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Vanessa und Nici: Tod am  Bahngleis

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der Unfallort. © dpa

Memmingen - Zwei Mädchen sind bei einem tragischen Zugunglück in Schwaben ums Leben gekommen. Die Polizei schließt Selbstmord sowie ein Fremdverschulden aus

Es ist ein düsterer Ort, hier unter der Autobahnbrücke bei Memmingen: Die Sonne schafft es kaum, die Unterführung mit Licht zu füllen. Zwei Absperrbänder sind neben den Bahngleisen gespannt, Graffitis auf die Betonpfeiler gesprüht. Vor einem Pfeiler brennen unzählige Kerzen, liegen Blumen auf dem staubigen Boden. Zwei Mädchen lachen auf einem Foto. Vanessa (14) und Nici (16) waren beste Freundinnen in ihrem kurzen Leben. Die Schülerinnen sind tot, sie wurden von einem Regionalzug erfasst.

Zwei Mädchen sterben bei tragischem Zugunglück

Die Mädchen hören den Zug am Freitagnachmittag viel zu spät. Sie haben die Welt um sich vergessen, als das Unglück sich nähert. Vanessa und Nici knien auf den Gleisen, ritzen ihre Namen in den kalten Stahl. Es soll ein Zeichen sein, soll sie für immer verbinden. „Egal was passieren mag, wir gehen gemeinsam unseren Weg“, haben sie vor Kurzem auf ein Foto geschrieben. Auf dem Bild sitzen sie auf Gleisen, sie schauen sich tief in die Augen. Es ist laut unter der Autobahnbrücke der A 7. Die Motoren der Lastwagen und der Autos dröhnen ohne Pause. Vielleicht vertrauen die Mädchen darauf, einen heranrasenden Zug an den Vibrationen rechtzeitig zu erkennen, ihn irgendwie zu spüren. Ein Fehler.

Bilder vom Unfallort

Die zwei entkommen dem Zug nicht, der um 17.20 Uhr mit Tempo 110 auf sie zurast. Die Lok erfasst sie nicht frontal, das haben Rechtsmediziner herausgefunden. Vanessa und Nici müssen die tödliche Gefahr im letzten Augenblick irgendwie gesehen und gehört haben. Mit einem Sprung wollen sie sich in Sicherheit bringen. Sie ahnen nicht, dass ein rasender Zug einen kraftvollen Sog entwickelt. Menschen, die ihm zu nah kommen, werden mitgerissen wie Blätter im Herbstwind. Die Körper der Mädchen wirbeln durch die Luft, gegen die Waggons, gegen einen Brückenpfeiler. Als der Regionalzug die Unterführung passiert hat, liegen sie neben den Gleisen, zwischen der Bahntrasse und den Betonpfeilern. Vanessa ist tot, ihr Herz hat aufgehört zu schlagen.

Ihre Freundin Nici aber lebt, sie atmet schwer. Minuten später erreicht ein Schüler über einen Trampelpfad die Unterführung. Timo (15) ist hier mit seiner Freundin Vanessa verabredet. Der Schüler sucht nach den Mädchen, ruft ihre Namen. Dann entdeckt er in dem dämmrigen Licht plötzlich Kleider. Er alarmiert mit dem Handy die Polizei. Wenig später findet er die Körper der Mädchen. Nur Nici atmet noch schwach. „Wach auf, komm doch zurück“, schreit er das Mädchen verzweifelt an. Als der Notarzt die schwer zugängliche Unfallstelle erreicht, kann er nichts mehr für Nici tun. Vanessas Freund erleidet einen Schock, Psychologen kümmern sich um ihn, auch um die anderen Freunde, die zum Unglücksort kommen. Jenen Ort, an dem sie sich oft getroffen haben, viele Stunden verbrachten und dabei über Gott und die Welt redeten.

Nici war sozial engagiert, arbeitete bei einem Jugendtreff mit. Auch Vanessa war überall beliebt, war für ihre Hilfsbereitschaft bekannt. Es gibt keine Zeugen des tödlichen Unglücks. Die Ermittler gehen von einem tragischen Unfall aus. „Wir schließen einen Suizid oder ein Fremdverschulden aus“, sagt ein Polizeisprecher. Der Lokführer hat von dem Drama nichts gemerkt. Er hat die Mädchen in der dunklen Unterführung nicht gesehen. Am Samstag und Sonntag fuhren die Züge auf der Strecke Augsburg-Lindau an dieser Stelle nur ganz langsam vorbei. Ein Bundespolizist passt auf, dass die trauernden Freunde nicht über die Gleise laufen. Sie legen Blumen ab, entzünden Teelichter. „Für unsere Engel. Wir werden euch nie vergessen.“

JAM

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