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Bei Kauf von gebrauchtem Damenslip: Mann gesteht Vergewaltigung vor Gericht

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Von: Michael Bothner

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Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Mathias Klose vor dem Amtsgericht Regensburg.
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Mathias Klose vor dem Amtsgericht Regensburg. © Michael Bothner

Eigentlich ging es nur um den Verkauf eines benutzten Damenhöschens. Am Ende musste sich der Käufer wegen Vergewaltigung vor Gericht verantworten.

Regensburg – 70 Euro war ein Familienberater bereit, für ein gebrauchtes Höschen von Sarah F. (Name geändert) zu bezahlen. Unter dem Pseudonym Tom vereinbarte der Nittenauer einen Termin mit der jungen Frau, die ihre Unterwäsche auf einem Online-Marktplatz zum Verkauf angeboten hatte. Was dann an jenem 9. Dezember passierte, brachte den 35-Jährigen nun vor Gericht.

Familienvater will gebrauchten Damenslip kaufen: Verabredung vor Justizgebäude

Es sei seine Sache, was er mit seinem Geld machen, sagt Richterin Andrea Costa bei der Verhandlung am Dienstagmittag zu dem Angeklagten. „Aber es muss sich in dem Rahmen halten, wie das vereinbart wurde.“ Und genau das war am Ende nicht der Fall.

Die 70 Euro wollte Tom damals nur zahlen, wenn die Frau den Slip vor seinen Augen auszieht. Arbeitslos und zudem drogenabhängig, willigte die 22-Jährige in den Deal ein. Ob es auch zum Sex kommen könnte, wie vom Angeklagten im Chat erfragt, das wolle sie dann persönlich vor Ort klären. Man verabredete sich für 18 Uhr vor dem Justizgebäude, schräg gegenüber vom Dörnbergpark in Regensburg.

Übergriff bei Damenslip-Kauf: Opfer hat keine Erinnerung mehr

Tom kommt 45 Minuten zu spät, doch Sarah F. hat gewartet. Gemeinsam begibt man sich in die Abgeschiedenheit des Parks. Auf einer Bank beginnt die Frau damit, Schuhe, Hose und ihren Slip auszuziehen.

Heute hat Sarah F. – die unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagt – keine wirkliche Erinnerung mehr, an das, was dann geschah. „Ich habe den Eindruck, Sie verdrängen das auch“, so Richterin Costa. Doch der Angeklagte hat bereits vollumfänglich gestanden und die Anklage akzeptiert. Unter anderem deshalb kommt er am Ende mit einer Bewährungsstrafe davon.

Als das Opfer den Slip auszieht kommt es zur Vergewaltigung

Während sie sich im Park auszieht, kommt Sarah F. vermutlich ins Wanken. Der Angeklagte stützt sie – und greift ihr spontan von hinten ans Gesäß, nutzt den Moment und dringt für einen kurzen Augenblick mit einem Finger in die Frau ein. Damit ist der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt. Als sie realisiert, was gerade geschieht, schreit die 22-Jährige laut auf, tritt nach dem Mann und droht, die Polizei zu rufen. Tom lässt sofort von ihr ab und rennt weg.

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Flucht nach sexuellem Übergriff: Polizei stellt Täter eine Falle

Eine Viertelstunde später meldet er sich per Chatnachricht bei seinem Opfer. Es tue ihm leid und er wolle es wiedergutmachen, schreibt er. Fragt aber so gleich, ob er sie „ficken“ dürfe. Was Tom zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Am anderen Ende sitzt bereits die Polizei, die mit einem Großaufgebot nach ihm sucht. Sie stellen dem Angeklagten im Chat eine Falle und können ihn so festnehmen.

Die Tat sei für die Frau in jedem Fall erniedrigend gewesen, lautet das Fazit der Richterin am Dienstag. Dennoch bleibt man mit der verhängten zehnmonatigen Haftstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, am untersten Rand. Neben der Bewährungsstrafe muss der 36-Jährige 2.000 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer überweisen.

Bewährungsstrafe für Vergewaltigung: Partner des Opfers droht dem Täter

Für den Partner der Geschädigten ein emotional nicht nachvollziehbares Urteil. Schon während der Verhandlung schimpft er mehrfach in Richtung des Angeklagten, beleidigt und bedroht ihn in den Verhandlungspausen. Die ohnehin schon vom Verfahren sichtlich belastete Frau, hat gewisse Mühe, ihren Freund zurückzuhalten. Auch die Richterin ermahnt ihn wiederholt und bittet, im Zweifel den Saal zu verlassen.

Dass der Angeklagte laut eigener Aussage seit der Tat mit massiven Eheproblemen zu kämpfen hat und mittlerweile in Therapie ist, dürfte der Geschädigten und vor allem auch ihrem Freund wenig Genugtuung sein.

Gericht über Vergewaltigung: Handlung war „am untersten Rand angesiedelt“

Das konkrete Geschehen müsse aufgrund der geringen Intensität der sexuellen Handlung aber „am untersten Rand angesiedelt“ werden, so das Urteil des Schöffengerichts. Das kurze, nicht allzu tiefe Eindringen sei für die Frau nicht mit Schmerzen verbunden gewesen. Zudem müsse von einer spontanen Handlung ausgegangen werden, die der Angeklagte so selbst gar nicht geplant hatte.

Nachdem der Angeklagte mit seinem Verteidiger Matthias Klose das Gerichtsgebäude verlässt, wartet der Freund bereits wieder und will den 36-Jährigen zur Rede stellen. Als Klose ihn mehrfach bittet, einfach zu gehen, setzt er sich auf die Stufen vor den Eingang, ohne den Blick vom Angeklagten zu lassen – bis dieser um die Ecke verschwindet.

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