Altenpflegerin mixte Gift-Cocktail

Urteil: Todesengel wieder in Freiheit

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Andrea T. (42) ist nach neun Monaten Haft wieder frei.

München - Sie ist frei! Altenpflegerin Andrea T. (42), die als Giftmörderin vom Tegernsee angeklagt war, wurde am Montag von diesem Vorwurf freigesprochen.

Das Landgericht München II verurteilte sie nur zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung: wegen Unterschlagung und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz.

Andrea T. war sich ihrer Sache wohl schon vor Prozessbeginn am 9. Januar sicher, dass dies so ausgehen könnte. Strahlend lachte sie in die Kameras. Dabei wog der Vorwurf schwer: Im Altenheim Villa Bruneck in Kreuth habe die Pflegerin der 1930 geborenen Ex-Zahnärztin Martha K. mit Gewalt einen Todescocktail aus Schlafmitteln, Antidepressiva und dem Betäubungsmittel Lidocain eingeflößt. Als die Frau am Abend des 27. Mai 2012 tot aufgefunden wurde, hatte sie eine Verletzung an der Nase und einen dunklen Fleck an der Lippe. Oberstaatsanwalt Florian Gliwitzky in seiner Anklage: „Frau Dr. K. war bereits nach den ersten Schlucken nicht mehr in der Lage zu schreien, da ihr Mund und Rachenraum durch das Lidocain sofort betäubt wurden.“

Im Lauf des Prozesses ergab sich jedoch ein ganz anderes Bild. Martha K. hatte schreckliche Angst davor, eines Tages geistig völlig umnachtet zu sein. Sie wollte sterben, nachdem Ärzte bei ihr eine beginnende Demenz festgestellt hatten. Zwei Suizidversuche waren gescheitert. Ihr Todeswunsch sei ungebrochen gewesen, berichteten Zeugen.

Vor Gericht erzählte An­drea T., dass sie den Wunsch der betagten Frau erfüllen wollte. Dafür erhielt sie von der wohlhabenden Frau wertvollen Schmuck. Diesen hätte die Pflegerin nicht annehmen dürfen, denn Martha K. stand unter Betreuung. Über einen Freund in Ungarn besorgte Andrea T. 20 Ampullen Lidocain. Mit diesem Mittel, so die Angeklagte, habe sie zusammen mit der alten Dame den Todescocktail gemischt.

Andrea T. war von ihren Anwälten gut beraten: Sie selbst habe das Mittel mit einer Spritze aus den Phiolen gezogen. Martha K. habe das Mittel dann in die Mixtur gespritzt. „Ob das stimmt, wissen wir nicht“, so Vorsitzender Richter Martin Rieder in seiner Urteilsbegründung. „Wir wissen nicht, ob die Angeklagte die Mischung eingeflößt hat.“

Im Zweifel für die Angeklagte. Auch Gliwitzky ging in seinem Plädoyer von einer Beihilfe zum Selbstmord aus. Dies ist nicht strafbar. Die Verletzung an der Nase der Toten könnte auch älter gewesen sein. Und der blaue Fleck an der Lippe? Rieder: „Es konnte einfach nur eine Hautverfärbung sein.“

Glücklich nahm Andrea T. ihre Angehörigen in die Arme.

Eberhard Unfried

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