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Kampf gegen Rauchverbot gescheitert: Dicke Luft bei VEBWK

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Jürgen Lochbihler, Heinrich Kohlhuber, Franz Bergmüller, Jürgen Koch – unter den Vereinsmitgliedern herrscht dicke Luft © Kurzendörfer

München - Seit drei Jahren kämpft der Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur VEBWK gegen das Rauchverbot. Das Ziel wurde verfehlt. Jetzt qualmt es hinter den Kulissen.

Nun steigt beim VEBWK, der in seinen besten Zeiten 80.000 Mitglieder hatte, selbst der Rauch auf. Bei der Mitgliederversammlung am Montag soll Ex-Geschäftsführer und Gründungsmitglied Heinrich Kohlhuber wegen vereinsschädigenden Verhaltens ausgeschlossen werden. Der Gastronom wiederum wirft die Frage auf, was aus dem millionenschweren Vereinsvermögen übrig ist. Vereinsboss Franz Bergmüller schweigt.

Der VEBWK wurde 2007 gegründet, um das Rauchverbot mittels Clubmitgliedschaften zu umgehen und die Regelung ganz zu kippen. Erster Vorstand wurde Dorfwirt Franz Bergmüller aus Feldkirchen-Westerham, Vize der Münchner Pschorr-Wirt Jürgen Lochbihler, Schatzmeister sein Münchner Kollege Jürgen Koch, Geschäftsführer der Hallertauer Wirt Heinrich Kohlhuber.

Rauchverbote in den Bundesländern

Lochbihler und Bergmüller traten 2008 als Landtags-Kandidaten für die Freien Wähler an, Koch für die FDP. Alle drei scheiterten. Trotz einer 50 000-Euro-Wahlhilfe aus der Vereinskasse, wie Bergmüller bestätigt. Trotzdem: CSU und FDP lockerten nach der Landtagswahl das Rauchverbot – bis es heuer zum Volksentscheid kam.

Schon lange vorher bahnte sich aber die Spaltung des VEBWK an: Der Vorstand feuerte Kohlhuber. Der wiederum gründete seinen eigenen Verein, den Bundesverein Gastronomie und Genuss e.V. (BVGG), blieb aber Mitglied im VEBWK. „Die beiden Vereine konkurrieren nicht, da der BVGG bundesweit auftritt während es den VEBWK nur in Bayern gibt“, so Kohlhuber.

Doch die Etablierung des BVGG wird als Begründung für Kohlhubers Entlassung herangezogen, die der Vorstand bereits beschlossen hat und der die VEBWK-Mitglieder am Montag zustimmen sollen.

Und dann gibt es noch den Vorwurf, dass Kohlhuber eine VEBWK-eigene PC-Anlage trotz mehrfacher Aufforderung nicht zurückgegeben habe. Kohlhuber erklärt das so: „Ich hatte auf ein halbes Jahr ausstehendes Gehalt und noch ausstehende Auslagen über 2800 Euro geklagt – Weißwürste für Herrn Bergmüllers Veranstaltungen oder Parkgebühren, die ich vorgestreckt hatte. Den Computer behielt ich als Pfand.“

Als es im Oktober vor dem Landgericht um die Klärung ging, habe VEBWK-Vize Lochbihler laut Kohlhuber erklärt, „dass der Verein nicht in der Lage ist, 10 000 Euro zahlen.“ Kohlhuber: „Dann frage ich mich schon, wo das ganze Geld geblieben ist.“ Nach Kohlhubers Berechnung hat der VEBWK seit 2007 mehr als drei Millionen Euro an Mitgliedsgebühren eingenommen. Kohlhuber: „Was haben die mit dem ganzen Geld gemacht?“ Vor Gericht habe man sich dann auf 5000 Euro geeinigt. Kohlhuber: „Auch die habe noch nicht gesehen.“

Lochbihler weist diese Vorhaltungen zurück: „Dass ich das gesagt haben soll, ist eine reine Lüge. Der VEBWK ist absolut zahlungsfähig.“ Über den Verbleib der Mitgliedsbeiträge befragte die tz VEBWK-Chef Bergmüller, doch der wollte sich nicht äußern: „Das machen wir bei der Mitgliederversammlung.“

Möglich ist aber auch, dass Bergmüller die Mitgliederversammlung nicht als Vorsitzender übersteht. Es wird Gegenkandidaten geben. Abstimmen dürfen allerdings nur die gut 1000 Vollmitglieder – vorwiegend Gastronomen. Die laut Bergmüller noch 40 000 „Gastmitglieder“ haben lediglich Rederecht. Zahlen dürfen sie allerdings.

Johannes Welte

tz-Stichwort: Nichtraucherschutz

Das Volksbegehren „Für echten Nichtraucherschutz!“ war ebenso umstritten wie erfolgreich. Initiiert worden war es von der ÖDP, später wurde es auch von SPD, Grünen sowie zahlreichen gemeinnützigen Vereinen unterstützt. Am 4. Juli 2010 stimmten 61 Prozent der Wahlberechtigten für den bundesweit strengsten Nichtraucherschutz, 39 Prozent dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 37,7 Prozent. Die Neufassung des Gesundheitsschutzgesetzes trat damit am 1. August 2010 in Kraft.

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