehalten worden ist © Kurzendörfer
Josef Geißdörfer vom LKA mit dem Fahrrad von Ursula Herrmann, dahinter ein Nachbau der Kiste, in der sie vergraben war
Josef Geißdörfer vom LKA mit dem Fahrrad von Ursula Herrmann, dahinter ein Nachbau der Kiste, in der sie vergraben war © Bodmer
Die Kiste war auch in der Polizeiausstellung "Die vergessenen Fälle" im Jahr 1999 im Münchner Stadtmuseum zu sehen
Die Kiste war auch in der Polizeiausstellung "Die vergessenen Fälle" im Jahr 1999 im Münchner Stadtmuseum zu sehen © Westermann
In dieser Position wurde Ursula Herrmann in der Kiste gefunden
In dieser Position wurde Ursula Herrmann in der Kiste gefunden © Polizei
Polizisten haben 19 Tage lang nach dem Mädchen gesucht
Polizisten haben 19 Tage lang nach dem Mädchen gesucht © dpa
Jede Menge Schokolade und Kekse hat der Entführer Ursula Herrmann mit in die Kiste gelegt
Jede Menge Schokolade und Kekse hat der Entführer Ursula Herrmann mit in die Kiste gelegt © dpa
Der Entführer hatte Ursula Herrmann Groschenhefte mit in die Kiste gelegt
Der Entführer hatte Ursula Herrmann Groschenhefte mit in die Kiste gelegt © dpa
Erst 19 Tage nach der Entführung wurde die Leiche des Mädchens bei einer Suchaktion gefunden
Erst 19 Tage nach der Entführung wurde die Leiche des Mädchens bei einer Suchaktion gefunden © dpa
Die Leiche der Schülerin Ursula Herrmann wird in einem Zinksarg wegtransportiert (Archivfoto vom 04.10.1981)
Die Leiche der Schülerin Ursula Herrmann wird in einem Zinksarg wegtransportiert (Archivfoto vom 04.10.1981) © dpa
Einer der insgesamt drei Erpresserbriefe im Fall Ursula Herrmann, die mit aus Zeitungen geschnittenen Wörtern zusammengesetzt waren (Archivfoto vom 5.10.1981)
Einer der insgesamt drei Erpresserbriefe im Fall Ursula Herrmann, die mit aus Zeitungen geschnittenen Wörtern zusammengesetzt waren (Archivfoto vom 5.10.1981) © dpa
Ein Passbild der Zehnjährigen
Ein Passbild der Zehnjährigen © dpa
Der Eingang des unterirdischen Verlieses in einem Waldstück bei Schondorf, das mit frisch gepflanzten Bäumen getarnt war
Der Eingang des unterirdischen Verlieses in einem Waldstück bei Schondorf, das mit frisch gepflanzten Bäumen getarnt war © dpa
Ursula Herrmann aus Eching wurde am 4. Oktober 1981 tot in einer Kiste im Wald gefunden
Ursula Herrmann aus Eching wurde am 4. Oktober 1981 tot in einer Kiste im Wald gefunden © Polizei
Im Alter von zehn Jahren ist Ursula Herrmann aus Eching entführt worden und qualvoll in einer Kiste erstickt
Im Alter von zehn Jahren ist Ursula Herrmann aus Eching entführt worden und qualvoll in einer Kiste erstickt © Polizei
Das Archivbild vom 5. Oktober 1981 zeigt die in einem Waldstück bei Eching am Ammersee (Landkreis Landsberg am Lech) vergrabene Holzkiste, in der die zehnjährige Ursula Herrmann am 4. Oktober 1981 tot aufgefunden wurde
Das Archivbild vom 5. Oktober 1981 zeigt die in einem Waldstück bei Eching am Ammersee (Landkreis Landsberg am Lech) vergrabene Holzkiste, in der die zehnjährige Ursula Herrmann am 4. Oktober 1981 tot aufgefunden wurde © Polizei

Hauptbeweismittel für die Staatsanwaltschaft ist ein beim Angeklagten erst 2007 gefundenes Spulen-Tonbandgerät. Verdachtsmomente gegen ihn waren zwar schon unmittelbar nach der Tat aufgetaucht und hatten zu einer vorübergehenden Festnahme geführt, sie reichten aber für eine Anklage nicht aus. Erst das sichergestellte Gerät führte 2008 zur Verhaftung des Angeklagten. Kriminalexperten haben an dem Tonbandgerät technische Besonderheiten gefunden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf den mitgeschnittenen Erpresseranrufen zu hören sind.

Die Verteidiger des Beschuldigten halten die vorgebrachten Indizien für eine Verurteilung nicht für ausreichend und zweifeln das Gutachten zu dem Tonbandgerät an. Aus ihrer Sicht ist in dem schon mehr als 13 Monate dauernden Prozess die Täterschaft des Angeklagten nicht zweifelsfrei erwiesen worden.

dpa

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