OLG verfügt Ermittlungen gegen Aufsicht

Vanessa (8) ertrank im Freibad: Wird ihr Tod nun gesühnt?

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Himmelkron - Es war ein tragisches Unglück, dass sich vor knapp eineinhalb Jahren in Franken ereignete. Vanessa ertrank bei einem Badeausflug mit ihrem Turnverein. Wird ihr Tod nun gesühnt?

Der 22. Juli 2014 war ein strahlend schöner, 35 Grad heißer Sommertag. Statt zu turnen, entschloss sich die Trainerin des TSV Himmelkron, mit einer 13-köpfigen Mädchengruppe ins benachbarte Freibad zu gehen. Diese Entscheidung kostete Vanessa Koska (8) letztlich das Leben. 

Das Kind war damals erst nach fünf bis zehn Minuten leblos am Boden des Schwimmerbeckens entdeckt worden. Nach sechs Tagen auf der Intensivstation ließ Mutter Ruslana (39) die lebenserhaltenden Maschinen abstellen. Nur kurz darauf stellte auch die Staatsanwaltschaft Bayreuth die Ermittlungen gegen Turntrainerin Gabriele B. und Bademeister Reinhard S. ein. Sie stufte Vanessas Tod als tragischen Unfall ein, sah „keine schuldhafte Aufsichtspflichtverletzung“ der beiden. 

„Warum?“ Diese Frage stellte sich Vanessas Mutter seitdem immer wieder. Sie hat Leber und Nieren ihrer Tochter gespendet, auf diese Weise anderen Kindern Leben geschenkt. Doch für den Tod ihrer eigenen Tochter hat sie bis heute keine Erklärung: „Ich will Rechenschaft“, sagt sie mit verweinten Augen der tz. „Die Verantwortlichen sollen wissen, dass man sich so nicht verhalten darf.“

OLG-Richter widersprechen Staatsanwaltschaft

In einem Klageerzwingungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Bamberg hat sie die Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen den Bademeister und die Trainerin erreicht. Der Bescheid der OLG-Richter ist eine schallende Ohrfeige für die Staatsanwaltschaft Bayreuth: „Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen neigt der Senat dazu, den hinreichenden Tatverdacht für die Erhebung der öffentlichen Klage zu bejahen“, steht in dem Bescheid, der Ruslana Koska nun auf Gerechtigkeit hoffen lässt. Denn die Ermittlungsakten offenbaren eine schier unfassbare Kette von Schlampereien...

Ruslana Koska: „Der Bademeister war nur Bauhofmitarbeiter. Er musste auch Eintrittskarten und Eis verkaufen. Als meine Tochter ertrank, las er Zeitung.“ Auch bei der Trainerin sehen die Richter in Bamberg „Anhaltspunkte für schuldhafte Pflichtverletzungen“: Die Betreuerinnen hätten sich nicht vergewissert, ob Vanessa zu mehr als nur ein paar Schwimmbewegungen in der Lage war. Dazu kam, dass der Defibrillator defekt war, Vanessa nach der Bergung aus demBeckenüberdies nicht in die stabile Seitenlage gebracht wurde.

Fotos und ein Büschel Haare – mehr ist Ruslana Koska nicht von ihrer Tochter geblieben. Ihre Ehe ist nach dem Freibaddrama in die Brüche gegangen, das von der Gemeinde Himmelkron angebotene Schmerzensgeld von 45 000 Euro will sie nicht anrühren: „Das ist Schweigegeld.“ Nun hofft sie auf einen öffentlichen Prozess im kommenden Jahr: „Dass es jetzt weitergeht, gibt mir Kraft."

tz

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